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Zwischen Energiepreisschock und KI-Euphorie / von Stefanie Abelshauser, Portfoliomanagerin bei MERKUR PRIVATBANK

Stefanie Abelshauser © MERKUR PRIVATBANK

Das dritte Quartal 2026 stand im Zeichen geo­politisch getrie­bener Energie­preise und restrik­tiver Noten­banken. Die Kon­junktur blieb über­raschend robust, Aktien und Anleihen rea­gierten jedoch unter­schied­lich. Für das vierte Quartal bleiben wir konstruk­tiv, erwarten aber ein an­spruchs­volles Umfeld mit erhöhten Schwan­kungen. 

These 1: Geopolitik bleibt der Inflationstreiber
Die Eskalation im Nahen Osten und die fehlende Aussicht auf eine baldige Lösung für die Straße von Hormus haben die Inflationsrisiken in Europa und den USA neu bewertet. Brent stieg zum Quartalsende um 43,1% auf 103,53 US-Dollar je Barrel, das Quartalshoch wurde am 15. September bei 108,75 US-Dollar erreicht. Noch ausgeprägter fiel der Anstieg bei europäischem Erdgas (TTF) aus. Der Gaspreis legte um 69,1% von 42,78 Euro/MWh auf 72,36 Euro/MWh zu und erreichte am 14.  September mit 82,57 Euro/MWh seinen Höchststand im Quartal. Der starke Anstieg der Energiepreise führte zu einem erneuten Anstieg des Inflationsdrucks in der Eurozone, verstärkte die restriktive Haltung der Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantiks und belastete zugleich die Wachstumsperspektiven in Europa. Solange die Energiepreise hoch bleiben, bleibt auch der Inflationsdruck bestehen. 

These 2: Die Zentralbanken bleiben restriktiv
Fed und EZB haben im September ihre Leitzinsen erhöht und weitere Schritte nach oben angedeutet. Ein weiterer Zinsschritt im Dezember ist bereits eingepreist. Entscheidend ist, ob die hohen Renditen und Energiepreise die Wirtschaft in Europa und den USA spürbar abkühlen. Erst dann zeigt sich, ob nach Dezember weitere Zinsschritte folgen.

These 3: Konjunktur robust, aber ungleich verteilt
Die Konjunktur in den USA und Europa hat sich überraschend stabil entwickelt. Getragen wird sie vor allem von den Investitionen rund um Künstliche Intelligenz sowie von staatlichen Infrastruktur- und Verteidigungsprogrammen. Allerdings dämpfen die hohen Energiepreise die Wachstumsaussichten in Europa: Die Investitionsimpulse stützen die Konjunktur kurzfristig, Europa reagiert jedoch spürbar empfindlicher auf den Energiepreisschock.

These 4: USA vor Europa, aber Bewertungen im Blick
US-Aktien haben sich im dritten Quartal erneut besser als europäische Titel entwickelt. Der S&P 500 legte um 2,0% zu, der Nasdaq 100 um 0,4%, der DAX um 0,8%, der Euro Stoxx 50 verlor 0,9%. Der MSCI World gewann 1,6%. Die Unternehmensgewinne sind gut, die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz trägt die Märkte. Nach den kräftigen Kursanstiegen wird die Luft allerdings dünner, weshalb Anleger streng auf die Bewertungen achten sollten. Solange die Unternehmensgewinne schneller als die Realzinsen wachsen, bleiben Aktien weiterhin interessant und die bevorstehende Berichtssaison birgt erhebliches Überraschungspotenzial.

These 5: Anleihen werden attraktiver, aber anspruchsvoller
Die Anleihemärkte bekamen im dritten Quartal 2026 Gegenwind von Inflationsängsten und Sorgen um die Tragfähigkeit der steigenden Staatsschulden. Mit den deutlich steigenden Energiepreisen im Juli stiegen die Renditen zunächst vor allem in Europa an, wo die EZB schon im Juni auf einen geldpolitisch restriktiveren Kurs geschwenkt war, während die Fed noch abwartete. Dies änderte sich im September, als beide Notenbanken angesichts der starken Konjunktur und der hartnäckig hohen Inflation ihre Leitzinsen erhöhten. In der Folge kam es insbesondere bei den US-Staatsanleihen zu einem deutlichen Renditeanstieg, der zusätzlich von Sorgen um die ausufernden US-Staatsschulden befeuert wurde. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erhöhte sich im gesamten dritten Quartal um 81 Basispunkte von 4,48% auf 5,29%. In Europa zogen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen im dritten Quartal um 71 Basispunkte auf 3,59% an. Hier kam es zum Quartalsende zu einer deutlichen Spread-Ausweitung von französischen Staatsanleihen, die zwischenzeitlich mehr als 1,50% höher als Bundesanleihen rentierten – so hoch wie seit der Staatsschuldenkrise im Jahr 2011 nicht mehr. Hintergrund sind Zweifel, ob die französische Regierung angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament in der Lage sein wird, einen tragfähigen Haushalt zu verabschieden. Bundesanleihen konnten als „Safe Haven“ von diesen Sorgen profitieren. Zwar bieten Anleihen inzwischen wieder attraktive Renditen, jedoch ist der Ausblick für das vierte Quartal anspruchsvoller als für Aktien.

These 6: Gold bleibt gefragt, der US-Dollar gewinnt
Gold profitiert von der geopolitischen Unsicherheit und legte im Quartal um 3,7% auf 4.157 US-Dollar je Unze zu. Höhere Renditen und ein stärkerer US-Dollar dämpften jedoch den Anstieg. Der Euro notierte zum Quartalsende bei 1,133 US-Dollar. Geopolitische Risikoprämien stützen Gold, die Zinsdifferenz zum Euro spricht dagegen für den US-Dollar.

Über die MERKUR PRIVATBANK:
Die MERKUR PRIVATBANK KGaA mit Sitz in München ist die einzige deutsche Bank, die gleichzeitig inhabergeführt und börsennotiert ist. Mit einer Bilanzsumme von rund 4,1 Mrd. Euro und Assets under Management von rund 5,0 Mrd. Euro gehört sie zu den größten inhabergeführten Geldhäusern Deutschlands. Die MERKUR PRIVATBANK wird seit 2005 von Dr. Marcus Lingel als persönlich haftendem Gesellschafter geführt. Rund 530 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich in den Geschäftsfeldern der Vermögensanlage und der Finanzierung (für Bauträgergesellschaften, Leasinggesellschaften, den Mittelstand und Immobilieninvestoren) sowie im Rentenhandel mit hoher Sachkompetenz und fundierter Beratung für ihre Kunden ein. Unabhängigkeit, Partnerschaftlichkeit, gelebtes Unternehmertum mit Handschlagmentalität sowie ein langfristiges Denken zum Wohle des Kunden zeichnen das mittelständisch geprägte Unternehmen seit jeher aus. Die Aktien der MERKUR PRIVATBANK KGaA (ISIN: DE0008148206 Börsenkürzel: MBK) sind im Freiverkehr der Börse München im Marktsegment m:access zum Handel zugelassen. Darüber hinaus sind sie an der Frankfurter Wertpapierbörse im Marktsegment Open Market sowie an den Börsen Stuttgart und Berlin handelbar.

www.fixed-income.org 

 

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