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30.10.09

Schuldscheindarlehen für den Mittelstand

Dr. Michael Leue und Jana Wever, Bryan Cave LLP

Schon auf den ersten Blick offenbart das Schuldscheindarlehen einen Vorteil gegenüber anderen Finanzierungsmitteln. Jeder kann ohne Aufwand verstehen, wie diese Form der Finanzierung funktioniert.

Einfaches Prinzip
Das Prinzip des Schuldscheindarlehens ist einfach, alt und bewährt. Schuldscheine waren bereits im römischen Recht bekannt und waren später neben dem Wechsel in ganz Europa verbreitete Sicherheiten. Der Schuldschein sichert dabei dem Kreditgeber damals wie heute den Beweis der Kreditvergabe und der vereinbarten Modalitäten. Für den eigentlichen Kreditvertrag genügt ein Handschlag.

Heute ist das Schuldscheindarlehen gerade im öffentlichen Sektor verbreitet, aber auch immer mehr private Unternehmen entdecken diese Finanzierungsvariante für sich.

Benötigt ein Bundesland oder ein Unternehmen Geld, sucht es einen Geldgeber, der gegen Rendite Kapital verleiht, und vereinbart mit diesem ein Darlehen. Dieses Darlehen wird zum Schuldscheindarlehen, wenn darüber ein Schuldschein oder ein anderer schriftlicher Nachweis, z.B. ein Darlehensvertrag, ausgestellt wird. Häufig enthält diese Urkunde Verpflichtungen des Schuldners über Zinsen und Rückzahlungsfälligkeit des Darlehens. Der Schuldschein dient allein als Beweismittel und ist kein Wertpapier. Bei Schuldscheindarlehen handelt es sich also um private, nicht eingetragene und nicht börsennotierte Darlehensverträge. Laufzeit und Zinsen werden individuell vereinbart. Die Laufzeit liegt dabei häufig zwischen zwei und zehn Jahren. Eine vorzeitige ordentliche Kündigung wird regelmäßig ausgeschlossen.

Insoweit unterscheidet sich das Schuldscheindarlehen kaum vom altbekannten Bankdarlehen. Die Besonderheit des Schuldscheindarlehens liegt darin, dass ein zukünftiger Darlehensnehmer initiativ liquide Investoren sucht, die dann nach zuvor festgelegten Bedingungen unmittelbar als Darlehensgeber fungieren. Häufig sind dann mehrere Investoren an einem Schuldscheindarlehen beteiligt.

Die Bank als Vermittler oder Zwischenfinanzierer
Bei der Vereinbarung und Abwicklung eines Schuldscheindarlehens agiert häufig eine Bank als Vermittler zwischen Unternehmen und Investoren, ohne selbst Kreditgeber zu sein. Beschränkt sich die Bank auf die Vermittlerrolle, handelt sie lediglich als Makler und erhält z.B. eine Vermittlungsgebühr.

Das Schuldscheindarlehen kann auch von einer Bank zwischenfinanziert werden. In diesem Fall schließt die Bank selbst einen Darlehensvertrag z.B. mit einem Unternehmen in der Absicht, die Rückzahlungsansprüche später vollständig oder in Tranchen an einen Endkreditgeber (Investor) abzutreten.

Alternative zur Finanzierung über Banken oder den Kapitalmarkt
Auf der Suche nach einem interessengerechten langfristigen Darlehen bietet das Schuldscheindarlehen eine individuelle und flexible Alternative zum klassischen Bankdarlehen oder einer Finanzierung über den Kapitalmarkt. Die Unternehmen haben als Darlehensnehmer eines Schuldscheindarlehens gegenüber den Investoren häufig mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten und können vorab eigene Parameter bestimmen, z.B. einen Festzins. Auch die Auswahl der Investoren bleibt teilweise den Unternehmen überlassen, so dass beispielsweise Wettbewerber ausgeschlossen werden können.

Ursprünglich wurden Schuldscheindarlehen von Kapitalsammelstellen wie Versicherungsunternehmen oder den Trägern der Sozialversicherung gewährt. Mittlerweile gehören jedoch auch Sparkassen und Banken zu den Investoren.

