Die US-Wähler haben das Kräfteverhältnis in Washington verändert. Die Republikaner haben ihre Mehrheit in beiden Kammern verloren, wobei im Senat bereits ein Sieg feststeht und im Repräsentantenhaus noch eine kleine Anzahl der erforderlichen Sitze aussteht.
Das Ergebnis verschafft den Demokraten die Kontrolle über den Kongress und schränkt die legislative Agenda der Regierung für den Rest ihrer Amtszeit erheblich ein.
Unsere erste Einschätzung
Das Ergebnis schränkt die Möglichkeiten der Regierung ein, ihre innenpolitische Agenda über den Kongress voranzutreiben. Eine weitere fiskalische Expansion ist nun weniger wahrscheinlich, während Ausgaben, Besteuerung und wichtige Regulierungsinitiativen einer strengeren Prüfung unterzogen werden. Die demokratische Kontrolle über beide Kammern erhöht zudem die Aussicht auf eine stärkere Aufsicht durch den Kongress und eine erneute Debatte über die Steuerpolitik.
Das bedeutet nicht, dass die politische Unsicherheit verschwindet. Angesichts geringerer Handlungsmöglichkeiten im Kongress könnte das Weiße Haus stärker auf Exekutivbefugnisse zurückgreifen, insbesondere in den Bereichen Zölle, Sanktionen, Einwanderung und Außenpolitik.
Unserer Ansicht nach stellt eine härtere Reaktion der USA gegenüber dem Iran nach den Zwischenwahlen ein erhebliches Risiko dar, das die Ölpreise und die Inflation in die Höhe treiben könnte.
Für Anleger ist die Zusammensetzung des Kongresses zwar von Bedeutung, doch die nächste Marktbewegung wird weiterhin von Wachstum, Inflation und Zinssätzen bestimmt werden.
Was dies für die Märkte bedeutet
Aktien: Ein Erdrutschsieg der Demokraten beseitigt zwar eine unmittelbare Quelle politischer Unsicherheit, schränkt aber auch die innenpolitische Agenda der Regierung stärker ein. Weniger Spielraum für fiskalische Expansion könnte das Wachstum dämpfen, während eine erneute Debatte über die Unternehmens- und Einkommensteuer für hohe Einkommensgruppen verschiedene Sektoren unterschiedlich beeinflussen könnte. In der Vergangenheit haben sich US-Aktien nach den Zwischenwahlen gut entwickelt, unter anderem weil Anleger dann mehr Klarheit über die politischen Rahmenbedingungen gewinnen. Allerdings könnten hohe Aktienbewertungen und hohe Anleiherenditen weniger Spielraum für einen Aufschwung nach der Wahl lassen, wodurch das Gewinnwachstum besonders wichtig wird.
Rentenmarkt: Eine geteilte Regierung kann US-Staatsanleihen stützen, indem sie eine weitere fiskalische Expansion einschränkt. Doch neue Ausgaben zu blockieren ist nicht dasselbe wie das bestehende Defizit zu reduzieren. Anhaltende Defizite und umfangreiche Emissionen von US-Staatsanleihen könnten daher den Rückgang der langfristigen Renditen begrenzen, selbst wenn der Kongress die Regierung stärker in Schach hält. Inflation und die Politik der Fed dürften für Anleihen eine größere Rolle spielen als das Wahlergebnis, während ein erneuter Anstieg der Energiepreise die Aussichten erschweren könnte.
US-Dollar und die Märkte insgesamt: Was den US-Dollar betrifft, dürfte die unmittelbare Reaktion eher Erleichterung und die Positionierung der Anleger widerspiegeln als eine dauerhafte Richtungsänderung. Auf lange Sicht dürften das relative Wachstum und die Geldpolitik der Fed weiterhin eine größere Rolle spielen. Da der Kongress die innenpolitische Agenda einschränkt, könnte eine stärkere Nutzung der Exekutivbefugnisse in Bezug auf Zölle und Sanktionen zudem unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Sektoren, Währungen und Regionen haben.
Worauf wir achten werden
Der erste Test wird sein, ob das Ergebnis zu geordneten Verhandlungen oder zu wiederkehrenden Auseinandersetzungen über die Ausgaben und die Schuldenobergrenze führt. Wir werden auch beobachten, ob sich die Aussicht auf eine geringere fiskalische Expansion auf die Renditen von US-Staatsanleihen auswirkt, auch wenn die ersten Anzeichen dafür wahrscheinlich noch unklar sein werden: Die vierteljährliche Refinanzierung durch das Finanzministerium im Laufe des heutigen Tages und der am Freitag erscheinende Arbeitsmarktbericht werden die Anleihemärkte in dieser Woche ebenfalls beeinflussen. Darüber hinaus werden wir beobachten, ob die Regierung verstärkt auf Zölle, Sanktionen oder andere exekutive Maßnahmen setzt und wie die Unternehmensgewinne auf das Wachstum und die finanziellen Rahmenbedingungen reagieren.
Die Wahl liefert ein klareres Bild von der Lage in Washington. Sie allein entscheidet jedoch nicht über die Aussichten für die Märkte.
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