Anzeige

Anzeige
Anzeige
04.05.21

Inflationsgebundene Anleihen: Markt-Indizes nach BIP gewichten

Steigende Energiepreise sowie das Auslaufen von steuerlichen Erleichterungen zur Bekämpfung der negativen wirtschaftlichen Pandemie-Auswirkungen haben das Verbraucherpreisgefüge seit Jahresanfang nach oben verschoben – nicht nur hierzulande. Die Bewertungen inflationsgebundener Anleihen deuten darauf hin, dass Anleger mit einem weiteren Anstieg der Inflationserwartungen rechnen. Bei inflationsgebundenen Anleihen, den sogenannten Linkern, handelt es sich um eine eher komplexe, nicht einfach zu erklärende Anlageklasse. „Viele Investoren fragen sich, ob - und wenn ja, in welchem Maß - Linker ihren Platz in einem ausgewogenen (Anleihen-)Portfolio haben sollten“, sagt Sam Vereecke, Portfoliomanager Fixed Income bei DPAM.

Der Experte verweist darauf, dass es bei diesem speziellen Anleihensegment einige Fallstricke zu beachten gibt. Wie bei der Konstruktion von Portfolios aus nominalen Anleihen gilt es generell, hohe Portfoliogewichtungen stark verschuldeter Emittenten zu meiden. Dies gilt gleichermaßen mit Blick auf die Duration, also die durchschnittliche Kapitalbindung für den Investor. Mit zunehmendem Exposure in langlaufenden Anleihen, also solchen mit hoher Duration, steigt das Risiko, also der Druck auf den Anleihenkurs aus einer steigenden Marktrendite heraus. Dementsprechend stehen für den Investor auch bei der Anlage in inflationsgebundenen Anleihen die Fragen im Zentrum, wie stark ein Staat über die Emission von Linkern verschuldet ist und welche durchschnittliche Duration diese aufweisen?

Schaut man auf den globalen Markt für inflationsgebundene Anleihen, fällt diesbezüglich eine große Heterogenität auf. Japan zum Beispiel weist mit über 250% des Sozialproduktes den höchsten Verschuldungsgrad auf, wobei der Anteil inflationsgebundener Anleihen bei nur 1% beträgt. Deutschland zählt neben Neuseeland und Australien zu den gering verschuldeten Staaten, allerdings beträgt der Linker-Anteil ebenfalls nur relativ geringe 3%. Ein ganz anderes Bild zeichnet Großbritannien, das mit 100% des BIP zwar durchschnittlich verschuldet ist. Jedoch beträgt der Anteil von Linkern am gesamten Emissionsvolumen des Landes 20%, ein im internationalen Vergleich hoher Wert. Gleiches trifft auch auf die durchschnittliche Duration zu, die fast doppelt so hoch ist wie bei deutschen inflationsgebundenen Anleihen.

Vorsicht ist Sam Vereecke zufolge demnach mit Blick auf Linker-Indizes geboten. Betrachtet man zum Beispiel den nach Marktvolumen gewichteten Bloomberg Barclays Standard Inflation Index, fällt auf, dass dieser eine Duration von 12,5 Jahren aufweist. Dies macht eine Investition in den Index relativ anfällig gegenüber Zinsänderungen sowie Veränderungen der Inflationserwartungen. Den größten Durationsbeitrag im Index liefert Großbritannien mit 6,5 Jahren. Weil es entsprechend viele seiner Schulden in Form von Linkern mit langer Laufzeit begibt, entfällt mehr als die Hälfte des Zinsrisikos des Index auf das Vereinigte Königreich. „Reduzieren lässt sich das Durationsrisiko durch eine Gewichtung des Index mit dem Bruttoinlandsprodukt der jeweiligen Länder. Die durchschnittliche Duration sinkt in diesem Fall auf Indexebene auf 8,9 Jahre sowie die Großbritanniens auf 1,26 Jahre“, sagt Sam Vereecke. Ein Ansatz, der im DPAM Horizon B Bonds Global Inflation Linked, der inflationsgebundenen Produktexpertise von DPAM, zum Einsatz kommt. Anders als beim Bloomberg Barclays Standard Inflation Index berücksichtigt DPAM zusätzlich Emerging Markets als Emittenten des globalen inflationsgebundenen Anleihenuniversums.

