Anzeige
07.02.19

Erste AM: Venezuela ein klassischer Umschuldungskandidat; positiver Ausblick für Peru, Kolumbien und Chile

Chaotische, kostspielige Restrukturierung erwartet

Venezuela steckt in der Krise: Die Wirtschaft des Landes kollabiert, das Bruttoinlandsprodukt halbierte sich, in US-Dollar gerechnet, innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Das Volumen der Erdölexporte – die einzige wichtige Einnahmequelle des Landes – fiel drastisch. Zu allem Überfluss wurden diese jüngst mit Sanktionen seitens der USA belegt. In den letzten zwei Jahren flohen laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) über zwei Millionen Menschen in die benachbarten Länder, da das Geld für lebenswichtige Importe fehlt. Und der Machtkampf zwischen Nicolás Maduro und seinem Kontrahenten Juan Guaidó sowie ihren jeweiligen Unterstützern setzt sich fort. Ein von der „Straße“ getragener Regierungswechsel ist durchaus möglich.

Was bedeutet die Krise für venezolanische Anleihen?

Schon seit geraumer Zeit ist das Land ein klassischer Umschuldungskandidat. Ein Regime-Wechsel würde das nur beschleunigen. „Die Hoffnung vieler Marktteilnehmer auf einen Regime-Wechsel trieb den Sekundärmarktpreis venezolanischer Anleihen in den vergangenen Wochen nach oben. Die aktuelle Entwicklung wirkt allerdings wie naiver Optimismus“
, sagt Felix Dornaus, Senior Fondsmanager für Schwellenländeranleihen bei der Erste Asset Management (Erste AM).

Dafür hat der Südamerika-Experte gute Gründe: Seit dem 1. Februar 2019 hat das US-Finanzministerium den Handel mit Anleihen der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA und Anleihen der Republik Venezuela für US-Personen bis auf weiteres verboten. Das hat auch Auswirkungen auf den Handel zwischen Nicht-US-Personen. Die Liquidität lässt - aus Angst in die Schusslinie der USA zu geraten - massiv nach.


Zehn Milliarden an Krediten mit Erdöllieferungen besichert

„Zwar sitzt das Land auf den größten Erdölreserven der Welt, mangels  funktionierender Infrastruktur wird es aber auch auf längere Sicht nicht davon profitieren können“
, sagt Dornaus. Die Überschuldung ist massiv und Kredite von China und Russland, die jeweils auf eine Summe von zehn Milliarden US-Dollar geschätzt werden, sind bereits mit Erdöllieferungen besichert. Die Hälfte des größten ausländischen Assets, des Konzerns CITGO in den USA, ist ebenfalls bereits verpfändet. Erhebliche Schürfrechte im Land wurden unter anderem an russische Unternehmen verkauft. „Angesichts dieses Mangels an Ressourcen muss bei einer Restrukturierung mit der Notwendigkeit eines massiven Schuldennachlasses gerechnet werden, auch und vor allem seitens der privaten Gläubiger“, so Dornaus weiter.

Unter den gegebenen Bedingungen hält es der Experte für wahrscheinlich, dass die gegenwärtigen Assetpreise die Wertaufholung zu optimistisch widerspiegeln. Darüber hinaus sei es schwierig zu erfassen, wer welche Forderungsbestände halte („Reconciliation“). „Es zeichnet sich eine erneute Hold-Out-Problematik ab, ähnlich der letzten Umschuldung Argentiniens. Diese Restrukturierung wird chaotisch, langwierig und teuer für die Anleihenbesitzer“
, schlussfolgert Dornaus.

Positive Aussichten für Peru, Kolumbien und Chile

Die Kombination aus steigenden US-Zinsen, sich abschwächender Weltwirtschaft und dem US-chinesischen Handelskonflikt belastete die Risikostimmung im Jahr 2018. Dieser einzigartige Cocktail führte zu einer generellen Neupreisung von Risiken. „In einem Umfeld höherer Volatilität haben wir - zumindest im Vergleich zu den letzten Jahren - steigende Spreads, schwächere Währungen und steigende lokale Renditen gesehen. Wenn wir in die Geschichte zurückblicken ist dies jedoch ein Prozess der Normalisierung, und es wird erwartet, dass die Volatilität auf diesem Niveau bleibt“, betont Christian Gaier, Head of Fixed Income Rates, Sovereigns & FX.

Schenkt man dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Glauben, der für 2019 stabile Rohstoffpreise prognostiziert, scheinen die Weichen für andere Länder Lateinamerikas gestellt. Die zyklische Erholung in den Anden (Peru, Kolumbien und teilweise Chile) dürfte sich fortsetzen. „Attraktive Renditeniveaus, kombiniert mit einem stabilen Wachstumsausblick, der von einer gesunden Kombination aus privatem Konsum und Investitionen getragen wird, bilden die Grundlage für attraktive langfristige Anlagemöglichkeiten“, ergänzt Gaier.

