YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Die Intervention des US-Finanzministeriums dürfte kaum dauerhafte Unterstützung bieten

US-Regierung spürt den Druck steigender Zinsen / von Eoin Walsh, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management

Eoin Walsh © TwentyFour Asset Management

Das US-Finanz­minis­terium über­raschte die Märkte gestern Nach­­mittag mit der Ankündigung, seine Rück­kauf­prog­ramme auszu­weiten. Diese sollen vom 9. Sep­tember bis zum 4. Novem­ber auf „mindes­tens das Doppelte“ auf vier Mrd. US-Dollar erhöht werden. Die Käufe werden sich auf den Lauf­zeiten­bereich zwischen 10 und 30 Jahren konzen­trieren. Langlaufende US-Staats­anleihen reagierten deutlich positiv auf die Nachricht: Die Rendite der 30-jährigen Anleihe schloss bei 5,19% und sank damit um 9 Basispunkte (Bp), während die Rendite der 10-jährigen Anleihe auf 4,65% fiel, was einem Rückgang von 6 Bp gegenüber dem Tageshöchststand entspricht. Die Bewegung beschränkte sich natürlich nicht nur auf die Treasury-Kurve. Auch Aktien erhielten Auftrieb, Gold legte um 4% zu, während der US-Dollar-Index unter Druck geriet und um nahezu 1% nachgab.

Rally war nicht überraschend, aber was sind die Gründe für die Intervention?

Obwohl die Rally angesichts des unerwarteten Charakters der Ankündigung kaum überraschte, richtete sich die Aufmerksamkeit rasch auf die Frage, weshalb das Finanzministerium überhaupt eingegriffen hatte und ob dies langfristige Auswirkungen haben könnte. Finanzminister Scott Bessent erwirbt sich zunehmend den Ruf, aktiv in Märkte einzugreifen, nachdem er noch vor wenigen Wochen versucht hatte, den japanischen Yen zu stabilisieren. Während die offizielle Begründung für die gestrige Maßnahme in der Verbesserung der Marktliquidität lag (bemerkenswerterweise ein Thema, das bei der regulären vierteljährlichen Ankündigung vor nur zwei Wochen noch nicht als notwendig angesehen wurde), deutet dieser inländische Eingriff eher auf den Versuch hin, die Marktteilnehmer zu beruhigen, nachdem sich die Renditen von US-Staatsanleihen kontinuierlich ihren Höchstständen der vergangenen 20 Jahre angenähert hatten.

Der Zeitpunkt der Maßnahme legt nahe, dass die Trump-Regierung den Druck steigender Zinsen zunehmend spürt, möglicherweise auch mit Blick auf die bevorstehenden Zwischenwahlen. Möglicherweise liegt der Schritt auch daran, dass keine anderen wirksamen Optionen zur Verfügung stehen: Präsident Trump verschärft seinen Kurs der „Zerschlagung wirtschaftlicher Aktivitäten“ des Iran, während die ebenfalls gestern Abend veröffentlichten Protokolle des Federal Open Market Committee (FOMC) zeigten, dass viele Teilnehmer weitere Zinserhöhungen für notwendig halten, falls die Inflation nicht zurückgeht. Es ist nicht leicht zu erkennen, welches letztendliche Ziel die US-Regierung verfolgt.

Renditen dürften im Bereich von 4% bleiben

Obwohl die Maßnahme den Optimisten am Treasury-Markt etwas Erleichterung verschaffte, sind wir weiterhin der Ansicht, dass die Faktoren, die die Renditen von hier aus deutlich nach unten treiben könnten, begrenzt sind. Der „einfachste“ Weg zu einer erneuten Einpreisung von Zinssenkungen wäre vermutlich ein längerfristiger Waffenstillstand zwischen den USA und Iran, der die Wiederöffnung der Straße von Hormus ermöglichen und damit den Weg für nachhaltig niedrigere Energiepreise ebnen würde. Doch selbst wenn ein Waffenstillstand wahrscheinlich eine Rally auslösen würde, dürften die Renditen wohl im mittleren 4%-Bereich verbleiben, bis eindeutige Anzeichen dafür vorliegen, dass sich die Inflation wieder auf einem klaren Abwärtspfad befindet und die US-Notenbank (Fed) Zinssenkungen in Betracht ziehen kann.

