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PIMCO zur Energiekrise: Vier Krisenherde erhöhen den Druck - Wenige Reserven treffen auf steigende Risiken - Energie als Wachstumsrisiko

Tiffany Wilding © PIMCO

Die Energie­märkte be­finden sich derzeit in einer äußerst fragilen Phase. Für Tiffany Wilding, Öko­nomin, und Greg Sharenow, Port­folio­manager beide bei PIMCO, wird die Preis­ent­wicklung im weiteren Jahres­verlauf – und mög­licher­weise auch darüber hinaus – maßgeblich von zwei zentralen Risiko­faktoren bestimmt: 

Der erste Faktor betrifft die Gefahr direkter Angriffe auf Energie­infrastruktur. Die jüngsten Vorfälle verdeutlichen, wie anfällig die globalen Energiemärkte für geopolitische Eskalationen sind. Neben den Spannungen im Persischen Golf erhöhen auch die zunehmenden Angriffe zwischen Russland und der Ukraine das Risiko erheblicher Versorgungsstörungen. 

Der zweite Faktor ist die Dauer der Beeinträchtigungen im Schiffsverkehr, die maßgeblich vom weiteren Verlauf der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie davon abhängt, ob eine der beiden Seiten ihre strategischen Ziele erreichen kann. Zwar hat der vergangene Waffenstillstand gezeigt, dass sich die Versorgungslage mit der Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs stabilisieren kann, die entstandenen wirtschaftlichen Schäden bleiben jedoch erheblich.

Im Folgenden wirft Wilding einen Blick auf die derzeitigen "Hot-Spots" und schlüsselt die Entwicklungen pro Region seperat auf. Des Weiteren gibt sie einen umfassenden Überblick über die weitere Entwicklung an den Energiemärkten und was weiter steigende Preise für die Weltwirtschaft und Anleger bedeuten könnten. 

Die Flexibilität des Systems ist heute deutlich geringer als zu Beginn des Jahres. Der Spielraum für Fehler ist daher äußerst begrenzt.

Der Persische Golf bleibt das Epizentrum
Ohne Schiffsverkehr beschränkt sich die Produktion praktisch auf das, was vor Ort verbraucht oder über Saudi-Arabien zum Roten Meer bzw. über die Vereinigten Arabischen Emirate in den Golf von Oman geleitet werden kann.

Die Lage bleibt dynamisch. Langfristig ist jedoch eine Normalisierung der Energieversorgung aus einer Region, auf die rund 20 % der weltweiten Ölproduktion entfallen, unerlässlich. Andernfalls wird sich die Weltwirtschaft auf anhaltende Versorgungsrisiken und deren wirtschaftliche Folgen einstellen müssen.

Von besonderer Bedeutung ist, dass viele der Öl-Puffer, die die Anfangsphase des Konflikts zwischen den USA und dem Iran abgefedert haben, inzwischen aufgebraucht sind.

Das Rote Meer als zweite Konfliktfront
Die Umleitung von täglich 4 bis 5 Millionen Barrel Rohöl durch Saudi-Arabien zum Roten Meer als Reaktion auf die zeitweisen Einschränkungen in der Straße von Hormus erwies sich als entscheidender Stabilisierungsfaktor für den globalen Ölmarkt. Umso größer sind die Risiken, die von den erneuten Angriffen der Huthi-Rebellen auf saudische Schiffe und kritische Infrastruktur im Roten Meer ausgehen.

Sollten die Beeinträchtigungen überwiegend auf saudische Schiffe in dieser Meerenge beschränkt bleiben, während andere Schiffe die Passage weiterhin nutzen können, wären die Auswirkungen voraussichtlich eher logistischer als struktureller Natur. Die Abhängigkeit Asiens von saudischen Öllieferungen über die Meerenge Bab al-Mandab ließe sich in diesem Fall durch eine Umleitung der Transporte auf alternative Routen zumindest teilweise abfedern.

Russisch-ukrainischer Konflikt erhöht den Druck auf die Märkte für Ölprodukte 
Der dritte zentrale Risikofaktor ist die zunehmende Intensität der ukrainischen Angriffe auf russische Schifffahrtsinfrastruktur, Raffinerien und zunehmend auch Exporthäfen. Die wachsende Reichweite und Wirksamkeit dieser Angriffe bis tief in russisches Staatsgebiet hinein verdeutlichen die Verwundbarkeit der Energieinfrastruktur. Mit jeder weiteren Beeinträchtigung steigen die Belastungen für die globalen Ölmärkte.

Die russischen Raffineriekapazitäten sind bereits seit Monaten beeinträchtigt. Infolgedessen ist die verarbeitete Rohölmenge nach Angaben der IEA auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gesunken.

China bleibt die große Unbekannte
Eine große Überraschung war, wie deutlich und schnell China seine Rohölimporte reduziert hat. Der weltweit größte Rohölimporteur hat seine Käufe durch eine Kombination aus schwächerer Nachfrage, Lagerabbau und geringeren Produktexporten nahezu halbiert – wobei insbesondere Letzteres die globale Knappheit bei Ölprodukten zusätzlich verschärft hat.

Bei einem unveränderten Importniveau Chinas dürfte der Aufwärtsdruck auf die Rohölpreise begrenzt bleiben. Eine Wiederaufnahme umfangreicher Käufe und der damit einhergehende Wiederaufbau von Lagerbeständen würden hingegen eine zusätzliche Nachfrage nach Rohöl erzeugen, da es andernfalls außerhalb Chinas zu Engpässen kommen könnte.

Implikationen für Weltwirtschaft und Anleger
Höhere reale Energiepreise wirken wie eine Steuer für Verbraucher von Öl und Energieprodukten, während eine erhebliche globale Störung der Ölversorgung eine Anpassung über eine schwächere Nachfrage erforderlich machen würde. Wie reibungslos dieser Anpassungsprozess verläuft, ist eine zentrale Frage für die Märkte.

Regional wären vor allem Nettoenergieimporteure von einer Abschwächung des Wachstums betroffen – darunter Europa, das Vereinigte Königreich, Japan und weite Teile Asiens. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass der durch künstliche Intelligenz getriebene Anstieg der Nachfrage nach Energie und energieintensiven Produkten wie Rechenkapazitäten, Speichern und Halbleitern die bestehenden Marktverwerfungen zusätzlich verstärken könnte.

Für Anleger kann es sinnvoll sein, Rohstoffrisiken gezielt über ein Engagement in Rohstoffindizes abzufedern. Diese können zur Diversifikation eines Portfolios beitragen und gleichzeitig das Potenzial bieten, die Renditeaussichten zu verbessern. Angesichts des aktuell attraktiven Carry bei Rohstoffindizes ist die Einstiegshürde für Anleger, eine entsprechende Allokation in Betracht zu ziehen, zudem deutlich gesunken.

www.fixed-income.org

 

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