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23.11.09

„2010 wird sicher ein sehr volatiles und deshalb kein einfaches Jahr“

Interview mit Dietmar Zantke, Röcker & Waltz Vermögensverwaltung

Starfondsmanager Dietmar Zantke, ehemals Head of Credit bei der LBBW Asset Management, wechselte zur Stuttgarter Investmentboutique Röcker & Waltz. Gemeinsam mit AmpegaGerling Investment den „Zantke Euro Corporate Bonds AMI“ aufgelegt. Zantke bevorzugt aktuell eher nichtzyklische Branchen wie Versorger, Telekommunikation und Pharma. Im Gespräch mit fixed-income.org erläutert er seine Investmentstrategie.

fixed-income.org:
Nach großen Erfolgen als Head of Fixed Income bei der LBBW Asset Management haben Sie sich kürzlich selbständig gemacht und am 19. Oktober den „Zantke Euro Corporate Bonds AMI“ aufgelegt. Was sprach aus Ihrer Sicht für die Fondsgründung zum jetzigen Zeitpunkt?

Zantke: Wir haben in diesem Jahr ein massives Wachstum des europäischen Unternehmensanleihenmarktes gesehen. Das ausstehende Volumen hat sich gemessen am Merrill Lynch Index ER00 um mehr als 60% erhöht. Der sprudelnde Primärmarkt hat aber auch durch neue Emittenten für mehr Diversifikationsmöglichkeiten gesorgt. Die Skepsis vor Unternehmensanleihen hat merklich nachgelassen und angesichts der niedrigen Kapitalmarktzinsen ist die Nachfrage nach wie vor hoch. Unternehmen werden sich auch in Zukunft zunehmend am Kapitalmarkt refinanzieren müssen, da Banken diese Aufgabe nicht mehr in dem Ausmaß wie in der Vergangenheit übernehmen wollen oder können. Dieser Trend wird anhalten. Der Euro Corporate Bond Markt hat sich als eigenständige Assetklasse etabliert. Somit ist der Zeitpunkt für die Neuauflage eines Corporate Bond Fonds gut gewählt.

fixed-income.org: Sind Corporate Bonds nicht schon ein bisschen heiß gelaufen?

Zantke: Das denke ich nicht. Der Panik im Frühjahr folgte zwar eine massive Rallye und die Risikoaufschläge bildeten sich wieder deutlich zurück, jedoch ist das momentane Kursniveau fair, zumal das aktuelle Spreadniveau immer noch eine Ausfallrate von etwa 8% für die nächsten 5 Jahren impliziert. Dies ist, selbst wenn man ein schwaches Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren unterstellt, nach wie vor attraktiv. Eine mit Unternehmensanleihen seit Jahresbeginn erzielte Performance von etwa 15% ist im kommenden Jahr 2010 allerdings nicht wiederholbar.

fixed-income.org: Welche Strategie verfolgen Sie beim Investmentprozess?

Zantke: An meinem Investmentprozess wird sich selbstverständlich nichts ändern. Vielmehr ist der Sprung in die Selbständigkeit ein Garant für die kontinuierliche Fortsetzung meiner Investmentphilosophie, d.h. unabhängig von Benchmarkgewichtungen mittelfristig eine attraktive Rendite unter Berücksichtigung der eingegangenen Risiken zu erzielen. Kapitalerhalt steht nach wie vor an erster Stelle. Hierbei hilft mir mein bewährter Top-Down Ansatz, bei dem ich die Analyse der realwirtschaftlichen Entwicklung und der Kapitalmärkte in den Vordergrund stelle und versuche, Ungleichgewichte früh zu erkennen. Meine feste Überzeugung ist, dass sich die Märkte langfristig letztendlich nicht von der fundamentalen Entwicklung abkoppeln können.

fixed-income.org: Wie beurteilen Sie das makroökonomische Umfeld? Die Herabstufungen bei den Ratings haben zugenommen.

Zantke: Die Wachstumsraten werden nicht so schnell das Niveau der Vorjahre erreichen. Wir werden nur langsam aus der Talsohle herauskommen und die Gewinne der Unternehmen werden künftig eher durch Kostenreduzierung als durch Expansion generiert werden. Allerdings verfügen die Unternehmen aus dem Investment Grade Bereich nicht zuletzt aufgrund des hohen Neuemissionsvolumens im Durchschnitt über eine komfortable Liquiditätssituation. Die Anzahl der Rating-Herabstufungen nimmt nach den massiven Downgrades eher ab.

fixed-income.org: Welche Branche bevorzugen Sie zur Zeit?

Zantke: Ich bevorzuge aufgrund meiner makroökonomischen Einschätzung eher nichtzyklische Branchen wie Versorger, Telekommunikation und Pharma. Hier präferiere ich dafür aber längere Laufzeiten, da nicht nur die Renditestrukturkurve, sondern auch die Credit-Kurve nach wie vor sehr steil ist.

fixed-income.org: Welches Inflations- und Zinsszenario erwarten Sie mittelfristig?

