Anzeige

Anzeige
21.01.20

Anleihenmärkte: Volatilität nimmt zu - Bonität rückt in den Vordergrund

Die ultralockere Geldpolitik sowie die Maßnahmen der Zentralbanken haben Blasen sowie Marktverzerrungen an den Finanzmärkten erzeugt, den Kreditzyklus verlängert und zu einem Rückgang bei den Kreditspannen geführt. Die positiven Effekte dieser Lockerungen werden jedoch nicht zukunftsfähig sein und abnehmen, auch wenn der Markt eine technische Unterstützung durch das Anleihenkaufprogramm der EZB erhält. Zudem hat sich die fundamentale Kreditqualität der Unternehmen trotz vorteilhafter Konjunktur aufgrund des Aktionärsfokus verschlechtert und das aktuelle wirtschaftliche Umfeld lässt keine Besserung zu.

Wir erwarten, dass die Volatilität zunehmen wird und gehen mittelfristig von einer Risikoneubewertung aus, wobei Investoren die in Vergessenheit geratenen Risiko- und Illiquiditätsprämien einfordern werden. In einem solchen Szenario differenziert der Markt und die Bonität rückt in den Vordergrund, weshalb wir generell zu höherer Kreditqualität und einer sorgfältigen Überprüfung der Schuldner raten“, so René Hermann, Analyst bei Independent Credit View (I-CV).

Bewertung ausgewählter Sektoren
Vor diesem Hintergrund ist das Anlagejahr 2020 herausfordernd und stellt Investoren auch vor die Frage, welche Sektoren erfolgsversprechend sind und welche weniger attraktiv erscheinen. Dazu hat I-CV einige ausgewählte Sektoren aktuell unter die Lupe genommen und hinsichtlich ihrer Chancen für dieses Jahr bewertet:

Automobilhersteller und ihre Zulieferer verfügen aktuell über stärkere Kreditprofile als vor der letzten Finanzkrise, befinden sich jedoch erst am Anfang eines strukturellen Umbruchs in der Industrie. Angesichts des schwierigen Marktumfelds steht eine Weiterführung der bisher hohen Finanzdisziplin in Konflikt mit dem Druck zu massiven Investitionen in Zukunftstechnologien, bei welchen eine erfolgreiche Monetarisierung aber noch ungewiss ist. „Der Kostendruck dürfte unseres Erachtens in den nächsten Jahren auch vermehrt zu Allianzen und Zusammenschlüssen führen. Wir erwarten weiterhin eine graduelle Abschwächung der Finanzprofile und damit auch der Ratingeinstufungen“, sagt Hermann. Trotz der mehrheitlich besser als erwarteten Resultate im Bereich der Kapitalgüter sind die Nachfrage und das Investitionsverhalten weiterhin getrübt, was generell Druck auf die Finanzrisikoprofile ausübt. Hinzu kommt, dass viele Gesellschaften noch von hohen Auftragsbeständen profitieren, was bis dato geholfen hat, die Produktionskapazitäten auszulasten. Aus Bonitätssicht favorisiert I-CV Gesellschaften mit hoher Profitabilität und wiederkehrenden Umsätzen (zum Beispiel Servicegeschäft).

In der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ist Druck zu erwarten auf die Margen aufgrund erhöhter Investitionen für die Anpassung des Produktportfolios, des intensiven Wettbewerbs sowie der begrenzten Preiskraft der Unternehmen. Und im Retailsektor wird das Wachstum im E-Commerce, der mit niedrigeren Margen operieren kann, das Umsatzwachstum und die Margen in den übrigen Einzelhandelsgebieten weiter belasten. Die Einzelhändler in Europa werden den Schmerz aufgrund der weniger robusten makroökonomischen Trends und des geringeren Verbrauchervertrauens wahrscheinlich etwas stärker spüren als ihre Kollegen in den USA. „Deshalb erwarten wir in Europa eine Abschwächung der Finanzprofile der Einzelhändler. Obwohl wir mit einer stabileren Entwicklung in den USA rechnen, werden auch bestimmte Händler wie Kaufhäuser mit Gewinnrückgängen konfrontiert sein“, meint Hermann.

