Anzeige

Anzeige
07.07.20

Fisch Asset Management: Fragiles Gleichgewicht wird anfälliger für Störungen

Covid-19 dürfte das zweite Halbjahr maßgeblich prägen. Die lockere Notenbankpolitik hat die negativen konjunkturellen Auswirkungen zwar wirksam abmildern können, doch die Dominanz der Geldpolitik führt zu einer anhaltenden Divergenz zwischen realwirtschaftlicher Entwicklung und den Bewertungen an den Aktien- und Kreditmärkten.

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich, nimmt Stellung zur aktuellen Lage und blickt voraus:

Langsame Konjunkturerholung birgt Gefahren für die Kreditmärkte
„Wir sehen derzeit ein Gleichgewicht zwischen den Auf- und Abwärtskräften an den Finanzmärkten. Die negativen Folgen der Pandemie einerseits und die lockere Geldpolitik sowie die nach dem Absturz wieder langsam wieder in Gang kommende Wirtschaftsaktivität andererseits heben sich weiterhin weltweit nahezu vollständig auf. Auf Seiten der Konjunktur sehen wir zwar eine globale Erholung, doch es mehren sich die Anzeichen, dass diese langsamer als erwartet von statten gehen könnte. Insbesondere der Arbeitsmarkt verbessert sich nur moderat. Die US-Notenbank weist in diesem Zusammenhang auf signifikante Risiken hin. Kleinere und mittlere Unternehmen sind besonders betroffen und schaffen bisher nicht genügend viele neue Stellen. Auf der anderen Seite zeigen sowohl Konsum als auch Häuserbau sehr starke Erholungen. Allerdings wird hier zunächst nur aufgestauter Nachholbedarf abgebaut. Die Dynamik dürfte deshalb hier in nächster Zeit wieder nachlassen. Dabei besteht die Gefahr, dass sich diese sehr langsame Erholung der Konjunktur mittelfristig an den Finanzmärkten und insbesondere den High-Yield-Kreditmärkten negativ bemerkbar machen wird.“

Covid-19-Ausbreitung künftig wohl besser medizinisch beherrschbar
„Die Ausbreitung des Covid-19-Virus bleibt in vielen Ländern trotz Öffnung der Wirtschaft insgesamt bisher unter Kontrolle. Trotzdem kommt es vermehrt zu stärkeren, lokal begrenzten Ausbrüchen. Die Wucht der zweiten Viruswelle nimmt dabei stärker als erwartet zu. Insbesondere in den USA, aber auch in verschiedenen Schwellenländern könnte sich die Lage in den kommenden Wochen wieder deutlich verschlechtern. Positiv ist zu werten, dass es aufgrund von Erkenntnissen aus der ersten Viruswelle, verbesserten Sicherheitsabläufen und zwei wirksamen Medikamenten zumindest in den USA in unmittelbarer Zukunft nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems oder größeren Shutdowns der Wirtschaft kommen dürfte. Trotzdem wird die wirtschaftliche Erholung dadurch weiter verlangsamt (insbesondere in Problemsektoren wie Freizeit und Luftfahrt) und das Konsumentenvertrauen vermindert.“

Geldpolitik bleibt der Schlüssel zur Entwicklung an den Finanzmärkten
„Die großzügige geldpolitische Unterstützung der vergangenen Monate verliert derzeit etwas an Schwung. Beim Geldmengenwachstum in den USA ist eine leichte Abschwächung festzustellen. Zudem stagniert die Bilanz der US-Notenbank seit einiger Zeit auf hohem Niveau, was auf eine etwas langsamere Gangart der Fed bei Wertpapierkäufen hindeutet. Allerdings rechnen wir noch nicht mit einem generellen Kurswechsel der Notenbanken. Wenn nötig (bei Marktunruhen), kann die monetäre Unterstützung sogar weiter und unlimitiert ausgeweitet werden. Das ist ein wichtiger Faktor, der unserer Meinung nach die relativ hohen Bewertungen der Finanzmärkte noch für längere Zeit teilweise rechtfertigt. Die sehr expansive Geldpolitik der Fed überträgt sich des Weiteren auch auf andere Regionen, solange der US-Dollar stabil bleibt oder sogar schwächer wird. Als Unsicherheitsfaktor am Horizont sehen wir die künftige Inflationsentwicklung. Denn die lockere Geldpolitik und die monetären Stimulusprogramme werden solange funktionieren, bis die Inflation ansteigt. In diesem Fall werden die Notenbanken gezwungen sein, ihre Liquiditätszufuhr zu drosseln – mit entsprechend negativen Folgen für die Konjunktur, den Staatsanleihenmarkt und die Finanzmärkte. Im Augenblick besteht zwar noch kein nennenswerter Inflationsdruck, doch viele Voraussetzungen dafür sind gegeben.“

