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16.05.19

“Unsere Situation ist solide”, Johann Schmid-Davis, CFO, Hörmann Industries GmbH

Die Hörmann Industries GmbH emittiert eine neue Unternehmensanleihe mit einem Volumen von bis zu 50 Mio. Euro. Der Emissionserlös dient zur vorzeitigen Refinanzierung der 2021 fälligen Anleihe (WKN: A2AAZG, Volumen: 30 Mio. Euro). Die Anleihe kann via Kauforder am Börsenplatz Frankfurt gezeichnet werden. Im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE erläutert CFO Johann Schmid-Davis die Strategie.

BOND MAGAZINE: In welchen Bereichen ist Hörmann Industries tätig?

Schmid-Davis: Die H
örmann Industries GmbH ist als mittelständisches Familienunternehmen mit ihren vier Segmenten Automotive, Engineering, Communication und Services für den Industriesektor in zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern aufgestellt. Unsere Produkte und Dienstleistungen generieren in einer sich stark wandelnden Industrielandschaft, die wir mitgestalten, eine hohe Nachfrage. Als Technologieunternehmen sind wir seit 65 Jahren erfolgreich im Markt.

BOND MAGAZINE: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?

Schmid-Davis:
Das Zielvolumen der Anleihe 2019/2024 liegt bei 50 Millionen Euro. Welche Umtauschquote wir mit dem aus unserer Sicht sehr attraktiven Angebot erreichen werden ­– wir bieten ja auch eine Barzulage von 25 Euro – ist noch nicht abzusehen. Vorzeitig zurückzahlen werden wir die nicht umgetauschten Stücke der Anleihe 2016/2021 am 21. November 2019 definitiv, so beschreibt es der aktuelle Prospekt. Die Umtauschfrist läuft noch bis zum 23. Mai 2019. Sollten darüber hinaus Mittel eingeworben werden, wovon wir natürlich ausgehen, dienen diese der weiteren Optimierung der Produktionsstruktur im Geschäftsbereich Automotive und ergänzenden Akquisitionen in den Geschäftsbereichen Engineering und Services.


BOND MAGAZINE: Sie haben eine Netto-Cash-Position – also eine relativ komfortable Situation. Sie könnten also auch mal größere Akquisitionen tätigen…?

Schmid-Davis:
Ja, stimmt Herr Schiffmacher, unsere Situation ist solide. Eine Eigenkapitalquote von rund 38% und ein Nettofinanzmittelbestand von über 77 Mio. Euro per Ende 2018 stehen bei uns zu Buche. Wir werden in unseren vier Geschäftsfeldern organisch und sehr pointiert anorganisch in den Bereichen Engineering und Services weiter wachsen. Wir treiben die Automatisierung vor allem im Bereich Automotive voran und schaffen uns gute M
öglichkeiten, portfolioergänzende und -erweiternde Unternehmenszukäufe, wie zum Beispiel im April mit der Mehrheitsübernahme an dem Intralogistik-Unternehmen Klatt Fördertechnik geschehen, zu realisieren. Wir wollen schlagkräftig sein und den Wettbewerb gestalten. Dabei denken wir als Familienunternehmen aber nicht nur in Zahlen, wir denken vor allem auch an Zukunft, Solidität und Integrität, um die Hörmann Industries generationenübergreifend fortentwickeln zu können. Also kurz: Arrondierende Akquisitionen, die sich in absehbarer Frist amortisieren, sind für Hörmann Industries jederzeit denk- und realisierbar.

BOND MAGAZINE: Wie gerade erwähnt haben Sie kürzlich die Klatt Fördertechnik GmbH übernommen. Bitte erläutern Sie uns Details zur Übernahme.

