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Fallende Ölpreise: Der nächste Aufwärtsimpuls für die Märkte?

von François Rimeu, Senior Strategist, Crédit Mutuel Asset Management

François Rimeu © Crédit Mutuel Asset Management

Der Ölpreis sank im Juni um 20,78%, nach­dem er bereits im Mai um 19,26% ge­fallen war. Dieser massive Rück­gang um 36% seit Ende April (der stärkste Rück­gang innerhalb von zwei Monaten seit Novem­ber 2008, die Corona-Krise ausge­nommen) macht den Anstieg der vergan­genen Monate voll­ständig zunichte und dürfte in den kom­menden Monaten erhebliche Folgen haben.

Die „restriktiven“ Äußerungen der Zentralbanken in den letzten Monaten dürften im Laufe des Sommers an Schärfe verlieren. Die Inflationsswaps (2y2y-Forward) haben fast wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht. Dies könnte die Fed und die EZB dazu veranlassen, ihre Inflationsprognosen bei ihren Sitzungen im September nach unten zu korrigieren. Da die Wachstumsprognosen in diesem Zeitraum insgesamt nach unten korrigiert wurden, dürfte es den Zentralbanken unserer Ansicht nach schwerfallen, die Zinsen im Herbst anzuheben.

Dies gilt für die EZB in stärkerem Maße als für die Fed, da sich die Konjunktur in den USA besser entwickelt. Die Stärke des US-Konsums verdeutlicht es gut: Der Redbook-Index verzeichnete einen Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr. Wir gehen jedoch davon aus, dass Kevin Warsh den niedrigeren Ölpreis zum Anlass nehmen dürfte, die Zinsen unverändert zu lassen. Darüber hinaus ist unsere Einschätzung der Lage hinsichtlich Kevin Warsh nach seiner ersten Pressekonferenz weniger restriktiv als die der Märkte.

Es erscheint daher wahrscheinlich, dass die Zinskurven in den Sommermonaten nach dem Auspreisen der erwarteten Zinserhöhungen wieder steiler verlaufen werden.

Auch die sinkenden Energiepreise dürften sich auf die Aktienmärkte auswirken, vor allem weil das geringere Inflationsrisiko für diese eine gute Nachricht ist. Dies könnte nicht nur eine positivere Entwicklung an den Fixed-Income-Märkten bedeuten, sondern vor allem auch weniger Druck auf die Inputpreise und die Verbraucher.

Die Rallye der letzten Monate, die hauptsächlich auf Technologie- und Halbleiterwerte entfiel, könnte sich auf andere Sektoren ausweiten. Zyklische Werte, Finanzwerte und – wie in letzter Zeit bereits zu beobachten – Technologieaktien dürften sich unserer Ansicht nach in den kommenden Wochen gut entwickeln.

Die in wenigen Tagen beginnende Berichtssaison dürfte den Märkten ebenfalls Auftrieb geben, da in den USA (wie üblich) mit Aufwärtskorrekturen der Gewinnprognosen zu rechnen ist.

Zölle – ein mögliches Thema für den Sommer

Gold und Goldaktien, die mit Kursverlusten von 24% bzw. 34% zwischen Ende Februar und Ende Juni zu den größten Verlierern der letzten Monate zählten, könnten wieder etwas an Schwung gewinnen.

Alles deutet auf einen insgesamt positiven Sommer hin – insbesondere angesichts der Tatsache, dass die aktuelle Positionierung der Anleger heute nahezu neutral ist und somit weit entfernt von der Euphorie, die an den Märkten gelegentlich zu beobachten war.

Zölle könnten jedoch für die Anleger schnell wieder zu einem Problem werden. Die US-Handelsbilanz und die Leistungsbilanz fielen erneut deutlich unter den Erwartungen aus, was für die republikanische Regierung ein Problem darstellen könnte.

Der Sommer ist zudem geprägt von verschiedenen Neuverhandlungen (USMCA, Auslaufen von Section 301 am 24.07.), die die Trump-Regierung nutzen könnte, um etwas mehr Druck auf ihre Handelspartner auszuüben. Die Steuereinnahmen aus Zöllen würden zwischen 100 und 150 Milliarden US-Dollar liegen – weniger als zu Jahresbeginn prognostiziert –, was seine Kommunikation im Vorfeld der Zwischenwahlen untergraben könnte.

www.fixed-income.org

 

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