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26.11.19

„Das dritte Quartal 2019 war das bislang profitabelste Quartal der Firmengeschichte“, Bernd Egger, CFO, Ferratum Oyj

Ferratum konnte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres Umsatz und Ergebnis deutlich steigern. Das dritte Quartal war sogar das bislang profitabelste Quartal der Firmengeschichte. Großes Potenzial sieht CFO Bernd Egger bei SME Krediten, wie er im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE erläutert. Aber auch Prime Loans werden, als Folge der zunehmenden Regulierung und im Einklang mit der strategischen Ausrichtung auf längere und engere Kundenbindung, weiter an Bedeutung gewinnen.

BOND MAGAZINE:
Bitte erläutern Sie die aktuelle Geschäftsentwicklung.

Bernd Egger: Wir haben in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Umsatz von 218,1 Mio. Euro erzielt, das sind 14,7% mehr als in den ersten neun Monaten des Vorjahres. Unser Fokus liegt aber mehr auf der Profitabilität als auf dem Umsatz. Wir haben ein EBIT von 33,5 Mio. Euro erwirtschaftet, das sind 8,1 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Auch das Vorsteuerergebnis konnten wir um etwa 43,7% steigern. Für die höhere Profitabilität gibt es die folgenden Treiber: den höheren Umsatz und die Kosten, die unterproportional gestiegen sind bzw. weitgehend stabil gehalten wurden. Zudem sind die Wertberichtigungen auf Kredite, die im ersten Quartal etwas höher waren, im Jahresverlauf wieder zurückgegangen. Das dritte Quartal 2019 war das bislang profitabelste Quartal der Firmengeschichte.


BOND MAGAZINE: In vielen Ländern, in denen Sie aktiv sind, wird die Kreditvergabe stärker reguliert. Häufig werden die Zinssätze begrenzt. Wie reagieren Sie darauf?

Egger: Eine stärkere Regulierung gab es in der Vergangenheit schon häufiger. In den vergangenen Jahren wurden die Gesetze in Schweden und Estland geändert. Zum 1. September 2019 wurde die Kreditvergabe in Finnland stärker reguliert. Die Reduktion der Zinssätze muss natürlich mit einer Reduktion des Risikos einhergehen. Das funktioniert auch. In Finnland sind nach der Gesetzesänderung die Kreditanfragen und das Kreditvolumen gestiegen. Die Risikoindikatoren sind auch zurückgegangen. Wir müssen natürlich noch abwarten, wie sich die statistische Signifikanz entwickelt, um endgültige Aussagen treffen zu können. Bislang funktioniert es recht gut, ähnlich war es auch in Schweden und Estland. Wichtig ist natürlich, dass man regulatorische Rahmenbedingungen antizipiert, sowohl beim Credit Risk Management als auch beim Marketing.

BOND MAGAZINE:
Sie sind in einigen Ländern mit ‚Prime Loans‘ gestartet. Wie sind die bisherigen Erfahrungen damit?

Egger: Wir gehen Prime Loans verantwortungsbewusst an. Die wesentlichen Merkmale sind längere Laufzeiten und höhere Volumina, als dies bisher der Fall war. Höhere Volumina bedeuten natürlich auch, dass das betragliche Ausfallsrisiko des Einzelkredits höher ist. Daher ist das sicher ein Prozess, den man Step by Step umsetzen muss. Wir sind in einigen Ländern mit Prime Loans gestartet und bereiten dies für weitere Länder vor. Die Vergabe von Prime Loans werden wir mit Bedacht weiter vorantreiben. 


BOND MAGAZINE: Gehen Sie mit Prime Loans stärker in Wettbewerb zu klassischen Banken und einen Schritt weg vom schnellen Kredit mit niedrigem Volumen und höheren Zinssätzen?

Egger: Es ist schon eine gewisse Annäherung der Geschäftsmodelle. Die Differenzierung unserer Leistungen gegenüber klassischen Banken ist damit umso wichtiger: Das ist für den Kunden eine angenehme und schnelle Abwicklung des Kreditantrags. Es ist ein transparenter Prozess mit einem raschen Feedback für den Kunden. Zudem kann der Kunde alles online bzw. mobil abwickeln. Diese Differenzierung bieten wir gegenüber klassischen Banken. Daher gibt es für uns auch keinen Grund, dem Wettbewerb aus dem Weg zu gehen. Die Anforderungen an das Risk Management werden natürlich immer höher, wenn man mit den Kreditvolumina nach oben und den Zinsen nach unten geht. Deshalb machen wir einen Schritt nach dem anderen und lassen die Erfahrungen kontinuierlich ins Risk Management einfließen.