Schmid-Davis:
H
örmann hat sich zunächst mit 51 Prozent an dem österreichischen Spezialisten für Intralogistiksysteme beteiligt, und wir beabsichtigen, in den kommenden Jahren sukzessive weitere Anteile an Klatt zu erwerben. Die akquirierte Gesellschaft wird ru?ckwirkend zum 1. April 2019 voll konsolidiert. Für die Hörmann Logistik GmbH bedeutet die Übernahme die vertikale Ausweitung des bisherigen unternehmenseigenen Angebots und damit die Stärkung der Wertschöpfungskette sowie eine Markterweiterung in neue Branchen und nach Österreich. Hörmann ist im Bereich Logistik spezialisiert auf Projektierung von Anlagen, Projektmanagement, Automatisierungstechnik und -software sowie Warehousemanagementsysteme. Klatt wird die Angebotspalette als Vollsortimentierer fu?r Fördertechnik um solche konstruktive Lösungen ergänzen, die die Hörmann Logistik GmbH als Generalunternehmer bislang von unterschiedlichen Herstellern zugekauft hat.

BOND MAGAZINE: Und wie hoch war der Kaufpreis?

Schmid-Davis:
Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.


BOND MAGAZINE: Sie trennen sich vom Automotive-Werk in Penzberg. Mit welchen Kosten, u.a. für den Sozialplan, ist zu rechnen?

Schmid-Davis:
Im Jahr 2018 ist die H
örmann Automotive Penzberg, HAP, in eine Verlustsituation geraten und wies einen Fehlbetrag in Höhe von 4,6 Mio. Euro aus – trotz einer hohen konjunkturbedingten Nachfrage und einer hohen Auslastung. Diese defizitäre Entwicklung setzt sich im laufenden Geschäftsjahr fort: HAP rechnet in 2019 mit einem erneuten Verlust von mehr als 8 Mio. Euro. Der Standort Penzberg ist von einer sehr lohnintensiven Herstellung mit relativ niedrigem Automatisierungsgrad gekennzeichnet, die unter den Gegebenheiten in Deutschland nicht mehr zukunftsfähig ist und für uns nicht länger wirtschaftlich tragbar war. Die Ausgliederung und Entkonsolidierung ist eine folgerichtige Konsequenz im Sinne der gesamten Gruppe. Fu?r die Finanzierung eines Sozialplans wird die Hörmann Industries GmbH der Hörmann Automotive Penzberg GmbH besicherte Finanzmittel von rund 20 Mio. Euro zur Verfu?gung stellen.

BOND MAGAZINE: Zurzeit vergeht fast kein Tag, an dem nicht von Handelskriegen die Rede ist. Welche Risiken sehen Sie diesbezüglich für Hörmann Industries?

Schmid-Davis:
Schmid-Davis: Wir sind in vier Geschäftsfeldern, die allesamt positiven Ergebnisbeitrag liefern, diversifiziert und damit risikogestreut unterwegs – das ist schon einmal ein Vorteil. Die H
örmann Industries GmbH ist vor allem in Europa aktiv, Hauptabsatzmarkt für die vier Geschäftsbereiche ist Deutschland. Auch das ist in der derzeitigen Gemengelage ein Vorteil. Wir sind also nur am Rande betroffen. Aber: Handelsbarrieren fördern unser Geschäft selbstverständlich nicht, wir nehmen das nicht gute Sentiment selbstverständlich wahr, zumal auch unsere Geschäftspartner zum Teil betroffen sind. Den Verwirrungen zum Trotz gibt es fu?r das von den Hörmann Geschäftsbereichen bereitgehaltene Produktportfolio genügend Aufgaben, die zu lösen sind und für die wir die notwendigen Konzepte und Kompetenzen haben. Unsere Auftragsbu?cher sind gut gefüllt.

BOND MAGAZINE: Welchen Umsatz erzielen Sie mit Ihrem größten Kunden –  MAN?

Schmid-Davis:
Aktuell sind Daimler, MAN und Scania im Nutzfahrzeugbereich Kunden von Hörmann Automotive, im kommenden Jahr wird mit hoher Wahrscheinlichkeit DAF dazu kommen. Vier der fünf größten europäischen Lkw-Hersteller werden wir dann zu unseren Kunden zählen. Wir sind aber auch Systemlieferant für namhafte Kunden in der Land- und Baumaschinenindustrie, wie John Deere, Claas, Liebherr und diverse andere Unternehmen im Automotive-Bereich. Unser Kundenportfolio ist breit gestreut. In 2018 belief sich der MAN-Anteil am Umsatz von Hörmann Industries auf rund 40 Prozent.