Ohne disinflationären Schock bleibt der Druck zu höheren Renditen bestehen

Damit sich eine umfassendere Rally etabliert, müssten die Märkte wahrscheinlich mit schwächerem Wirtschaftswachstum oder niedrigeren Haushaltsdefiziten rechnen. Beides erscheint derzeit wenig wahrscheinlich. Das BIP-Wachstum bleibt robust, und für das zweite Quartal wurden starke Unternehmensgewinne berichtet. Gleichzeitig verharren die staatlichen Ausgaben in den USA auf hohem Niveau; die US-Staatsverschuldung überschritt Anfang dieser Woche die Marke von 40 Billionen US-Dollar. Darüber hinaus dürften die derzeit sehr hohen Kreditaufnahmen und Investitionen der Hyperscaler kurzfristig eher inflationäre Effekte haben, selbst wenn die von ihnen unterstützte Technologie der Künstlichen Intelligenz (KI) langfristig deflationär wirken könnte. Angesichts des enormen Emissionsvolumens treten Hyperscaler derzeit sogar als Konkurrenz zu US-Staatsanleihen auf. Ohne einen disinflationären wirtschaftlichen Schock dürfte der Druck hin zu höheren Renditen und steileren Zinskurven unserer Einschätzung nach bestehen bleiben.

Signal an die Märkte, dass US-Regierung bereit ist, einzugreifen

Auch wenn wir bezweifeln, dass dieser Schritt allein die Renditen nachhaltig senken kann, zumal die Rendite der 10-jährigen Anleihe inzwischen nur noch 4 Basispunkte unter dem gestrigen Höchststand liegt, sendet die Intervention ein starkes Signal an die Märkte, dass das US-Finanzministerium bereit ist einzugreifen, wenn die Renditen ein unangenehm hohes Niveau erreichen. Zusammen mit dem Umstand, dass sowohl nominale als auch reale Renditen in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen sind, könnte dies zumindest kurzfristig dazu beitragen, eine Obergrenze für weitere Renditeanstiege zu schaffen. Zudem bedarf es derzeit eines mutigen Investors, um US-Staatsanleihen auf diesem Niveau direkt leerzuverkaufen. Sollte das Finanzministerium jedoch auf deutlich niedrigere Renditen und damit auch auf spürbar niedrigere Hypothekenzinsen gehofft haben, dürfte es enttäuscht werden.

www.fixed-income.org

 

Investment

von Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, DWS

Ausgehend von aktuellen Markt­ein­schätz­ungen er­scheint eine Zinser­höhung bei der Sitzung des Offen­markt­aus­schusses (FOMC) der Federal Reserve…
Weiterlesen
Investment

von François Rimeu, Chief Strategist, Crédit Mutuel Asset Management

Der Sep­tember war in der Ver­gangen­heit stets einer der schwie­rigsten Monate für die Aktien­märkte. Welche Faktoren könnten unter den derzeitigen…
Weiterlesen
Investment
Die BENO Holding möchte weiter wachsen und sieht im der­zeitigen Markt­umfeld deutliches Potenzial. Dem Unter­nehmen werden derzeit viele Objekte…
Weiterlesen
Investment

„Versteckte” Schulden verschlechtern die Kreditqualität großer Technologiekonzerne um bis zu zwei Ratingstufen

Der weltweite KI-Boom wird zu­nehmend durch Schulden und lang­fristige Ver­pflichtungen finanziert. Eine neue Studie des welt­weit führenden…
Weiterlesen
Investment
Die Europä­ische Zentral­bank setzt ihren geld­politischen Kurs fort und hebt den Leitzins heute um weitere 0,25 Prozent­punkte an. Welche Signale von…
Weiterlesen
Investment

Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie Deutschland, Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, kommentiert das Ergebnis der…

Die heutige Zins­erhöhung der EZB war nie das eigent­liche Haupt­ereignis. Die größere Frage lautet vielmehr: Wohin steuert die EZB von hier aus?Die…
Weiterlesen
Investment
Die gestie­genen Real­zinsen erschweren den USA zuneh­mend die Refinan­zierung ihrer Schulden. Jörg Held, Head of Port­folio Manage­ment bei ETHENEA…
Weiterlesen
Investment

von David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton

Wir gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen am Donners­tag um 25 Basis­punkte auf 2,50% anheben wird, doch könnte dies die letzte Zins­erhöhung in…
Weiterlesen
Investment

Ingvild Borgen, Portfoliomanagerin Global Tactical Asset Allocation-Team bei DNB AM, analysiert die Entwicklung der US-Staatsanleihenzinsen

Wir gehen davon aus, dass die Zinsen für US-Staats­anleihen mit langer Lauf­zeit in letzter Zeit aufgrund einer Kombi­nation mehrerer Faktoren…
Weiterlesen
Investment

von Jan Felix Gloeckner, Senior Investment Specialist, Insight Investment

Die EZB dürfte in dieser Woche die Zinsen anheben. Der jüngste Anstieg der Öl­preise spricht dabei zusätz­lich für eine weitere Straffung der…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!