Die morgigen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) kommentiert Claudia Fontanive-Wyss, Portfoliomanagerin bei Vontobel:
Wir erwarten, dass die EZB die Zinsen unverändert lässt und gleichzeitig an ihrem datenabhängigen Ansatz festhält. Die jüngste Umfrage zum Kreditvergabeverhalten der Banken zeigte eine weitere Verschärfung der Kreditstandards, insbesondere für anfälligere Kreditnehmer. Dies deutet darauf hin, dass die Finanzierungsbedingungen die wirtschaftliche Aktivität weiterhin belasten und damit bereits einen Teil der geldpolitischen Straffungsarbeit der EZB übernehmen.
Gleichzeitig war der jüngste Anstieg der Inflation weitgehend energiebedingt und eng mit den Entwicklungen im Nahen Osten verknüpft, während die Kerninflation weiterhin gut kontrolliert bleibt. Die Inflationserwartungen sind nach wie vor fest verankert, die Wachstumsaussichten schwächen sich weiter ab, und es gibt bislang kaum Hinweise auf Zweitrundeneffekte aufgrund höherer Energiepreise.
Vor diesem Hintergrund dürfte der EZB-Rat nur begrenzten Handlungsdruck sehen, die Geldpolitik weiter zu straffen. Gleichzeitig wird er wachsam bleiben, um mögliche breitere Inflationsfolgen genau zu beobachten.
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