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06.09.21

„Wir planen eine Neobank“, Tarmo Sild, CEO, IuteCredit

Die IuteCredit Group, Tallinn, emittiert eine 5-jährige Anleihe im Volumen von bis zu 50 Mio. Euro. Die Gesellschaft möchte das Kapital nutzen, um weiter profitabel zu wachsen, wie Gründer und CEO Tarmo Sild im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE erläutert. In vier bis fünf Jahren möchte er eine Bilanzsumme von 1 Mrd. Euro erreichen. Die Gesellschaft möchte aber nicht nur mit Konsumentenkrediten, sondern auch mit der Abwicklung von Finanztransaktionen wachsen. Schon jetzt machen Service Fees 6% des Umsatzes aus. Die Gesellschaft möchte die Digitalisierung weiter vorantreiben und eine Neobank werden.

BOND MAGAZINE: In welchen Bereichen ist IuteCredit aktiv?

Sild: Wir vergeben Ratenkredite (Buy Now Pay Later), die in Shops, Onlineshops, in unseren Niederlassungen und Postfilialen beantragt werden können. Die Vergabe von Krediten ist unser Kerngeschäft. Wir wachsen aber auch stark mit Services. Im Juni dieses Jahres haben wir bereits 6% des Umsatzes mit Serviceleistungen erzielt. Das sind transaktionsbezogene Fees von Mastercard, aus unserer App und von unseren Geldautomaten. Der Anteil der transaktionsbezogenen Fees ist noch relativ niedrig, aber er wächst von Monat zu Monat.

BOND MAGAZINE: In welchen Ländern sind Sie aktiv?

Sild: Wir sind zurzeit in fünf Ländern aktiv: in Moldawien, Albanien, Nord-Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien. Ich denke, dass wir unsere Aktivitäten zügig auf weitere Länder im Balkan ausweiten können.

BOND MAGAZINE: Wie ist die aktuelle Geschäftsentwicklung?

Sild: Das Geschäft läuft sehr gut, auch qualitativ. Wir treiben die Digitalisierung weiter voran. Anfang des Jahres haben wir unsere App gelauncht. Inzwischen nutzen bereits 100.000 Kunden die App. Mit kartenlosen Geldautomaten sind wir Ende letzten Jahres gestartet und bieten diese in drei Ländern an. Die meisten unserer Darlehen werden über unsere eigenen Geldautomaten ausgezahlt. Die Darlehen können digital beantragt und digital unterzeichnet werden. Dies bieten wir bereits in vier von fünf Ländern, in denen wir aktiv sind. Wir wachsen also qualitativ, digital, sehr stark. Wir haben aber auch beim Volumen der Kredite, die wir monatlich vergeben, mit 16 Mio. Euro ein Rekordniveau erreicht.

BOND MAGAZINE: Wie funktionieren kartenlose Geldautomaten?

Sild: Wenn der Kredit bewilligt wird, erhält der Kunde eine PIN und kann das Geld an unseren Geldautomaten abheben. Das bietet dem Kunden viele Vorteile: Das Geld kann sofort abgehoben werden und der Kunde ist nicht auf die Öffnungszeiten von Postfilialen angewiesen. Der Service kann rund um die Uhr genutzt werden.

BOND MAGAZINE: Welche Möglichkeiten bietet die MyIute App dem Nutzer?

Sild: Die MyIute App ist so etwas wie ein Restaurant mit freier Menüwahl. Zurzeit können Nutzer mit der App Darlehen beantragen, sich digital identifizieren und den Kredit digital unterzeichnen. Kunden können natürlich auch die aktuellen Salden einsehen oder auch den Rückzahlungstag der Raten ändern. Wenn ein Kunde sein Gehalt beispielsweise Mitte des Monats bekommt, dann kann er in der App veranlassen, dass die Raten in der Monatsmitte gezahlt werden.