Unternehmen im Energie- und Rohstoffsektor erzielen aufgrund der operationellen und finanziellen Fortschritte nach dem Verfall der Rohstoffpreise starke freie Cashflows, welche jedoch wieder Wachstumsprojekten und der aktionärsfreundlichen Finanzpolitik dienen. Diese Entwicklung sowie die zusätzliche Unsicherheit einer fortschreitenden globalen Wachstumsabschwächung aufgrund des Handelsdisputs hat I-CV veranlasst, den Sektorausblick von Improving auf Stable zu reduzieren. Nach der Phase der rekordtiefen europäischen Strompreise 2014 bis 2017 stellt sich wieder so etwas wie „Normalität“ im Markt der Stromversorger ein. Das bedeutet, dass die vormals arg gebeutelten Stromerzeuger wieder Preise erhalten, welche zu einem positiven Deckungsbeitrag führen. Das gegenwärtige Preisniveau löste hingegen keineswegs einen Investitionsschub aus, denn diese rechnen sich ohne direkte und indirekte Fördermaßnahmen noch nicht. „Aus einer Kreditperspektive bevorzugen wir vertikal integrierte Versorger mit reguliertem Geschäft beziehungsweise mit einem ausgewogenen, diversifizierten Erzeugungsportfolio“, sagt Hermann.

Im Bankensektor erwartet I-CV, dass die Differenzierung der Kredite einerseits nach Geografie und andererseits innerhalb der Regionen nach makroökonomischen Umweltfaktoren und Konsolidierungsgrad des Bankensystems in 2020 Bestand hat. Banken in den USA, Kanada, Australien und Singapur sollten trotz Gegenwind durch Zinssenkungen, schwächeres Kreditwachstum sowie Probleme in der Corporate Governance und Compliance weiterhin eine robuste Profitabilität aufweisen. „In Europa dürften vor allem die Banken in Frankreich und Benelux von den oligopolistischen Marktstrukturen profitieren und weiterhin über befriedigende Finanzprofile verfügen. In Skandinavien dämpfen ein intensiver Wettbewerb im Hypothekengeschäft sowie die zu erwartenden Belastungen aus den Geldwäscheskandalen unsere Ertragserwartungen. Am pessimistischsten bleiben wir für die deutschen Groß- und Landesbanken. Bei Finanztiteln empfehlen wir in der Kapitalstruktur tiefer zu gehen und favorisieren Tier 2 von höher eingestuften Banken gegenüber gleich bewerteten ‚senior non-preferred-Papieren‘ von schwächeren Banken“, so Hermann.

Dank tieferen Kapitalisierungssätzen und leicht steigenden Mieten können Immobilienunternehmen immer höhere Bewertungen der Anlageportfolios rechtfertigen, was jedoch teilweise zu nicht nachhaltigen Dividendenausschüttungen führt. Während bei Wohnimmobilien eine scheinbar kaum zu stillende Nachfrage vorhanden ist, verbreiten sich bei Gewerbeimmobilien zunehmend alternative Nutzungskonzepte. So werden nicht mehr benötigte Retailflächen kurzerhand in Logistikzentren umgenutzt, zu große Einkaufsflächen in kleinere aufgesplittet oder leerstehende Büroflächen in Shared-Office Angebote umgewandelt. Das zu billige Geld führt jedoch je länger desto stärker zu Übertreibungen in den Immobilienmärkten.

Independent Credit View AG (I-CV) fungiert seit 2003 erfolgreich als erste unabhängige Research Boutique für institutionelle Bondinvestoren. In ihrer Funktion als Beraterin analysiert, beurteilt und überwacht I-CV die Kreditqualität von nationalen und internationalen Emittenten und gibt entsprechende Anlageempfehlungen. I-CV ist das einzige Unternehmen im deutschsprachigen Raum, welches für seine Ratingdienstleistungen ausschließlich von Investoren bezahlt wird. Das Unternehmen verfügt über ein erfahrenes 18-köpfiges Spezialistenteam und robuste Analyseverfahren, welche in einem I-CV Rating und einer Empfehlung resultieren. Das I-CV Rating hat sich im Markt als unabhängige Einschätzung der Kreditqualität etabliert und als akkurater Frühwarnindikator bewährt. I-CV agiert ausschließlich im Interesse der Investoren (Investor-pay) und generiert durch umfassende Studien unmittelbaren Mehrwert, indem Marktverschiebungen frühzeitig erkannt werden (vgl. I-CV Banken- und Länderstudien). Die Nähe zum Kunden sowie die Unabhängigkeit zählen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren des Unternehmens.

https://www.fixed-income.org/
(Foto: René Hermann © Independent Credit View)



