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15.07.19

Anleihemärkte: Positiver Ausblick für Proteinsektor

von Ariel Bezalel, Head of Strategy, Fixed Income und Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV bei Jupiter Asset Management

Nachdem die afrikanische Schweinepest auch in China ausgebrochen ist, sind die Preise für Rindfleisch und Geflügel in diesem Jahr deutlich gestiegen. Daher die Frage: Wie wird der enorme Angebotsverlust chinesischen Schweinefleisches den globalen Proteinmarkt in den kommenden Jahren verändern?

Vor dem Hintergrund der Schweinepest-Epidemie ist es eigentlich ironisch, dass 2019 das Jahr des Schweins im chinesischen Kalender ist. Zwar ist die afrikanische Schweinepest für den Menschen harmlos, für Schweine ist sie jedoch tödlich und hoch ansteckend. Seit dem Ausbruch des Virus in China im vergangenen August hat die Regierung versucht, die Krankheit unter Kontrolle zu bringen – ohne Erfolg. Das Virus hat sich inzwischen auch auf Schweinebestände in anderen Ländern der Region ausgebreitet. Beispielsweise berichtete Vietnam im Mai dieses Jahres, dass 1,5 Millionen Schweine getötet wurden, um die Epidemie einzudämmen.

Offizielle Berichte aus China vom vergangenen Jahr deuteten zunächst darauf hin, dass nur ein Prozent der Bestände, umgerechnet eine Million Schweine, getötet wurden, um eine weitere Ausbreitung der Epidemie zu verhindern. Laut Berichten von Februar dieses Jahres sank der Schweinebestand jedoch um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Zahl der Sauen sogar um 19 Prozent zurück ging (siehe Abbildung 1). Dies entspricht in absoluten Zahlen einem Verlust von rund 62 Millionen Euro. Da die Daten zeitlich verzögert erfasst werden und die Krankheit noch lange nicht unter Kontrolle ist, können die tatsächlichen Zahlen durchaus höher sein.

Angebotsdefizit bei Schweinefleisch treibt Nachfrage nach alternativen Proteinquellen

Schweinefleisch ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel in China und vor der Massenschlachtung betrug die Gesamtpopulation der Schweineherden in China rund 400 Millionen. China ist gleichzeitig der weltweit größte Produzent und Konsument von Schweinefleisch. Das Land verfügt über 47 Prozent der weltweiten Schweinefleischbestände. Im Jahr 2018 waren das in absoluten Zahlen mehr als 54 Millionen Tonnen. Trotzdem ist China Nettoimporteur von Schweinefleisch. Im vergangenen Jahr wurden von den Chinesen rund 55 Millionen Tonnen Schweinefleisch konsumiert – fast die Hälfte der weltweiten Gesamtmenge. Analysten der Bank of America Merill Lynch schätzen, dass die durch die Epidemie ausgelöste Versorgungslücke bis zu 17 Millionen Tonnen betragen könnte, was 30 Prozent der chinesischen Schweinefleischproduktion und 15 Prozent der weltweiten Produktion entspricht.

Das führt zu einem enormen Angebotsdefizit in China und der Nachbarregion. Es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis die Schweinefleischproduktion wieder das ursprüngliche Niveau erreicht. Somit hat der CEO von Tyson Foods nicht übertrieben, als er im Mai sagte, er habe „noch nie zuvor etwas erlebt, das die Proteinproduktion und das Konsumverhalten so verändern könnte wie die afrikanische Schweinepest".

Das Angebotsdefizit in China hat bereits zu einer höheren Nachfrage und höheren Preisen für Schweinefleisch sowie alternative Proteinquellen wie Huhn und Rind geführt. China importierte bereits 106.000 Tonnen Schweinefleisch aus den USA – und das in nur einer Woche und trotz 62 Prozent Strafzöllen. Im Vorjahr waren es lediglich 1.300 Tonnen. Es wird erwartet, dass die Margen bei der Schweinefleischverarbeitung in diesem Jahr um rund 300 Basispunkte steigen werden. Ein zusätzlicher Rückenwind für Hühnerfleischproduzenten ist die rückläufige chinesische Nachfrage nach Sojabohnen – unter anderem wichtiger Bestandteil von Schweinefutter – was zu niedrigeren Kosten für Geflügelfutter beiträgt.

Die USA und Brasilien sind zwei der größten Produzenten von tierischem Protein weltweit und verfügen über ausreichend natürliche Ressourcen, um die Weltbevölkerung mit Hühner-, Rind- und Schweinefleisch zu versorgen. Aktuelle Daten zeigen, dass die Preise für Hühnerfleisch in den USA gegenüber dem Vorjahr bereits um 4,3 Prozent gestiegen sind und die Margen 667 Basispunkte zugelegt haben. Die Preise für Hühnerfleisch profitieren von dem kürzeren Lebenszyklus der Tiere, da dies Produzenten ermöglicht, die Angebotslücke für Schweinefleisch leichter mit einem günstigeren Proteinprodukt zu schließen. Auch die US-Rindfleischpreise haben davon profitiert und stiegen im Jahresvergleich um 4,0 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Margen von 10-Jahreshöchstständen im Jahr 2018 um 184 Basispunkte.

Unser Ansatz

Bereits kurz nachdem die Epidemie im vergangenen August ausbrach, haben wir erkannt, welche Auswirkungen die afrikanische Schweinepest auf die Weltmärkte haben könnte. Im Jupiter Dynamic Bond hielten wir bereits Wertpapiere von JBS USA, der US-amerikanischen Kreditgesellschaft der brasilianischen JBS S.A. und dem weltweit größten Unternehmen für Rind- und Schweinefleischverarbeitung. Unser Credit-Research in diesem Bereich und die Beziehung zum JBS-Management haben uns frühzeitig darauf aufmerksam gemacht, welche weitreichenden Auswirkungen der Ausbruch der Schweinepest auf die globale Proteinproduktion haben wird. In diesem Jahr machte sich JBS die erneut aufkeimende Anlegernachfrage zunutze und gab Anleihen aus, um das eigene Refinanzierungsrisiko zu reduzieren. Die JBS-Anleihen werden derzeit auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren gehandelt und ihr Kurs ist auf einem historischen Höchststand. In Anbetracht des Marktanteils, geringer Verschuldung und starken Cashflows haben wir nicht lange gezögert und uns an der Neuemission beteiligt.

Unser Exposure gegenüber Proteinproduzenten macht nun 2 Prozent der Anleihen in unserem Fonds aus. Neben JBS halten wir auch Anleihen des Lebensmittelunternehmens Pilgrim's Pride, das für die Geflügelbetriebe von JBS in den USA, Mexiko und Europa zuständig ist und über ein starkes Anleiheprofil verfügt, sowie Marfrig, der viertgrößte Rindfleischproduzent in den USA. Außerdem gibt es zwei Sondersituationen, die wir bereits in unserer Strategie berücksichtigen: die Geflügelproduzenten Boparan (Großbritannien) und Simmons Foods (USA). Beide haben von einer gestiegenen Exportnachfrage, höheren Hühnerfleischpreisen und niedrigeren Futterkosten profitiert. Angesichts des gravierenden Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest, der Versorgungslücke und der Zeit, die es braucht, bis sich die Schweinebestände wieder erholt haben, glauben wir, dass es mindestens für die nächsten ein bis zwei Jahre zu Marktdisruptionen kommen könnte. Globale Proteinhersteller sollten von dieser Entwicklung profitieren.




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