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28.11.19

Anleihen-Analyse: Superior Industries: Erfolg der ehemaligen Uniwheels AG reloaded?

Die Investoren der 7,50%-Anleihe von 2011 und die Aktionäre dürften die ehemalige Uniwheels AG – drittgrößter europäischer Aluminiumfelgenhersteller mit bekannten Marken wie ATS, Rial, Alutec und Anzio – in bester Erinnerung haben. Beide Investorengruppen konnten sich damals über stattliche Einstiegsrenditen freuen. Auch operativ lief es in den letzten Jahren blendend: Während sich der Umsatz von 293 Mio. Euro im Jahr 2010 auf zuletzt 607 Mio. Euro im Jahr 2018 mehr als verdoppelte, hat sich das operative Ergebnis (EBITDA) im selben Zeitraum von 28 Mio. Euro auf zuletzt 99 Mio. Euro nahezu vervierfacht. Wo steht das Unternehmen heute?

Übernahme durch den US-Marktführer Superior Industries
Im Jahr 2017 hat das US-amerikanische Unternehmen Superior Industries International, Inc. – größter Aluminiumfelgenhersteller in Nordamerika – den Aktionären der Uniwheels AG erfolgreich ein Übernahmeangebot unterbreitet. Die Übernahme wurde über Bankendarlehen, eine Anleihe sowie ein Mezzanine-Darlehen finanziert, wobei beide Einzelunternehmen zuvor schuldenfrei bzw. weitgehend schuldenfrei waren. Seitdem agiert die Gruppe als globaler Aluminiumfelgenhersteller mit diversifizierter Kundenbasis.

Neben Kostensynergien werden ab 2020 erste Umsatzsynergien erwartet
Die Übernahme der ehemaligen Uniwheels AG folgt einer klaren industriellen Logik: Neben einer geografischen Verbreiterung und Kundendiversifizierung wurden umgehend erste Kostensynergien gehoben. Strategisch noch spannender sind die im letzten Quartalsbericht genannten Umsatzsynergien. Es wurden bereits die Werke in Mexiko von ersten europäischen OEM-Kunden zertifiziert. Durch die Belieferung bereits bestehender europäischer Kunden im amerikanischen Markt ergeben sich kurz- bis mittelfristig interessante Wachstumspotenziale.

Steigender SUV-Anteil an der Fahrzeugproduktion
Weiterhin profitiert Superior Industries vom langjährigen Trend zu einem steigenden Anteil von SUVs an der Gesamtautomobilproduktion. Neben steigenden Mengen sind auch steigende Preise für immer komplexere Aluminiumfelgenbearbeitungen erzielbar. Durch diese Marktentwicklung kann sich Superior Industries teilweise eventuell rückläufigen Automobilmärkten entziehen.

Branchenrisiken wird proaktiv begegnet
Zuletzt war die Automobilbranche insbesondere wegen hoher Absatzrückgänge in China in der Presse. Absatzrückgänge führen regelmäßig auch zu erhöhten Optimierungs- und Sparanforderungen an die Automobilzulieferer. Diesen Trends begegnet das Management proaktiv, zuletzt durch die Produktionsstilllegung am Standort Fayetteville. Mit den aktuellen Produktionsclustern in Mexiko und Polen hat sich das Unternehmen weitgehend aus der Produktion in Hochlohnländern zurückgezogen.

EBITDA 2019 leicht rückläufig, hohe Cashflowstärke
Superior Industries hat im Jahr 2018 einen Umsatz von 1,5 Mrd. US-Dollar und ein EBITDA von 181 Mio. US-Dollar erzielt. Der aktuelle Management-Forecast geht davon aus, dass im Jahr 2019 ein Umsatz von 1,4 Mrd. US-Dollar und ein EBITDA von 165 bis 175 Mio. US-Dollar erzielt wird. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ein unterdurchschnittlich rückläufiges EBITDA. Der operative Cashflow im Jahr 2019 wird in einer Bandbreite von 135 bis 155 Mio. Euro erwartet (Vj. 156 Mio. Euro).

Sukzessive Entschuldung seit Übernahme
Die hohe Cashflowstärke von Superior Industries erlaubt es, gleichzeitig Zinsen zu zahlen, laufende Investitionen zu tätigen, Schulden zurückzuführen und Dividenden zu zahlen. Bereits kurz nach der Übernahme konnte die Verschuldung inkl. Minderheitenanteile (ausstehende Uniwheels-Aktionäre, die jederzeit ihre Aktien dem Unternehmen andienen dürfen) sukzessive um inzwischen über 150 Mio. USD zurückgeführt werden. Parallel sind bis ins Jahr 2024 keine wesentlichen verpflichtenden Tilgungen einzelner Finanzierungsbausteine zu leisten. Darüber hinaus verfügt Superior Industries aktuell über freie Liquidität aus eigenen Finanzmitteln und eingeräumten Finanzierungslinien von über 250 Mio. USD.

Opportunistische Anleihenrückkäufe
Die bestehende finanzielle Flexibilität erlaubte dem Unternehmen, in den letzten beiden Quartalen bereits über 10% des ausstehenden Anleihevolumens opportunistisch zu Kursen deutlich unter 100% am Markt zurückzukaufen. Wir deuten dies als starkes Signal der finanziellen Flexibilität und entsprechend – im Einklang mit den überzeugenden Fundamentaldaten – als Kaufsignal für die 6,00%-Superior Industries-Anleihe.

Dividendenstreichung ist „credit positive“
Im dritten Quartal hat Superior Industries angekündigt, die Dividendenzahlungen auf die Stammaktien bis auf Weiteres auszusetzen. Aus Sicht der Anleihegläubiger ist dieser Schritt positiv zu werten, da die jährlich verfügbare Liquidität für das Unternehmen um weitere über 10 Mio. US-Dollar steigt. Die frei werdenden Mittel können zur weiteren Entschuldung – möglicherweise durch weitere Anleihenrückkäufe – und für Investitionen in das Unternehmenswachstum eingesetzt werden.

Fazit:
Superior Industries ist eines der marktführenden Unternehmen in der Aluminiumfelgenherstellung in Nordamerika und Europa. Mit der klaren strategischen Ausrichtung auf Aluminiumfelgen ist es von den Entwicklungen um die zukünftige Antriebstechnologie entkoppelt. Gleichwohl ist die weitere Branchen- und Unternehmensentwicklung laufend zu überwachen. Aufgrund der überzeugenden Fundamentaldaten und des konsequenten Entschuldungspfades in Verbindung mit der attraktiven Rendite von 7,80% p.a. (Kurs 92,57% vom 13.11.2019) ist die 6,00%-Superior Industries-Anleihe im Rahmen unserer eigenen Analyse als Kaufkandidat eingeschätzt worden.

Foto: Norbert Schmidt, Heemann Vermögensverwaltung

Norbert Schmidt ist Portfoliomanager des monatlich ausschüttenden FU Fonds – Bonds Monthly Income (WKN HAFX9M). Der Fonds ist in der hier besprochenen 6,00%-Superior Industries-Anleihe investiert. Anleger, die an der Entwicklung dieses und weiterer attraktiven Investments in einem gestreuten Portfolio partizipieren und gleichzeitig monatliche Ausschüttungen erhalten wollen, finden weiterführende Informationen zum Fonds unter www.hauck-aufhaeuser.com und www.heemann.org.

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