Einsatz von Helikoptergeld möglich
„In der zunehmenden staatlichen Verschuldung in vielen Ländern sehen wir kurz- bis mittelfristig kein Problem, da die Zentralbanken die neu emittierten Staatsanleihen aufkaufen und damit einen Anstieg des Zinsniveaus verhindern. Sie streben zudem immer stärker eine vollständige Kontrolle der Zinskurvenstruktur an. Möglicherweise werden wir mittelfristig auch den Einsatz von Helikoptergeld sehen, das heißt die Staatsausgaben würden dann direkt und dauerhaft über die Notenbank finanziert. Verschiedene sanftere Varianten dieses Mittels gab es in den vergangenen Jahren bereits einige. Helikoptergeld wäre außerdem sehr wirkungsvoll zur Kontrolle des Zinsniveaus. Die anhaltend relativ hohen Bewertungen der Aktien- und Kreditmärkte sehen wir durch die langsame Erholung der Wirtschaft und die wieder stärkere Ausbreitung von Covid-19 nur bedingt als gerechtfertigt an. Es besteht weiterhin eine Diskrepanz zwischen der fundamentalen Entwicklung und den Marktpreisen, die derzeit stark von der monetären Unterstützung der Zentralbanken getrieben ist. Eine eigentliche Blase ist aber noch nicht bemerkbar.“

Fazit und Positionierung
„Das erwähnte Gleichgewicht ist weiterhin sehr fragil und wird immer anfälliger für Störungen. Insbesondere sind die abnehmende Geldmengendynamik und die zunehmende zweite Viruswelle potenziell gefährliche Faktoren für die Konjunktur und die Börsen. Aktuell sind keine starken Trends an den Finanzmärkten sichtbar. Rohstoffe tendieren leicht schwächer, Staatsanleihen leicht besser. Dies bestätigt das allgemeine Gleichgewicht zwischen Auf- und Abwärtskräften. Allerdings kann es hier jederzeit zu schnellen Veränderungen kommen. Wir verfolgen daher kontinuierlich Trendsignale und andere Frühinkatoren. Wir bleiben bei der Positionierung unserer Strategien in einer neutralen Bandbreite mit leichter Untergewichtung des Risikoexposures bei problematischen Schuldnern und kleinen, illiquiden Titeln. Wir halten aber weiterhin Ausschau nach Opportunitäten – auch in den bisherigen Problemsektoren und in Schwellenländern.“

Foto: Beat Thoma, CIO © Fisch Asset Management
www.fixed-income.org



31.07.2020, Investment

BNY Mellon Investment Management: Unternehmensanleihen kaufen, wenn die Kanonen donnern

Seit dem Markteinbruch im Frühjahr, unter dem vor allem Schwellenländer- und Hochzinsanleihen stark litten, haben sich viele Anleihesegmente wieder deutlich erholt. Die makro-ökonomische Lage bleibt... [mehr]
30.07.2020, Investment

EMD-Hartwährung trotz jüngster Rallye attraktiv

Die Credit-Spreads der Schwellenländer bieten immer noch Investitionsmöglichkeiten

Seit ihrem Zehnjahreshoch im März und April 2020 haben sich die Credit Spreads der Schwellenländer wieder deutlich verengt. Die schnelle Trendwende wurde durch das Erreichen des Tiefpunkts bei den... [mehr]
29.07.2020, Investment

