Anzeige

Anzeige
19.03.21

Planlose EU: Es droht eine ungeordnete Bewegung bei EUR-Staatsanleihen

Die Ankündigung der EZB von letzter Woche, dass die Intensität der Staatsanleihenkäufe im Rahmen des PEPP-Programms im nächsten Quartal zunehmen wird, ist an den Anleihenmärkten verpufft. Weiterhin im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der kontinuierliche Ausverkauf bei langlaufenden US-Staatsanleihen.

Um ihren weiteren Fahrplan abzustecken hat die EZB zwei Szenarien erarbeitet – ein „mildes“ und ein „ernstes“. In den Annahmen für das milde Szenario werden wir alle noch vor dem Sommer geimpft und das reale Wachstum steigt 2021 auf 6,4%. Wir erreichen das Produktionsniveau von vor der Krise im Herbst dieses Jahres und die Inflation erreicht 2023 1,7%. Diese Projektion sei auf Augenhöhe mit dem Impffortschritt. Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM), bezeichnet dieses Bild von der nahen Zukunft als „lächerlich“. Demgegenüber geht das ernstere Szenario von einer anhaltenden Pandemie und einer verminderten Wirksamkeit der Impfstoffe aus, was die Regierungen dazu zwingt, die Eindämmungsmaßnahmen bis Mitte 2023 beizubehalten. Die Folge wäre ein ernüchterndes reales BIP-Wachstum von 2,0% im Jahr 2021. Das Produktionsniveau der Vorkrisenzeit würde innerhalb des Projektionszeitraums nicht erreicht und die Inflation sich 2023 bei 1,1% einpendeln.

Das ernste Szenario hätte starke Auswirkungen auf das Wachstum, aber weniger auf die Inflation. Die Europäische Kommission würde zum Sündenbock werden, aber diesen Makel neben der Kritik an ihrer amateurhaften Handhabung der EU-weiten Impfungen ertragen. „‘Es ist kompliziert‘ ist ein Argument, das wir alle teilen und verstehen. Aber eine Krise, die nur einmal in 100 Jahren auftritt, erfordert eine starke Führung. Die heutige Realität innerhalb der EU - im Jahr Nummer zwei der COVID-Pandemie - ist eine planlose und von zunehmenden Unsicherheiten über die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Ergebnisse geprägte, auch mit Blick auf die nächsten 12 Monate“, sagt Peter De Coensel.

In den kommenden Monaten rechnet der Experte mit einer sehr dominanten EZB-Intervention bei Staatsanleihen. Angesichts der angespannten Liquiditätsbedingungen bei Unternehmensanleihen mit Investment Grade (IG) sollte man eine unveränderte Kaufintensität von 6 Mrd. EUR pro Monat für den Unternehmenssektor erwarten. „Die EZB will eine klare Linie ziehen. Gelingt es ihr nicht, eine Renditekonsolidierung zu erreichen, wird der ohnehin schon angeschlagene Weg noch problematischer.“

Derweil kam die Wachablösung in den USA gerade zur rechten Zeit. Präsident Biden übererfüllt die Erwartungen. Die neue Regierung hat einen beeindruckenden Start hingelegt. Das neue fiskalisch-monetäre Regime wirkt fast magisch. Neben einem monetären All-in-Impuls seit März 2020 marschiert nun der fiskalische Impuls voran. Die FED bleibt im „Autopilot“-Modus und steht voll hinter der gezielten Pandemiehilfe. Die US-amerikanische Unter- und Mittelschicht ist hart getroffen worden. Das Geld, das seit dieser Woche an viele Haushalte geht, ist eine Voraussetzung dafür, dass die Narben des letzten Jahres zu heilen beginnen.

Die US-Notenbank wird dem Vorsichtsprinzip huldigen. Angesichts des Finanzierungsungleichgewichts von 3,6 Billionen Dollar zwischen Angebot und Nachfrage ist im Jahr 2021 kein Tapering zu erwarten. Das Ungleichgewicht wird im Jahr 2022 immer noch etwa 3 Billionen Dollar erreichen. Das Tapering der FED wird - wenn es überhaupt kommt – sich sehr in die Länge ziehen und die Käufe von T-Bills oder hypothekarisch gesicherten Wertpapieren betreffen und weniger Treasury-Käufe. Der Markt erwartet eine restriktivere FED mit einer Leitzinsanhebung Mitte 2023 und preist eine vollständige Leitzins-Normalisierung in Richtung 2,5% in 2025 ein

„Die FED befasst sich mit realen Fakten und Daten und nicht mit Prognosen und stärkt damit ihre ergebnisorientierte Führung der Geldpolitik. Da wir es mit einer höchst ungewissen Zukunft zu tun haben, sollten wir in den nächsten Quartalen eine deutliche Verlangsamung des geordneten Ausverkaufs bei US-Staatsanleihen erwarten“, betont Peter De Coensel.