BOND MAGAZINE: Was soll die App künftig noch bieten?

Sild: Wir haben zurzeit keine Banklizenz. Wir könnten in Zukunft aber auch Einlagengeschäft über die App abwickeln. Kunden könnten also Einlagen tätigen und wir könnten entsprechend Kredite mit dem Kapital vergeben. Das setzt aber eine Banklizenz voraus. Es ist aber auch möglich, Dienstleistungen von anderen Unternehmen über unsere App anzubieten.

BOND MAGAZINE: Streben Sie eine Banklizenz an?

Sild: Ja, wir planen eine Neobank.

BOND MAGAZINE: Wann könnte die Neobank an den Start gehen?

Sild: Wenn alles gut geht, vielleicht schon im Jahr 2023.

BOND MAGAZINE: In welchen Regionen wollen Sie in Ihrem Kerngeschäft wachsen? In welchen Ländern möchten Sie als nächstes aktiv werden?

Sild: Wir planen auch über Akquisitionen zu wachsen. Die nächsten Schritte hängen auch von den Akquisitionszielen ab.

BOND MAGAZINE: Viele kleinere Mitbewerber sind während der Coronapandemie in Schwierigkeiten geraten. Sie müssen Übernahmeziele sehr sorgfältig auswählen.

Sild: Ja, Übernahmeziele müssen immer sehr sorgfältig ausgewählt werden. Die Zielunternehmen dürfen nicht in Problemen stecken, die regulatorischen Rahmenbedingungen müssen in den Ländern passen und attraktiv sein, der Kaufpreis muss passen und es muss natürlich einen Mehrwert für die Firmengruppe insgesamt geben.

BOND MAGAZINE: Welche Kennzahlen streben Sie an?

Sild: Ich möchte immer eine Eigenkapitalquote von 15% haben. Das ist mir sehr wichtig. Zum 31.06.2021 hatten wir eine Eigenkapitalquote von 19%. Wichtig ist aber auch, welchen Umsatz ich mit dem ausgegebenen Kreditvolumen erzielen kann. Aktuell sind es etwa 55% jährlich. Der Wert wird sich langfristig aber eher hin zu Relationen klassischer Banken bewegen – mit ca. 25% p.a. In vier bis fünf Jahren möchten wir eine Bilanzsumme von 1 Mrd. Euro erreichen. Wir möchten einen Return on Equity von mindestens 20% erreichen, historisch waren es im Durchschnitt 40%.

BOND MAGAZINE: Wie wollen Sie das erreichen?

Sild: Mittelfristig werden die Zinssätze zurückgehen, die durchschnittliche Kredithöhe wird steigen und die Kredite werden eine längere Laufzeit haben. Die Kredite haben zurzeit eine durchschnittliche Laufzeit von weniger als zwei Jahren. Mittelfristig dürften die Laufzeiten im Durchschnitt zwei bis drei Jahre betragen. Wir wollen aber auch mit Zahlungsdienstleistungen wachsen. Wir möchten die Geldbörse durch unsere digitale Wallet ersetzen. Die Möglichkeiten werden die gleichen sein. Kunden werden in Zukunft ihr Geld in unserer digitalen Wallet erhalten, sie können Ausgaben tätigen, Kredite beantragen und investieren. Unsere Kunden verdienen im Durchschnitt etwa 6.000 Euro im Jahr und sie geben auch etwa 6.000 Euro aus. Sie haben also Transaktionen in Höhe von 12.000 Euro pro Jahr. Viele dieser Transaktionen erfolgen zurzeit noch Cash. Künftig werden aber immer mehr Zahlungen digital erfolgen.

BOND MAGAZINE: Wie können deutsche Investoren in Ihre Anleihe investieren?

