Historisch gesehen entwickelte sich der Goldpreis tendenziell umgekehrt zu den Realzinsen: Höhere Realzinsen gingen in der Regel mit niedrigeren Goldpreisen einher, während sinkende Realzinsen den Goldpreis typischerweise stützten.
Der neue Fed-Vorsitzende scheint darauf bedacht zu sein, durch einen restriktiven Ton zu Beginn seiner Amtszeit Glaubwürdigkeit zu schaffen. Dies hat zu einem gewissen Aufwärtsdruck auf die Zinsen beigetragen, auch wenn weiterhin ungewiss ist, ob die Fed letztendlich geldpolitische Maßnahmen ergreifen wird, die so restriktiv sind, wie es ihre Kommunikation vermuten lässt. Sollte die Fed einen gemäßigteren Ton anschlagen als von den Märkten erwartet, könnte Gold zulegen. Umgekehrt könnten anhaltende Sorgen über höhere Realzinsen weiterhin einen Gegenwind darstellen.
Auch höhere Ölpreise könnten die Aussichten beeinflussen. Insofern steigende Ölpreise den Inflationsdruck verstärken und die Märkte dazu veranlassen, höhere Zinsen zu erwarten, könnten sie über den Realzinskanal indirekt auf den Goldpreis drücken.
Langfristig gesehen glauben wir jedoch, dass die strukturellen Argumente für Gold weiterhin bestehen. Gold könnte weiterhin als potenzielle Absicherung gegen Währungsentwertung und die Risiken dienen, die mit anhaltend hohen Staatsschulden und Haushaltsdefiziten verbunden sind.
Da ein nennenswerter Rückgang der Schulden und Defizite unwahrscheinlich ist und diese infolge zusätzlicher kriegsbedingter Ausgaben möglicherweise sogar steigen werden, sind wir weiterhin der Ansicht, dass Gold eine wertvolle langfristige Absicherungsfunktion erfüllen kann. Die jüngste Schwäche scheint eher mit einer kurzfristigen Phase der Besorgnis über höhere Realzinsen zusammenzuhängen als mit einer Verschlechterung der längerfristigen Anlageaussichten.
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