Zantke: Aufgrund der anhaltenden hohen Arbeitslosigkeit verharren die US-Leitzinsen bis weit ins nächste Jahr auf sehr niedrigem Niveau. Die EZB kann angesichts des starken Euro, selbst wenn sie wollte, kaum die Leitzinsen erhöhen. Somit bleibt die Zinskurve im historischen Vergleich sehr steil. Unterstellt man zusätzlich im Zuge schwachen Wirtschaftswachstums moderate Inflationsraten sollten die langfristigen Zinsen in den nächsten Monaten nicht massiv steigen. Große Sorge bereitet mir allerdings auf mittlere Sicht schon seit geraumer Zeit die massiv expansive Geld- und Fiskalpolitik, die nun im Zuge der Finanzkrise zu einem bedenklichen Verschuldungsniveau vieler Volkswirtschaften geführt hat. Sollten weitere staatliche Unterstützungsmaßnahmen für das Bankensystem von Nöten sein, kann das Vertrauen in die Stabilität der Geld- und Währungssysteme schnell kippen, was im hohen Goldpreis oder in den CDS-Spreads von Griechenland oder Irland in jüngster Zeit bereits andeutet. Höhere Inflationsraten könnten die Folge sein.

fixed-income.org: Beim „Zantke Euro Corporate Bonds AMI“ gibt es eine Retail- und eine institutionelle Tranche. Wo sehen Sie künftig den Schwerpunkt und welches Volumen streben Sie mittelfristig an?

Zantke: Meine Kunden kommen insbesondere aus dem institutionellen Bereich, wie Vermögensverwalter, Versicherungen, Dachfonds und Pensionskassen. Dies ist am Verhältnis von etwa 4:1 institutioneller zu privater Tranche deutlich abzulesen. Der Fonds ist in den ersten drei Wochen bereits auf ein Volumen von über 60 Mio. Euro gewachsen, Tendenz steigend. Ich habe in der Vergangenheit gelernt auch in schwierigen Marktphasen mit einem schnellen Volumenwachstum umzugehen. Wir stehen bei größeren Zuflüssen immer im Dialog mit den Anlegern. Spielraum nach oben ist also weiterhin gegeben.

fixed-income.org: Und wie sieht die Gebührenstruktur aus?
Zantke: Wir bewegen uns mit einer Verwaltungsvergütung von 0,95% für die private und 0,60% für die institutionelle Tranche am unteren Ende der üblichen Marktkonditionen. Auf eine performanceabhängige Fee haben wir verzichtet, da wir auch bei der Gebührenstruktur unseren Anlegern absolute Transparenz bieten wollen.

fixed-income.org: Ab Dezember fungiert die neu gegründete Zantke & Cie. Asset Management GmbH als Fondsberater. Wer sind die Gesellschafter?

Zantke: Die Gesellschafter sind die Röcker & Walz Vermögensverwaltung GmbH mit einer Beteiligung von 45% und meine Person mit 55%. Alle drei Personen werden als geschäftsführende Gesellschafter tätig sein.

fixed-income.org: Welche Synergien sehen Sie in der Zusammenarbeit mit der Röcker & Walz Vermögensverwaltung?

Zantke:Herr Röcker und Herr Walz waren vor der Gründung der R&W Vermögensverwaltung genauso wie ich langjährige Mitarbeiter der alten BW-Bank. Wir kennen uns aus dieser Zeit sehr gut und so basiert unsere defensive Investmentphilosophie auf einer gemeinsamen Grundlage. Ich konnte von Beginn an auf eine gewachsene Struktur aufbauen, was die Neugründung deutlich erleichtert. Herr Röcker ist in der Zantke AM für die gesamte betriebliche Ablauforganisation zuständig, was mir den Rücken für das Asset Management freihält. Hier unterstützt mich Herr Walz insbesondere im Bottom-Up Prozess mit seiner langjährigen Erfahrung als Vermögensverwalter und Fondsmanager.

fixed-income.org: Welche Entwicklung erwarten Sie am Corporate Bond-Markt für 2010?

Zantke:Es wird sicher ein sehr volatiles und deshalb kein einfaches Jahr. Spielraum für weitere massive Spreadeinengungen sehe ich nicht. Kursgewinne werden sich somit in Grenzen halten und die Performance dürfte sich auf die momentane Durchschnittsrendite von knapp 4% beschränken. Allerdings liegt diese Rendite noch deutlich über der von Staatsanleihen.

fixed-income.org: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Schiffmacher.


Dietmar Zantke verließ Ende August 2009 die LBBW Asset Management, bei der er als Head of Credit den Unternehmensanleihenfonds RentaMax und Spezialfonds managte. Neuer Leiter des Teams Fixed Income/Credits ist Thomas Schneider. Zantke wechselte zur Stuttgarter Investmentboutique Röcker & Waltz. Die Röcker & Waltz Vermögensverwaltung hat gemeinsam mit AmpegaGerling Investment den „Zantke Euro Corporate Bonds AMI“ aufgelegt. Ab Dezember 2009 fungiert die neu gegründete Zantke & Cie Asset Management GmbH als Berater. Zantke erhielt für die hervorragende Performance der von ihm gemanagten Fonds mehrere Auszeichnungen von Morningstar und Lipper.


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