Anzeige

Anzeige
04.04.22

DWS Chart der Woche: Fehlende Inflationsexpertise

Einmal mehr lagen die Inflationszahlen diese Woche über den Erwartungen. Die Anleihemärkte reagieren entsprechend, doch die Aktienmärkte erstaunlich gelassen. Wie lange noch?

Es ist fast genau zehn Jahre her, dass Mario Draghi seine berühmten Worte „whatever it takes“1) auf der EZB-Pressekonferenz denjenigen Investoren vor den Latz knallte, die es wagten, an der Zahlungsfähigkeit europäischer Peripherieländer und/oder an der Hilfsbereitschaft der EZB zu zweifeln. Diese Woche nun wurden Inflationsraten der Eurozonenländer in Höhe von sechs bis zehn Prozent gemeldet. Natürlich standen Zentralbanken schon vorher parat, alles Notwendige zu tun, um Volk und Wirtschaft vor großen Gefahren zu bewahren. Etwa die Federal Reserve im Jahre 2008, um den Folgen der Finanzkrise zu begegnen. Damals stieg die Bilanzsumme der Zentralbank von einer auf über zwei Billionen US-Dollar. Im Rahmen der Corona-Pandemie stieg sie dann von vier auf jetzt neun Billionen Dollar. Die USA vermeldeten zuletzt eine Inflationsrate von 7,9 Prozent für Februar2). Dass das eine, die Inflation, mit dem anderen, der Bilanz der Notenbanken, nichts zu tun haben, betonen derzeit nicht nur die Zentralbanken regelmäßig.

Konsumenten und Arbeitnehmern dürfte der Wahrheitsgehalt dieser These egal sein, sie sehen nur die aktuell steigenden Preise. Und die steigen, genau wie die Renditen. Wie unser „Chart der Woche“ zeigt, war die Inflationskomponente der treibende Faktor für den Renditeanstieg der 10-jährigen US-Staatsanleihen seit März 2020. Realrenditen hingegen pendeln seit zwei Jahren überraschend stetig zwischen minus 0,5 und minus 1 Prozent. Aber die Inflationserwartungen sind allein seit Ausbruch des Krieges um rund einen halben Prozentpunkt gestiegen, was angesichts der aktuellen Inflationsschübe wenig verwundert. Auf zehn Jahre hochgerechnet entspräche das einem zusätzlichen Kaufkraftverlust von satten sechs Prozent.

Überraschend ist jedoch die Gleichgültigkeit des Aktienmarkts. Der S&P 500 notiert wieder deutlich über dem Niveau, welches er vor Kriegsbeginn hatte. Dabei heißt es doch seit zwei Jahren, die Aktienbewertungen kämen unter Druck, wenn 10-jährige Treasuries über zwei Prozent notierten. Allerdings dachte man da noch, höhere Renditen würden im Rahmen der Wiedereröffnungskonjunktur durch die reale Komponente getrieben. Aus Sicht eines Portfoliomanagers bedeuten steigende oder gar positive Realrenditen eine steigende Attraktivität von Anleihen. Andersherum freut sich der Aktionär über negative Realrenditen, weil dann das TINA-Argument zündet – also die vermeintliche Alternativlosigkeit ihrer Anlage3). Doch sind höhere, durch Inflationserwartungen getriebene, Nominalrenditen ein Selbstläufer für Aktionäre? Nun, ceteris paribus würde ein Ertragswertmodell zum gleichen Kurswert kommen, wenn Erträge und Kosten der Firmen im Rahmen der Inflation stiegen. Der größere Zähler würde durch einen ebenfalls inflationierten größeren Nenner kompensiert.

Ungemütlicher wird es allerdings, wenn die Inflation absolute Dimensionen annimmt, welche die Geschäftsplanung erschweren. Bei Raten von beispielsweise zehn Prozent müssen die Firmen realistischerweise mit einem Schwankungskorridor von zehn Prozent (fünf Prozentpunkte nach oben oder unten) rechnen. Im letzten Jahrzehnt war ein Korridor von drei Prozent schon vorsichtig. Diese höhere Unsicherheit sollte sich in höheren Risikoabschlägen widerspiegeln. Davon ist an den Aktienmärkten wenig zu sehen. Vielleicht weil die hohen Inflationsraten immer noch als vorübergehend angesehen werden. Oder weil man glaubt, die Unternehmen könnten die Preise noch länger stärker als die eigenen Kosten anheben. Doch warum sollten Aktienanleger die Inflationsprognosen besser hinbekommen als Rentenanleger, auch wenn Letzteren die Arbeit seit Jahren zusätzlich durch die massiven Anleihekäufe der Zentralbanken erschwert wird. Tatsache ist, dass derzeit wohl alle Marktteilnehmer im Nebel stochern dürften, wie sich auch am Mittwoch zeigte, als die Schätzungen der Ökonomen die tatsächlichen deutschen Inflationszahlen um ganze 1,3 Prozentpunkte verfehlten.