J.P. Morgan Asset Management: Dramatisch reduzierte Bewertungen bei Wandelanleihen

„JPMorgan Investment Funds – Global Opportunistic Convertibles Income Fund“ nutzt Erholungspotenzial sowohl auf der Anleihen- als auch auf der Aktienseite

Gibt es heute noch Anleihen unter Nennwert mit attraktiver Verzinsung? Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management hat die aktuelle Volatilität an den Märkten zu dramatisch reduzierten... [mehr]
29.07.2020, Investment

Tabula Studie zeigt Innovationsmangel bei Fixed Income ESG ETFs

82% der professionellen Anleger wünschen sich mehr Innovation bei Fixed Income ESG ETFs

Neueste Forschungsergebnisse des spezialisierten Anbieters von Fixed Income ETFs, Tabula Investment Management, zeigen, dass sich die europäischen professionellen Anleger mehr Innovation bei Fixed... [mehr]
28.07.2020, Investment

BNY Mellon IM: US-Staatsanleihen: Aufwärtsdruck auf Renditen nur vorübergehend?

Die aktuellen Wertpapierkäufe der Zentralbanken der USA, Japans und des Euroraums haben deren Bilanzen bereits um rund 4,5 Billionen US-Dollar ansteigen lassen. Das ist fast doppelt so viel wie zum... [mehr]
28.07.2020, Investment

BARINGS: Wie lange kann das noch so weitergehen?

Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute, befasst sich mit der Finanzierung der Corona-Kosten und dem Schuldenstand der USA

„Die Staatsverschuldung der USA mag neue Rekorde aufstellen, aber Investoren sollten sich mehr auf Kreditkosten und Wachstumsraten konzentrieren. Wie jeder Bankier bestätigen wird, ist die Höhe der... [mehr]
27.07.2020, Investment

Outlook Schwellenländeranleihen: „Ausreichend Spielraum für weitere Spreadeinengungen“

Wie sind die Aussichten für Schwellenländeranleihen im dritten Quartal 2020? Denise Simon, Co-Head und Portfoliomanagerin/Analystin im Emerging Markets Debt Team von Lazard Asset Management, hat eine... [mehr]
24.07.2020, Investment

Unterstützende technische Daten und geringfügig verbesserte Fundamentaldaten tragen weiterhin zur Kompensation der anhaltend besorgniserregenden Signale bei

von Michael McEachern, Head of Public Markets bei Muzinich & Co, kommentiert die Lage an den Kreditmärkten

Im Juni setzte sich der Aufwärtstrend der beiden Vormonate an den globalen Kreditmärkten fort. Positive Makrodaten führten zur lang erwarteten Erholung. Die Unterstützung durch die US-Notenbank und... [mehr]
23.07.2020, Investment

M&G Investments: Die McLaren-Anleihen in der Corona-Krise – Wie ein Crash vermieden wurde

Analyse zu den Anleihen von McLaren in der Corona-Krise von Lu Yu, stellvertretende Fondsmanagerin des M&G (Lux) Global High Yield ESG Bond Fund

„Covid-19 hat unsere Sichtweise einer sicheren und stabilen Welt in Frage gestellt. High-Yield-Fondsmanager, wie ich, haben miterlebt, wie die Pandemie viele Unternehmen unter massiven finanziellen... [mehr]
23.07.2020, Investment

Konjunktur unter Narkose

von Harry Richards, Fondsmanager im Fixed Income-Team bei Jupiter Asset Management

Nach unserer Auffassung wurde die spektakuläre Rally der Risikoanlagen im zweiten Quartal von den rekordhohen Konjunkturmaßnahmen getrieben, die Zentralbanken und Regierungen ergriffen hatten, um die... [mehr]
News 1 bis 10 von 4425
<< Erste < zurück 1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 vor > Letzte >>
Anzeige
Neue Ausgabe jetzt online!



Aktuelle Ausgabe
kostenlos herunterladen