Als Low-Beta-Anleihen dürften die Schuldtitel dieser Länder zudem weniger von Schwankungen der globalen Risikostimmung betroffen sein. Bei Argentinien, Mexiko und Brasilien dagegen sei ein gesundes Maß an Vorsicht angebracht: „Zu den innenpolitischen Einflüssen in den jeweiligen Ländern gesellt sich als möglicher Risikofaktor das im Vergleich stärkere Beta hinzu – diese Länder sind also stärker von der globalen Risikostimmung betroffen. Investoren werden sich auf den lokalen News-Flow sowie die makroökonomischen Entwicklungen vor Ort konzentrieren müssen, um kurz- und mittelfristige Investmentchancen wahrnehmen zu können
“, so Gaier abschließend.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Caracas © pixabay)



02.08.2019, Investment

Multi Asset ist nicht out - ESG wirkt auch in Mischportfolios

Degroof Petercam Asset Management (DPAM) erweitert mit defensiv ausgerichtetem DPAM L Balanced Conservative Sustainable sein Nachhaltigkeitsangebot

Zunehmend verbreitet sich die Marktmeinung, dass ‚Multi Asset‘ als Kombination verschiedener Strategien und Anlageklassen in einem Portfolio im aktuellen Marktumfeld ausgedient hätte. Johan Van... [mehr]
01.08.2019, Investment

DWS-Kommentar zu Fed-Entscheidung

Christian Scherrmann, Volkswirt USA bei DWS, kommentiert die gestrige Fed-Entscheidung: Viel Lärm um nichts? Wie erwartet hat die Fed in ihrem Juli FOMC Meeting die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf... [mehr]
01.08.2019, Investment

State Street: Anlegervertrauen ist im Juli weltweit zurückgegangen

Das Anlegervertrauen ist im Juli 2019 laut State Street ICI in allen Regionen gesunken. Weltweit ging die Risikobereitschaft um 2,4 Punkte auf 84,9 zurück. Der Global Investor Confidence Index ist... [mehr]
31.07.2019, Investment

Finanztitel florieren trotz niedriger Zinsen

von Guy de Blonay, Fondsmanager des Jupiter Financial Innovation SICAV bei Jupiter Asset Management

Investoren scheuen häufig Finanztitel, wenn der Zinszyklus seinen Höhepunkt erreicht hat. Der Markt erwartet einhellig, dass die US-Notenbank auf ihrer heutigen Sitzung die Zinsen senkt. Dass... [mehr]
30.07.2019, Investment

Goldilocks-Szenario ist noch nicht Geschichte

Kommentar von Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management

„Zahlreiche der jüngsten Entwicklungen lassen uns zu dem Schluss kommen, dass Investoren im weiteren Jahresverlauf eher ein stabiles Umfeld vorfinden sollten und das Goldilocks-Szenario noch nicht in... [mehr]
30.07.2019, Investment

„Viele Hausaufgaben für die EZB trotz Sommerferien“

„Die letzte Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte eher begrenzte Auswirkungen auf die Märkte, denn die Anleger hatten vieles bereits erwartet“, schreibt Olivier de Berranger, Chief... [mehr]
29.07.2019, Investment

Kehrtwende der Fed - die Sitzung könnte einen wichtigen Wendepunkt in der US-Geldpolitik der Fed markieren

Kommentar von Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei AllianzGI, im Vorfeld der FOMC-Sitzung vom 30. bis 31. Juli 2019

Es ist wahrscheinlich, dass die US-Notenbank auf der Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) am 31. Juli einen Zinssenkungszyklus einleiten wird. Aussagen verschiedener FOMC-Mitglieder wie... [mehr]
29.07.2019, Investment

BNY Mellon IM: Die US-Zinsen werden sinken - und dann?

Für die kommende Sitzung der US-amerikanischen Zentralbank am 31. Juli gibt es klare Signale für eine Zinssenkung. Laut Paul Brain, Head of Fixed Income bei Newton IM, einer Investmentgesellschaft... [mehr]
26.07.2019, Investment

NN IP erneut mit A+ für nachhaltige Geldanlage nach UN-PRI-Prinzipien ausgezeichnet

Die Investoreninitiative UN Principles for Responsible Investment (UN PRI) hat unlängst ihre Prüfergebnisse für 2019 veröffentlicht. NN Investment Partners (NN IP) wurde für sein herausragendes... [mehr]
25.07.2019, Investment

UBP-Chefvolkswirt Patrice Gautry: Messlatte für EZB-Sitzung im September höher gelegt

Kommentar zur heutigen EZB-Sitzung von UBP-Chefvolkswirt Patrice Gautry: „Die EZB hat die Tür zu einer Zinssenkung im September geöffnet und ist besorgt über das sich verschlechternde Umfeld im... [mehr]
Anzeige
Neue Ausgabe jetzt online!



Aktuelle Ausgabe
kostenlos herunterladen