BOND MAGAZINE: Sie sind auch in einigen Ländern mit SME-Krediten gestartet. Wie laufen die Geschäfte in diesem Bereich?

Egger: Die Geschäfte mit SME-Krediten laufen sehr gut, das ist ein wichtiger Wachstumstreiber. Im Jahr 2018 haben wir mit SME-Krediten einen Umsatz von 21 Mio. Euro erzielt. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres haben wir mit SME-Krediten bereits 20,2 Mio. Euro umgesetzt. Nach neun Monaten haben wir also bereits fast den Umsatz des letzten Jahres mit SME-Krediten erreicht. Der Nutzen für den Kunden ist der gleiche wie bei Konsumentenkrediten: schnelle Abwicklung, transparenter Prozess und vollständig online in der Abwicklung. SME-Kredite bieten wir aktuell in sieben Ländern. Das Geschäft wächst profitabel. SME-Kredite machen knapp 10% unseres Umsatzes aus, aber mit steigender Tendenz. Wir bieten seit vier Jahren SME-Kredite und es gibt wenige FinTech-Geschäftsmodelle, die sich in einer so kurzen Zeit so positiv entwickelt haben und dabei profitabel sind.

BOND MAGAZINE: Ja, Ihre Geschäftsentwicklung ist recht positiv. Die Aktie spiegelt dies aber nicht wider. Ihre Kennzahlen sind fast im Bereich der Kennzahlen von Banken, Sie wachsen aber deutlich stärker. Woran liegt das?

Egger: Ich glaube schon, dass die Umsatzbeiträge, die nicht aus dem ursprünglichen Kerngeschäft stammen, zu wenig wahrgenommen werden. Wir haben daher auch dem Thema SME-Geschäft bei der Darstellung der Neun-Monats-Zahlen ein stärkeres Gewicht gegeben. Aber auch Prime Loans und die Mobile Wallet werden strategisch an Bedeutung gewinnen. Zudem standen in den vergangenen Monaten Small und Mid Caps wohl nicht im Fokus von Investoren, das wird sich aber auch irgendwann ändern.

BOND MAGAZINE: Sie sind mit der Mobile Wallet in Lettland gestartet. Was kann man sich darunter vorstellen?

Egger: Wir haben die Mobile Wallet in Lettland im Pilotbetrieb. Wir geben dem Kunden mit der Mobile Wallet zusätzliche Anwendungsoptionen, die wir Step by Step entwickeln. In einer weiteren Ausbaustufe werden Drittanbieter gemeinsam mit uns ihre Leistungen anbieten können, z.B. Versicherungen. Zudem möchten wir dem Kunden auch eine bessere Visibilität der eigenen Finanzen bieten. Diese Möglichkeit bietet PSD 2. Wir werden das Userfeedback aus dem Pilotbetrieb in Lettland genau analysieren und dann die Mobile Wallet auch im kommenden Jahr in weiteren Märkten anbieten. Im Grunde geht es darum, mit dem Kunden über zusätzliche Services eine engere und längere Kundenbeziehung aufzubauen.

BOND MAGAZINE: Sie haben kürzlich Ihre Anleihebedingungen vereinheitlicht, was war der Hintergrund dafür?

Egger: Wir haben drei längerlaufende Anleihen. Während bei der Ferratum Bank-Anleihe 2016/20 (ISIN FI4000232830) und der Ferratum Capital Germany-Anleihe 2018/22 (ISIN SE0011167972) in den Covenants ein Net Debt/Equity von maximal 3 vorgesehen war, betrug die Quote bei der Ferratum Capital Germany-Anleihe 2019/23 (ISIN SE0012453835) 3,5.
Uns war es wichtig, dass wir für alle künftigen Themen eine einheitliche Struktur in den Finanzinstrumenten haben. Dem haben die Anleiheinvestoren auch mit großer Mehrheit zugestimmt.

BOND MAGAZINE: Und wie hat sich die Finanzierungslandschaft in der Branche verändert?

Egger: Es ist wichtig, dass man sich auf das Kerngeschäft fokussiert und die Finanzierungsstruktur darauf ausrichtet. Unsere wesentlichen Aktivitäten haben wir im Euroraum und decken diese mit Finanzierung über unsere Eurobonds sehr gut ab. Zudem haben wir mit der Banklizenz weitere Finanzierungsmöglichkeiten, die wir noch breiter nutzen wollen. In Bezug auf die weitere Finanzierung bin ich daher optimistisch.

BOND MAGAZINE: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Schiffmacher,
https://www.fixed-income.org/



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