Sild: Die Anleihen werden im Rahmen eines öffentlichen Angebots sowohl in Estland, Lettland und Litauen als auch in Deutschland angeboten. Es handelt sich um die erste Anleihe überhaupt, die im Baltikum und in Deutschland öffentlich zur Zeichnung angeboten wird. Wir sind also auch am Kapitalmarkt sehr innovativ. Institutionelle Investoren können in Deutschland über das Bankhaus Scheich zeichnen, Privatanleger über DirectPlace, die Zeichnungsfunktionalität der Deutsche Börse AG. D.h. Anleger können in Deutschland wie gewohnt die Anleihe durch eine Kauforder am Börsenplatz Frankfurt zeichnen.

BOND MAGAZINE: Es gibt schon seit einiger Zeit Gerüchte, dass mehrere Ihrer Mitbewerber ihr Eigenkapital stärken möchten oder auch einen Börsengang planen. Ist das für Sie auch denkbar?

Sild: Wenn wir eine Bilanzsumme von 1 Mrd. Euro erreichen möchten, dann sollten wir auch 150 Mio. Euro Eigenkapital haben. Wenn wir dabei über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren sprechen, dann wird es sicher einen gewissen Kapitalbedarf geben. Einen IPO würde ich aber nicht präferieren.

BOND MAGAZINE: Einige Ihrer Mitbewerber haben auch Anleihen emittiert. Weshalb sollte man jetzt in Ihre Anleihe investieren?

Sild: Ja, einige unserer Mitbewerber haben ebenfalls Anleihen emittiert. Die Geschäftsmodelle sind ähnlich, unterscheiden sich aber in wichtigen Details. Wir entwickeln uns stärker als viele Mitbewerber hin zu Services, zur Zahlungsabwicklung und wollen eine Neobank werden. In den Ländern, in den wir aktiv sind, werden viele Zahlungen noch Cash abgewickelt. Wir bringen die Digitalisierung in diese Märkte. Die Qualität unserer Kredite ist sehr gut und die Zahlungsmoral unserer Kreditnehmer ist es seit vielen Jahren ebenfalls. Natürlich haben wir ein gutes Managementteam, wir arbeiten sehr effizient und wir wachsen stark. Für Investoren ist die Qualität der zugrundeliegenden Kredite entscheidend. Auch die Rendite unserer Anleihe kann sich sehen lassen. Wenn das Risiko gut gemanagt wird, ist die Rendite sehr gut. Wir haben 145.000 aktive Kunden, die jeden Monat ihre Kreditraten zahlen. Das Risiko ist also sehr breit diversifiziert. Und die Zahlungsmoral im Balkan ist sehr gut. Wir sind immer profitabel gewachsen. Viele FinTechs sind von Venturecapital-Unternehmen finanziert und machen viele Jahre keine Gewinne. Ich bin der Gründer und größte Gesellschafter von IuteCredit. Natürlich ist mir wichtig, dass wir profitabel arbeiten. Schon das allein unterscheidet uns von vielen anderen Unternehmen.

BOND MAGAZINE: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org

Eckdaten der IuteCredit-Anleihe 2021/26

Emittent

IuteCredit Finance S.à.r.l.

Status

Senior secured (besichert)

Garanten

alle operativen Konzerngesellschaften

Kupon

9,50%-11,50% p.a.

Zeichnungsfrist

06.09.2021 bis 24.09.2021

Bekanntgabe des finalen Kupons

27.09.2021

Valuta, Notierungsaufnahme

06.10.2021

Laufzeit

06.10.2026

Emissionsvolumen

bis zu 50 Mio. Euro

Stückelung

100 Euro

ISIN

XS2378483494

Listing

Börse Frankfurt, Regulierter Markt und Nasdaq Baltic, Tallinn

Anwendbares Recht

Luxemburger Recht

Emissionsbanken

Signet Bank (Lettland), GOTTEX Brokers (Schweiz), Bankhaus Scheich (Deutschland), u.a.

Financial Advisor

Aalto Capital, München

Internet

https://iute.ee/?lang=en




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