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27.03.19

Allmächtige Zentralbanken?

Von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager La Financière de L‘Echiquier

Auch wenn sich der starke Anstieg der Märkte zu Jahresbeginn in Teilen durch eine Korrektur der Exzesse im letzten Quartal 2018 erklären lässt, wirkte der Schwenk der wichtigsten Zentralbanken auf einen moderateren Kurs eindeutig wie ein Beschleuniger. Die alte Weisheit „Don’t fight the Fed“ scheint sich somit erneut zu bewahrheiten. Zumal die US-Notenbank Fed im Laufe der Woche einen noch „taubenhafteren“ Ton anschlug.

Fed-Präsident Jerome Powell verwies zunächst darauf, dass die Mitglieder der Fed von der aktuellen deutlichen Verschlechterung der Konjunkturindikatoren überrascht wurden, obwohl die Zentralbank ihre Wachstumsprognosen für 2019 und 2020 bereits nach unten korrigiert hatte (von 2,3 % auf 2,1 % bzw. von 2,0 % auf 1,9 %). Er erklärte zudem, mehrere Risiken wahrzunehmen, die die US-Wirtschaft noch weiter schwächen könnten, allen voran die Handelskonflikte und die weltweite Konjunkturverlangsamung. Eine Zurückhaltung, die einhergehend mit einer erwarteten Verlangsamung der Inflation die Abwärtskorrektur der prognostizierten Schritte bei den Leitzinsen 2019 rechtfertigt. Eine klare Mehrheit der Mitglieder des FOMC (11 von 17) erwartet demnach für dieses Jahr keine Zinsanhebung mehr. Zwar rechnet bei der Fed niemand mit einer Senkung der Leitzinsen, doch ist dies ein bedeutender Kurswechsel, denn auf der Dezember-Sitzung hatten sich lediglich zwei Mitglieder im Sinne dieses Status quo geäußert. Zudem wies Powell darauf hin, dass das Programm für den Abbau der Fed-Bilanz Ende September nach einer schrittweisen Verringerung gestoppt werde.

Eine Fed, die ihre geldpolitische Normalisierung zumindest vorübergehend beendet, eine Europäische Zentralbank, die ihre Normalisierung frühestens 2020 beginnen möchte, eine japanische und eine chinesische Zentralbank, die auf diesen sehr akkommodierenden Ton eingestimmt sind... Ist das ein Glücksfall für die Märkte? Betrachtet man die unmittelbare Reaktion, haben die vergangenen Monate dies zweifelsohne bewiesen. Auf längere Sicht ist die Lage weniger klar. Trotz dieser neuen moderateren Äußerungen der Fed schlossen die Aktienmärkte die Woche deutlich im Minus. Hierfür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Der eine Grund sind die Politik und die Geopolitik, denn beim Brexit und nach den jüngsten Äußerungen Donald Trumps zu den Handelskonflikten ist die weitere Entwicklung kaum absehbar. Der US-Präsident verschärfte den Ton gegenüber Peking und erklärte, dass die Zölle auf chinesische Produkte „für einen längeren Zeitraum belassen“ werden. Er bekräftigte, sicherstellen zu wollen, „dass China den Deal einhält“, sollte es dazu kommen.

Der andere Grund – und schließlich auch der bedeutendere – ist die Gesamtwirtschaft. Der vergangene Freitag war unter diesem Gesichtspunkt ein furchtbarer Tag. Sämtliche vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für März waren in den USA, in Japan und auch in der Eurozone eine herbe Enttäuschung. In Europa fielen sie sogar sehr schlecht aus, und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland stürzte auf 44,7 ab, ein Wert in Rufweite seines Tiefststandes von 2012. Dieser neuerliche Rückfall ist beunruhigend, hatte man sich wenn nicht eine deutliche Verbesserung, so doch zumindest eine Stabilisierung erhofft. Zwar ist diese Verlangsamung der Hauptgrund für den „taubenhaften“ Schwenk der Zentralbanken, die noch zahlreiche Instrumente besitzen, um auf die Wirtschaft einzuwirken. Doch im aktuellen geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Umfeld erscheint die Vorstellung, dass die geldpolitische Lockerung zur Verhinderung dieses großen Schocks ausreicht, viel zu optimistisch.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: Olivier de Berranger
© La Financière de L’Echiquier)



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