1) „Im Rahmen unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein. “https://de.wikipedia.org/wiki/Whatever_it_takes
2) Damals kostete die Gallone Benzin noch 3,80 Dollar im Schnitt, im März stieg der Preis auf über 4,70 Dollar.
3) There Is No Alternative, was bei negativen Realrenditen aber auch für andere Sachanlagen gelten sollte.

Grafik: Inflations- und reale Komponente der US-Zinsen
* US-Staatsanleiherendite (10 Jahre Restlaufzeit)
** Aus den aktuellen Zinsen auf inflationsindexierte Staatsanleihen abgeleitete Inflationserwartungen.
Quellen: Bloomberg Finance L.P., DWS Investment GmbH; Stand: 29.03.2022

www.fixed-income.org



03.03.2010, Investment

Europäische Hochzinstitel 2010: neues Jahr, neue Emissionen

Von Sarang Kulkarni, European Credit Fund Manager, Schroders

Fast anderthalb Jahre war der Emissionsmarkt für spekulative Unternehmensanleihen geschlossen. Mit der Rückkehr der Investoren in diese Anlageklasse kam 2009 wieder neues Leben in den Markt. Im... [mehr]
22.02.2010, Investment

Marktkurse passen sich höheren Risikoprämien an

ING Investment Management: Marktausblick Februar - März 2010

Die Folgen der stärkeren Risikoscheu unter Investoren zeigten sich auch an den Anleihemärkten. Die Marktkurse spiegelten entsprechend die höheren Risikozuschläge für das gestiegene politische Risiko... [mehr]
22.02.2010, Investment

Eine griechische Tragödie: Das Grenzland des Euroraumes behindert den Euro

Saxo Bank Kommentar Februar 2010

John J. Hardy, Mitglied des Strategieteams von Saxo Bank und Währungs-Spezialist, befürchtet wegen der Geschehnisse in Griechenland eine “Ansteckungsgefahr” und warnt vor der Angst vor dem... [mehr]
18.02.2010, Investment

Griechenland-Anleihen bieten auf dem derzeitigen Niveau laut Legg Mason/Western Asset Management eine attraktive Rendite

Austritt aus der Währungsunion äußert unwahrscheinlich

Die Gefahr eines Ausfalls griechischer Staatsanleihen wird von den Märkten derzeit überschätzt, so die Einschätzung von Western Asset Management, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von Legg... [mehr]
11.02.2010, Investment

Finanzkrise in Griechenland

von Schroders Fixed Income

An den Finanzmärkten verbreiteten sich Ende Januar erneut die Sorgen über die Schuldenkrise in Griechenland. Die Angst vor einem Schuldenausfall der Regierung ließ die Kurse für griechische... [mehr]
09.02.2010, Investment

Der Verbriefungsmarkt besinnt sich auf seine Wurzeln

von Frank Laufenburg, Head of Core Euro Fixed Income, SEB Asset Management

Der Motor des viel gescholtenen Verbriefungsmarktes muss wieder anspringen, damit die Finanzmärkte zu ihrem Alltag zurückkehren können. Die Marktberuhigung im vergangenen Jahr kann nicht darüber... [mehr]
05.02.2010, Investment

ABS und auf Landeswährung lautende Emerging Markets Debt bleiben die Favoriten von ING IM im Fixed Income-Bereich

Übergewichtung der Credits gegen neutral zurückgeführt

ING Investment Management (ING IM) rät im Montly Investment Newsletter Februar 2020 zu folgender Fixed Income-Strategie: -  Infolge steigender politischer Ungewissheit (Leitzinserhöhung in... [mehr]
03.02.2010, Investment

Was kaufen: Länder oder Unternehmen?

Ad van Tiggelen, Senior Strategist bei ING IM, Den Haag

Noch vor zehn Jahren gab es für risikoscheue Investoren gar keinen Zweifel, wo ihr Geld am besten aufgehoben war: Man setzte vorzugsweise auf Staatsanleihen. Heutzutage erfordert die Investition in... [mehr]
27.01.2010, Investment

ING IM schätzt europäische ABS mit einem AAA-Rating sowie Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern positiv ein

Marktausblick Januar/Februar

Im Dezember stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen infolge positiverer Konjunkturindikatoren von 3,4% auf 3,8%. Für Unruhe sorgten auch Spekulationen, dass die Federal Reserve die... [mehr]
25.01.2010, Investment

Investment-Grade-Unternehmensanleihen: 2010 sind erneut Mehrerträge gegenüber Staatsanleihen zu erwarten

Jamie Stuttard, Head of Pan-European Fixed Income, Schroders

Im Jahr 2009 haben Investment-Grade-Unternehmensanleihen mit 17,5 Prozent den größten Mehrertrag gegenüber Staatsanleihen seit 77 Jahren erreicht. Derart spektakuläre Überschussrenditen werden sich... [mehr]
Anzeige
Neue Ausgabe jetzt online!



Aktuelle Ausgabe
kostenlos herunterladen