Bezüglich der Inflationserwartung der Märkte verweist der DPAM-Experte darauf, dass die Unsicherheit über den weiteren Weg der Preisentwicklung bereits in den Bewertungen enthalten ist. Ein Überschießen der Inflation sei demnach nicht zu erwarten. Der 10-Jahres-Breakeven-Satz für Deutschland liegt mit 1,34% bereits wieder auf dem Niveau von 2018 sowie derjenige der USA mit 2,35% auf dem Niveau von 2013. In den USA wird die Notenbank Fed weiterhin unterstützend agieren. „Die Realwirtschaft und die Finanzmärkte würden einem monetären Straffungszyklus zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht standhalten, die negativen Auswirkungen wären zu groß. Auch die Arbeitsmärkte brauchen noch Zeit, um sich von den Folgen der Pandemie unter strukturellen Gesichtspunkten zu erholen. Erst nach einigen Jahren einer Kerninflation zwischen 2 und 3,5% sollte sich die Fed zum Handeln berufen fühlen. Aktuell deutet aber nichts auf übermäßige Inflationsgefahren hin. Im zweiten Halbjahr 2021 werden Basiseffekte sowie die wirtschaftliche Stabilisierung mit einer entsprechenden Nachfrageausweitung weiterhin für Volatilität bei den Verbraucherpreisen sorgen“, fasst Sam Vereecke zusammen.

www.fixed-income.org
Foto: Sam Vereecke
© Degroof Petercam Asset Management



15.03.2021, Investment

Ganze Klaviatur des Anleihenmarkts spielen

Kommentar von Thomas Kirchmair, Manager des Swisscanto (LU) Bond Fund Responsible Global Absolute Return

„Die von uns erwartete Nervosität am Anleihenmarkt, verbunden mit einem raschen Renditeanstieg und entsprechend fallenden Kursen, hat sich in Europa etwas gelegt. Dennoch bleibt die Lage für... [mehr]
12.03.2021, Investment

Federated Hermes Marktkommentar: Trotz Inflationsdruck - mehr Grund für Optimismus?

Marktupdate von Lewis Grant, Senior Global Equities Portfolio Manager und Silvia Dall’Angelo, Senior Economist. Diesmal: US-Stimuli, Impffortschritte und zögerliche Lockdown-Lockerungen treiben den... [mehr]
12.03.2021, Investment

Anleihenmärkte zwischen Pest und Cholera

Anleiheninvestoren befinden sich definitiv in einer Zwickmühle, hierauf verweist Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Peterecam Asset Management (DPAM). Warum? Übermäßige... [mehr]
11.03.2021, Investment

M&G: Die EZB drückt auf die Tube

Wolfgang Bauer, Fondsmanager im Anleiheteam von M&G, kommentiert die heutigen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank: „Anleger am europäischen Anleihemarkt hatten sich zuletzt gefragt, ob... [mehr]
11.03.2021, Investment

BNY Mellon IM: Das Spiel an den Anleihemärkten geht weiter

Kommentar von Paul Brain, Manager des BNY Mellon Global Dynamic Bond Fund und Head of Fixed Income bei Newton Investment Management – einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management – zur... [mehr]
11.03.2021, Investment

Muzinich: Chancen von Investment Grade-Anleihen mit kurzer Laufzeit

Marktanalyse von Tatjana Greil-Castro, Portfolio Manager und Co-Head Public Markets bei Muzinich & Co

Investment Grade-Anleihen sind das „weniger riskante“ Segment aus dem Spektrum der Unternehmensanleihen, da sie einen potenziell höheren Kapitalschutz als Hochzinsanleihen bieten können. Ein... [mehr]
10.03.2021, Investment

Großwetterlage

Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand, mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG

Moin! Dieser Standpunkt spielt ja gerne mit seemännischem Vokabular, da die Parallelen des Geschehens auf hoher See mit denen in den Kapitalmärkten nicht zu verkennen sind. Stets ändern sich die... [mehr]
10.03.2021, Investment

OFI Asset Management: Inflation - hü oder hott?

Inflationsängste bei Anlegern sind zurück und die Debatte unter Ökonomen darüber, ob die Inflation kommt oder nicht, ist voll im Gange. Was ist dran am Schreckgespenst Inflation? Darauf gibt... [mehr]
10.03.2021, Investment

Fed reagiert sorglos auf steigende US-Anleiherenditen, setzt Powell jetzt auf Zinserhöhung?

T. Rowe Price kommentiert Fed-Entscheidung

Steigende Renditen auf US-Staatsanleihen bringen Anleger und die Federal Reserve (Fed) in Bedrängnis. Doch der Fed-Vorsitzende Jerome Powell und das Federal Open Market Committee (FOMC) reagierten... [mehr]
09.03.2021, Investment

Ein Blick auf die ESG-Risiken in 2021

Das starke Momentum des Jahres 2020 in Bezug auf den Zuspruch und die Performance nachhaltiger Investments wird auch 2021 anhalten. Grund genug für Ophélie Mortier, Head of Responsible Investments... [mehr]
Anzeige
Neue Ausgabe jetzt online!



Aktuelle Ausgabe
kostenlos herunterladen