27.02.2020, Investment

Corona-Virus: Unterschiedliche Auswirkungen auf die Bondmärkte

Mit der weiteren Verbreitung des Coronavirus wächst die Sorge über die globalwirtschaftlichen Auswirkungen: Die Experten der Fixed Income Boutique von Vontobel Asset Management geben hierzu ihre... [mehr]
26.02.2020, Investment

Nachhaltig Investieren mit hohem „IQ“

Nachhaltigkeit ist in aller Munde – und auch im Finanzmarkt sind nachhaltige Faktoren nicht mehr wegzudenken. Politisch, regulatorisch und gesellschaftlich erhöht sich stetig der Druck auf Asset... [mehr]
26.02.2020, Investment

Mehr Rendite mit nicht EZB-fähigen EUR-Unternehmensanleihen

von Michael Hess, Leiter Portfolio Management Corporate Credit, BANTLEON

Nach einem guten Start ins Jahr 2020 haben EUR-Unternehmensanleihen der Bonität Investment Grade weiteres Potenzial. Die Erträge von über 6% im Jahr 2019 dürften zwar nicht zu wiederholen sein,... [mehr]
26.02.2020, Investment

Janus Henderson Investors: Auswirkungen des Coronavirus auf Anleihenmärkte

John Lloyd, Co-Head of Global Credit Research discusses the movements in fixed income markets

Over the weekend, we got worsening news about the spread of the coronavirus as we got cases in Italy and South Korea, after Japan a couple of weeks ago. I think the markets in the last couple of... [mehr]
25.02.2020, Investment

Unigestion-Marktanalyse: Angstprämie bedroht Bond-Rallye

In der heutigen Welt der Hyperinformation ist es für Anleger besonders schwierig, zwischen Rauschen und Fundamentaldaten zu unterscheiden. Die Marktstimmung, die in Echtzeit von Schlagzeilen und... [mehr]
25.02.2020, Investment

DWS CIO Flash: Erhöhte Unsicherheit durch die globale Ausbreitung des Coronavirus

Die Neuansteckungen in Südkorea und Italien sind alarmierend. Eine schnelle Rückkehr zur Normalität scheint fraglich, kurzfristig bleiben wir vorsichtig

Der Frühling ist für wechselhaftes Wetter bekannt. Aber zum einen haben wir kalendarisch immer noch Winter, und zum anderen ist der aktuelle Umschwung beim Börsenwetter mehr als dramatisch. Als sei... [mehr]
25.02.2020, Investment

Negativzinsen sind auch in den USA möglich

Die US-Notenbank hält die Leitzinsen als einzige der Großen derzeit noch im positiven Bereich. Im nächsten wirtschaftlichen Abschwung könnte auch die Fed gezwungen sein, negative Zinsen einzuführen.... [mehr]
25.02.2020, Investment

Grün ist gut

von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, und Clément Inbona, Fondsmanager, La Financière de l’Échiquier

In der Wintersaison 2020 liegt die Farbe Grün voll im Trend. Ob Unternehmen, Anleger, Politiker oder Bürger: Alle geben sich einen grünen Anstrich, während beim Wetter ein Wärmerekord nach dem... [mehr]
24.02.2020, Investment

Die jüngste Spread-Ausweitung hat potenzielle Einstiegspunkte für Investment Grade und High Yield geschaffen

Michael McEachern, Head of Public Markets bei Muzinich & Co, kommentiert die aktuelle Lage an den Kreditmärkten

Das neue Coronavirus wird oft mit dem SARS-Ausbruch von 2003 verglichen, doch dieses Mal hat die chinesische Regierung viel schneller reagiert, um die Ausbreitung einzudämmen. Die Marktteilnehmer... [mehr]
20.02.2020, Investment

Green Bond Bulletin: Grüne Anleihen haben bei der Wertentwicklung die Nase vorn

Analyse zu Rendite und Volatilität grüner Anleiheindizes belegt, dass Impact nicht zu Lasten der Erträge gehen muss

NN Investment Partners (NN IP) hat untersucht, wie sich grüne Indizes im Vergleich zu Indizes für herkömmliche Euro-Staats- und Unternehmensanleihen entwickelt haben. Die Analyse hat ausschließlich... [mehr]
News 1 bis 10 von 4218
<< Erste < zurück 1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 vor > Letzte >>
Anzeige
Neue Ausgabe jetzt online!



Aktuelle Ausgabe
kostenlos herunterladen