BOND MAGAZINE: Als Sie Details zu Ihrer Anleiheemission bekanntgegeben haben, hat bei mir gleich ein Funkwerk-Aktionär angerufen... Welchen Anteil halten Sie an Funkwerk und welche strategischen Ziele verfolgen Sie bei Funkwerk?

Schmid-Davis:
Die Hörmann Industries ist mit 78% an der börsennotierten Funkwerk AG, die zu unserem Geschäftsbereich Communication zählt, beteiligt. Der Geschäftsbereich Communication ist dank seiner historischen Entwicklung flächendeckend in europäischen Zukunftsmärkten strategisch gut positioniert. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um ein tiefes Verständnis für die unterschiedlichen Anforderungen der Kunden zu bekommen und Innovationen voranzutreiben. Für den Bereich Communication bieten sich vor dem Hintergrund der aktuellen industriellen Entwicklung eine Vielzahl zusätzlicher Möglichkeiten für die Erweiterung des Produkt- und Dienstleistungsportfolios. Insofern wird dieses Segment im Hörmann-Mix der Geschäftsbereiche nachhaltig an Bedeutung gewinnen. Die mittelfristige weitere Diversifizierung der Hörmann Industries, auch unter Margen- und Risikogesichtspunkten, wird vom Geschäftsbereich Communication und damit der Funkwerk AG maßgeblich mitbestimmt werden.


BOND MAGAZINE: Funkwerk ist börsennotiert, Hörmann Industries nicht. Mit der dritten Anleiheemission scheinen Sie wohl Gefallen am Kapitalmarkt gefunden zu haben. Ist mittelfristig auch ein Börsengang von Hörmann Industries denkbar?

Schmid-Davis:
Umgekehrt hat auch der Kapitalmarkt Gefallen an der Hörmann Industries gefunden, die sich seit 2013 als reputierter Kapitalmarktteilnehmer etabliert hat. Das ist also eine Win-Win-Situation. Und Herr Schiffmacher, Sie als langjähriger Kapitalmarktexperte kennen die Antwort auf Ihre Frage: Die Hörmann Industries prüft in der Verantwortung einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung kontinuierlich alle Optionen. Das ist nicht bloß eine Formulierung, das sehen wir als unsere Managementpflicht.


BOND MAGAZINE: Ihre Anleihe wird nach norwegischem Recht emittiert. Welche Vorteile soll das haben? Bei WOW Air hat das Nordic Bond-Format auch keinen Vorteil gebracht…

Schmid-Davis:
Ich kann den Verlauf des Falls WOW Air aus der Ferne nicht seriös beurteilen. Hörmann Industries hat das Nordic Bond Format gewählt, da das damit verbundene Treuhänderkonzept ermöglicht, einen erweiterten Kreis von institutionellen Investoren bei der Privatplatzierung in der europäischen Region schneller einzubinden. Wir öffnen uns damit in adäquater und dank Standarddokumentation unkomplizierterer Weise einem größeren Kreis potenzieller Investoren für unsere neue Anleihe, zumal der Bond ja auch über ein höheres Volumen verfügt.

BOND MAGAZINE: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, https://www.fixed-income.org/

Eckdaten der Hörmann-Anleihe2019/24

Emittent

Hörmann Industries GmbH

Kupon

mind. 4,50%

Umtauschfrist

09.05.-23.05.2019

Zeichnungsfrist

22.05.-28.05.2019

Notierungsaufnahme

06.06.2019

Volumen

bis zu 50 Mio. Euro

WKN / ISIN

A2TSCH / NO0010851728

Stückelung

1.000 Euro

Laufzeit

5 Jahre

Unternehmensrating

BB (Stabil), Euler Hermes Rating GmbH (Oktober 2018)

Treuhänder

Nordic Trustee AS

Listing

Open Market, Börse Frankfurt und Nordic ABM, Börse Oslo

Internet

www.hoermann-gruppe.de




Mittelstandsanleihen – aktuelle Neuemissionen

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Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig Nur Umtausch: 06.11.-11.12.2019 6,50% Open Market
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UniDevice 27.11.-12.12.2019 6,500% Open Market
13.12.2019, Neuemissionen

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