Die harten Töne der europäischen Institutionen, die versuchen, den Herausforderungen und Realitäten der Pandemie zu begegnen, sind laut und deutlich zu hören. Das Fehlen einer Fiskalunion und echter Solidarität offenbart die Bruchlinien in der Architektur der EU. Die Europäische Gemeinschaft hat unter der Präsidentschaft von Jacques Delors zwischen 1985 und 1995 die europäische Einheit durch die Schaffung des Binnenmarktes erreicht. Unter seiner Präsidentschaft wurde auch der Vertrag von Maastricht im Februar 1992 unterzeichnet. Es würde die Stimmung heben, wenn die Europäische Kommission 30 Jahre nach dem Vertrag von Maastricht einen Durchbruch bei der Neuaufstellung der gestressten europäischen Architektur signalisieren könnte.

„Der Ausverkauf der US-Renditen ist geordnet, da die reflationäre Politik greift. Die Auswirkungen auf die europäischen Renditen waren bisher begrenzt. Es droht jedoch eine ungeordnete Bewegung an den europäischen Staatsanleihenmärkten, da das fiskalisch-monetäre Experiment auf dieser Seite des Atlantiks zunehmend Probleme bereitet“, fasst Peter De Coensel seinen Ausblick zusammen.

www.fixed-income.org
Foto: Peter De Coensel
© Degroof Petercam Asset Management



22.06.2021, Investment

3 Gründe für einen starken Euro

Marktkommentar von Tobias Stöhr, Börsenexperte bei Spectrum Markets

In den vergangenen zwölf Monaten hat der Euro unter dem Strich gegenüber dem US-Dollar gewonnen. Obwohl es Phasen des Rückgangs gab, insbesondere seit Januar dieses Jahres, ist der Euro noch immer... [mehr]
22.06.2021, Investment

Jerome Powells Drahtseilakt: Zeit für ein Ende der Finanzspritzen?

von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

Es ist nun knapp über ein Jahr her, dass die Fed – konfrontiert mit einer in vielerlei Hinsicht beispiellosen Krise – den Markt mit Liquidität flutete. Kurz vor Beginn des Sommers versucht sich die... [mehr]
22.06.2021, Investment

„Die Renditen können auf beiden Seiten des Atlantiks stärker steigen“, Maria Luisa Matarrelli, Eurizon

Maria Luisa Matarrelli, Head of Developed and Emerging Government Bonds and Forex bei Eurizon, erwartet hinsichtlich der Inflation in den Sommermonaten eine Entspannung und für das 4. Quartal einen... [mehr]
21.06.2021, Investment

Inflation: „vorübergehendes“ Dilemma – oder?

Standpunkt von Deborah A. Cunningham, CFA bei Federated Hermes

Die Auffassung der Fed von „vorübergehend“ könnte zu lang sein. Als die Federal Reserve vor einigen Monaten zum ersten Mal den Begriff „transitorisch“ einführte, um die aufkeimende Inflation zu... [mehr]
18.06.2021, Investment

Triodos IMpact Check - Der fragwürdige Boom hellgrüner Fonds

von Hans Stegeman, Chief Investment Strategist, Triodos Investment Management

Laut dem BVI ist das für deutsche Kunden verwaltete Vermögen nachhaltiger Fonds von Januar bis März dieses Jahres um ganze 107 Milliarden Euro auf einen neuen Höchststand von 254 Milliarden Euro... [mehr]
18.06.2021, Investment

Anleihen: Reflation nutzen statt fürchten!

von Gurpreet Gill, Macro Strategist, Global Fixed Income, bei Goldman Sachs Asset Management

Eines der brisantesten Themen an den Finanzmärkten ist zurzeit der so genannte Reflationshandel. Notenbanken und Regierungen haben beschlossen, die Ausgaben und die Wirtschaftsleistung nach der... [mehr]
17.06.2021, Investment

Die Qual der Wahl..., ...sagt der Volksmund

Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Nach dem von Kritikern beklagten multiplen Staatsversagen bei der professionellen Bekämpfung der Pandemie steht eine neue Herausforderung bevor. Die Bundestagswahl. Eine neue Herausforderung? Nein,... [mehr]
17.06.2021, Investment

Attraktive Verbindung: nachhaltige und finanzielle Rendite

von Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland, Swisscanto Asset Management International S.A.

Jahr für Jahr weist der Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlagen enorme Zuwächse des Segments in der D-A-CH-Region aus. So auch im aktuellen Bericht 2021, der dem deutschen Markt ein Plus von... [mehr]
15.06.2021, Investment

Federated Hermes - Was Anleihen antreibt: Bulle versus Bär

von Anna Chong, Senior Credit Analyst bei Federated Hermes

Das Jahr 2021 war durchaus volatil für die Wertentwicklungen von Vermögensanlagen, bedingt durch ein inflationäres Marktumfeld. Rohstoffe, Aktien und Hochzinsanleihen sind gestiegen – aber... [mehr]
14.06.2021, Investment

Drei Gründe, warum US-Treasury-Renditen 2021 weiter steigen

von Mark Nash, Head of Fixed Income Alternatives bei Jupiter Asset Management

Während sich die Weltwirtschaft von der Pandemie erholt, hat sich die geldpolitische Landschaft dramatisch verändert. Es ist unwahrscheinlich, dass die fiskalischen Ausgaben in absehbarer Zeit enden,... [mehr]
News 1 bis 10 von 4666
<< Erste < zurück 1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 vor > Letzte >>
Anzeige
Neue Ausgabe jetzt online!



Aktuelle Ausgabe
kostenlos herunterladen