Die höchste Nachfrage nach Schuldscheindarlehen liefert die öffentliche Hand als solventer Schuldner, vor allem Bundesländer und Kommunen. Daneben greifen auch bonitätsmäßig einwandfreie Wirtschaftsunternehmen immer häufiger auf die Finanzierung über Schuldscheindarlehen zurück.

Unternehmen, die Schuldscheindarlehen ausgeschrieben und erfolgreich abgeschlossen haben, sind beispielsweise das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim (900 Mio. Euro), SAP (667 Mio. Euro), Lufthansa (600 Mio. Euro), Hochtief (300 Mio. Euro) oder das mittelständische Unternehmen HEAG Südhessische Energie (250 Mio. Euro).

Aus Sicht des Darlehensnehmers (auch Emittent genannt) können folgende Eigenschaften des Schuldscheindarlehens Vorteile darstellen:

  • Erweiterung der Finanzierungs- und Investorenbasis
  • Flexible Gestaltung von Kosten und Fälligkeit
  • Keine Publizität
  • Schnelle Kapitalbedarfsdeckung trotz Kreditklemme
  • Marketingaspekte

Für Investoren können sich folgende Vorteile ergeben:

  • Stabilität in der Bilanz (Bewertung zum Nennwert ohne Marktwertanpassung)
  • Zugang zu namhaften Unternehmen außerhalb des Kapitalmarkts
  • Kalkulierbare Renditechancen
  • Geringe Transaktionskosten
  • Möglichkeit einer Zinshöhe über der Kapitalmarktrendite

Vertrauen in die Bonität
Die ausgeschriebene Darlehenssumme wird bei solchen Investoren eingesammelt, die Vertrauen in die Bonität des Darlehensnehmers haben. Der gute Name zählt dabei mitunter mehr als klassische Ratings, z.B. weil diese gar nicht vorliegen. Weder ein standardisiertes Rating des Unternehmens noch eine Bilanzierung nach den internationalen IFRS-Regeln, noch eine Mindestdarlehensumme wird bei dieser individuellen Finanzierungsform vorausgesetzt. Für die Investoren zählen maßgeblich die individuelle Rückzahlungsprognose und ihr Vertrauen in die wirtschaftliche Zuverlässigkeit des Unternehmens.
Das wirtschaftliche Vertrauen von Investoren in ein Unternehmen erhält durch ein Schuldscheindarlehen bzw. dessen öffentliche Kommunikation eine wertvolle Außenwirkung, die für Marketingzwecke eingesetzt wird.

Schuldscheindarlehen für den Mittelstand
Die Finanzierung durch Schuldscheindarlehen ist neben börsennotierten Unternehmen auch für Kapitalbeschaffung im Mittelstand geeignet. Nicht emissionsfähige mittelständische Unternehmen können so ihre Investorenbasis erweitern, ohne sich raten zu lassen oder die Bilanzierung umzustellen.

Bisher wurde vielfach angenommen, dass vermittelnde Banken Schuldscheindarlehen erst ab einem gewissen Mindestvolumen für wirtschaftlich interessant hielten. Die Schwelle wird dabei unterschiedlich benannt, liegt jedoch in den meisten Fällen jenseits von 10 Mio. Euro. Die Finanzkrise bringt jedoch auch in diesen Markt Bewegung, so dass hohe Untergrenzen korrigiert oder Pool-Lösungen angeboten werden.

Aktuelle Entwicklung
Viele Unternehmen beklagen die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe als Folge der Finanzkrise. Das Schuldscheindarlehen stellt für Unternehmen eine Möglichkeit dar, ihre Finanzierung zu diversifizieren, und Investoren können sich für ein greifbares Renditeobjekt entscheiden. Ohne auf offizielle Zahlen dieses intransparenten Marktes zurückgreifen zu können, gehen Experten von einem Rekordjahr für Schuldscheindarlehen aus. Viele der in den letzten Jahren angebotenen Schuldscheindarlehen waren nach Angaben der Emittenten teilweise hoch überzeichnet. Die große Nachfrage nach dieser Investition bestätigt, dass der traditionelle Schuldschein sich in der Moderne etablieren konnte.


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