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Deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries bleiben unter Druck

von Marcio Costa, Senior Portfoliomanager, BANTLEON

Marcio Costa © BANTLEON

Nach dem jüngsten massiven Rendite­anstieg ist das markt­tech­nische Bild für deutsche Bundes­anleihen und US-Treasuries weiterhin moderat negativ zu werten. Der Anteil an Short-Positionen bewegt sich nach wie vor auf hohen Niveaus, während mögliche weitere Zins­an­hebungen der Noten­banken im Fokus stehen. Die relativ hohen laufenden Renditen bieten jedoch einen Puffer gegen weitere Zins­anstiege. Gleichzeitig weckt die Chart­technik Hoffnung, dass ein Großteil der Rendite­anstiege bereits vollzogen wurde. Ent­sprechend kann daher – aus technischer Sicht – nur zu einer verkürzten Duration geraten werden.

Staatsanleihen haben seit dem Ausbruch des Nahostkonflikts und dem Anstieg der Energiepreise mit anziehenden Renditen zu kämpfen. Die höheren Inflationserwartungen ließen die Breakeven-Renditen für inflationsindexierte EUR-Staatsanleihen (Linker) mit Fälligkeit im Jahr 2030 zwischenzeitlich um 0,8%-Punkte bis auf 2,4% steigen. In dieser Phase entwickelten sich Linker deutlich positiv, während nominelle Staatsanleihen Kursverluste erlitten. In Summe stiegen die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen von 2,65% Ende Februar auf 3,20%. Damit gingen zwar Kursverluste einher, gleichzeitig bietet der höhere Coupon nun aber auch einen gewissen Schutz gegen weitere Renditeanstiege. Dieser wird bereits jetzt deutlich: Trotz des Renditeanstiegs um 0,55%-Punkte im laufenden Jahr konnten 1- bis 10-jährige europäische Staatsanleihen – gemessen am ICE BofA 1-10 Year Euro Government Index – ein leicht positives Ergebnis erzielen. Künftige Renditeanstiege in ähnlicher Größenordnung wie zu Jahresbeginn würden zwar die Kurse belasten, aber wegen der hohen laufenden Rendite und des Roll-Down-Effekts über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nicht mehr zu einer negativen Wertentwicklung führen.

Anleger erwarten langfristig erhöhte Leitzinsen

Die Volatilität von Staatsanleihen hat sich, gemessen am MOVE-Index, inzwischen wieder in Richtung ihres langfristigen historischen Durchschnitts bewegt. Sie liegt zwar weiterhin über den Vor-Corona-Niveaus, was vor dem Hintergrund der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten je-doch nicht überrascht. Mittelfristig dürfte der Trend weiter abwärtsgerichtet bleiben, sodass die erhöhte Schwankungsintensität von Staatsanleihen für Anleger zunehmend an Bedeutung verliert. Ein differenziertes Bild zeigt die Positionierung in US-Treasury-Futures gemäß CFTC-Daten: Bei 2-jährigen US-Treasuries liegt der Anteil der Short-Positionen mit 72% weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Zwar ist der Anteil zuletzt etwas gesunken, die Positionierung signalisiert je-doch nach wie vor die Erwartung höherer beziehungsweise länger erhöhter Leitzinsen. Bei 10-jährigen US-Treasuries ist der Short-Anteil sogar auf 76% gestiegen – ein Niveau, das zuletzt während des kräftigen Inflationsanstiegs in den Jahren 2021/2022 erreicht wurde. Trotz dieser ausgeprägt einseitigen Positionierung ist kurzfristig nicht damit zu rechnen, dass Anleger aus ihren Short-Positionen gedrängt werden, da sich das hohe Short-Exposure bereits über mehrere Jahre verfestigt hat. Eine solche Entwicklung dürfte nur dann ausgelöst werden, wenn die Marktteil-nehmer überraschend ein deutlich höheres Rezessionsrisiko einpreisen.

Zunehmende Staatsschulden belasten Staatsanleihen

Ein weiterer Belastungsfaktor ist die zunehmende Staatsverschuldung. Mit den im Jahr 2027 an-stehenden (Parlaments-)Wahlen in Frankreich, Italien und Spanien ist es sehr wahrscheinlich, dass die konkurrierenden Parteien mit neuen Ausgabenprogrammen um die Gunst der Wähler buhlen. Dies könnte die Marktteilnehmer hinsichtlich ausufernder Budgetdefizite beunruhigen und die Risikoprämien der Staaten steigen lassen. Entsprechend ist auch von dieser Seite nicht mit einer Entspannung zu rechnen. Covered Bonds höchster Bonität könnten in dieser Marktphase eine attraktive Alternative sein. Zudem dürften Anleger bei der Investition in Staatsanleihen weiterhin vorsichtig agieren, solange die Auswirkungen des Nahostkonflikts (z.B. erneuter Ölpreisschock) nicht besser abzuschätzen sind. Nennenswerte Renditerückgänge sind mangels Visibilität daher nicht zu erwarten.

Laufender Ertrag höher als bei Dividendenaktien

Relativ zu Dividendentiteln bleiben Anleihen mit Blick auf den laufenden Ertrag interessant. Mit einer durchschnittlichen Laufzeit von vier Jahren erwirtschaften 1- bis 10-jährige Euro-Investment-Grade-Anleihen eine Rendite auf Endfälligkeit von 3,1%. Der Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst, bietet eine Dividendenrendite von lediglich 3,0%. Deutlich größer ist der Unterschied in den USA: US-Dollar denominierte 1- bis 10-jährige Investment-Grade-Anleihen erwirtschaften eine Rendite auf Endfälligkeit von 4,3%, während der »Dow Jones Select Dividend Index« nur eine Dividendenrendite von 3,8% bietet. Aus diesem Blickwinkel sind Anleihen attraktiver als Dividendenaktien.

Charttechnisches Bild neutral bis leicht positiv

Das charttechnische Bild für 10-jährige Bundesanleihen und US-Treasuries ist neutral bis leicht positiv zu beurteilen. Beide Renditebarometer sind wiederholt an technischen Widerständen abgeprallt, die seit Ausbruch des Nahostkonflikts mehrfach getestet wurden. Bei 10-jährigen Bundesan-leihen liegt die entscheidende Marke bei 3,20%, bei 10-jährigen US-Treasuries bei 4,70%. Damit bleibt das kurzfristige Aufwärtsrisiko für die Renditen dies- und jenseits des Atlantiks – aus chart-technischer Sicht – begrenzt. Am wahrscheinlichsten ist zunächst ein Rückgang innerhalb der seit Mai etablierten Seitwärtstrendkanäle. Übergeordnet bleibt der Renditetrend jedoch aufwärtsgerichtet. Sollten die genannten Widerstandsmarken nachhaltig überschritten werden, dürften die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen Kurs auf ihr zyklisches Hoch vom April 2011 bei 3,50% nehmen. Bei 10-jährigen US-Treasuries würde in diesem Fall die kritische Marke von 5,00% in den Fokus rücken, die zuletzt im Oktober 2023 getestet wurde. Für dieses Szenario bleibt jedoch ein nachhaltiger Ausbruch über die Widerstände abzuwarten. Gelingt dieser nicht, dürften sich die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen weiterhin innerhalb des Seitwärtstrendkanals bewegen und zunächst Kurs auf 3,00% sowie anschließend auf die 200-Tage-Linie bei 2,93% nehmen. Bei 10-jährigen US-Treasuries wäre ein Rückgang auf 4,50% und im weiteren Verlauf bis zur 200-Tage-Linie bei 4,32% möglich.

www.fixed-income.org 

 

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