YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Ausblick auf die US-Notenbanksitzung im September - schwere Entscheidungen

von Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, DWS

Christian Scherrmann © DWS

Ausgehend von aktuellen Markt­ein­schätz­ungen er­scheint eine Zinser­höhung bei der Sitzung des Offen­markt­aus­schusses (FOMC) der Federal Reserve (Fed) im Sep­tember sehr wahr­schein­lich. Seit der voran­ge­gan­genen FOMC-Sitzung zeigen die Arbeits­markt­daten eine Erholung der Ein­stellungen bei Voll­beschäf­tigung, ohne dass sich ein zuneh­mender Lohn­druck ab­zeichnet. Dies schließt Abwärts­risiken für den Arbeits­markt im Wesent­lichen aus. Unterdessen schwankt die Inflation etwas oberhalb dessen, was noch als akzeptabel angesehen werden könnte. Aus einer falkenhaften Perspektive mag es ausreichende Gründe für eine Zinserhöhung geben. Diese Argumentation begann wahrscheinlich mit der falkenhaften Rede des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh in Jackson Hole. Darin warnte er, dass die Zentralbank noch mehr zu tun habe, sofern sich die zugrundeliegende Inflation nicht deutlich und schnell genug in Richtung des Ziels bewege. Gouverneur Christopher Waller präzisierte diesen Gedanken später und erklärte, die Fed könne abwarten, falls sich die Inflation verbessere, oder die Zinsen anheben, falls sie hoch bleibe. Wir stimmen dem zu, da auch unser Mantra lautet: die Inflation muss jeden Monat sinken, damit die Fed die Zinsen unverändert lässt. Doch hier beginnen die eigentlichen Probleme.

Die Kerninflation sank im August im Jahresvergleich von 2,5 Prozent auf 2,4 Prozent. Die monatliche Veränderung fiel mit 0,3 Prozent jedoch höher aus als erwartet. Dieser Wert liegt leicht über dem angestrebten Wert von 0,2 Prozent, welcher impliziert, dass sich die Inflation mittelfristig dem Ziel von zwei Prozent annähern könnte. Die Enttäuschung im August ist hauptsächlich auf Preisanpassungen bei Mobilfunkdiensten zurückzuführen. Zwar können monatliche Veränderungen bei Preisanpassungen volatil sein, doch sie führen selten zu einem breiteren Trend. Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor sind die Energiepreise. Insbesondere das Risiko von Zweitrundeneffekten. Angesichts des derzeit moderaten Lohnwachstums ist es jedoch schwer vorstellbar, dass Unternehmen den gesamten Energiepreisdruck aggressiv weitergeben. Die Hochrechnung des Kern-Konsumdeflators, der nach der Sitzung veröffentlicht wird, deutet angesichts der bisherigen Daten weiterhin auf einen moderaten Anstieg von rund 0,2 Prozent im Monatsvergleich hin.

Da volkswirtschaftliche Daten das Problem diesmal wahrscheinlich nicht allein lösen werden, versuchen wir es aus einer anderen Perspektive. Welche Auswirkungen hätte eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte? Dieser entschlossene Schritt würde sich wahrscheinlich positiv auf die Glaubwürdigkeit und das Management der Inflationserwartungen auswirken. Unter dem neuen Grundsatz, auf jegliche Aussagen über zukünftige Schritte zu verzichten, wird dies jedoch kompliziert. Ohne ausreichenden Kontext könnten die Märkte eine Zinserhöhung falsch interpretieren und annehmen, dass die Zentralbanker besorgter sind, als sie angedeutet haben. Dies könnte dazu führen, dass Anleger einen länger andauernden Straffungszyklus erwarten – eine Tendenz, die sich möglicherweise bereits in Teilen des Zinsmarkts abzeichnet. Aktuell rechnen die Märkte bereits mit 3,5 Zinserhöhungen in den kommenden zwölf Monaten. Andererseits könnte eine Beibehaltung der Zinsen im September – entsprechend der Auffassung des Fed-Vorsitzenden Warsh, wonach die Märkte einen Teil der Arbeit für die Fed übernehmen – als Ignorieren der Inflationsrisiken ausgelegt werden. Dies könnte die Renditen weiter in die Höhe treiben, da die Märkte ihre Inflationserwartungen nach oben anpassen könnten – etwas, vor dem Warsh gewarnt hat. Schließlich würde eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte weder die Probleme auf den globalen Energiemärkten noch bei den Zollverhandlungen lösen. Sie würde die Opportunitätskosten für Neueinstellungen, Konsum und Investitionen erhöhen. Diese sind derzeit zwar in Ordnung, aber abgesehen von künstlicher Intelligenz boomen sie sicherlich nicht. Ein Mittelweg wäre ein falkenhaftes Festhalten am aktuellen Zinsniveau oder eine taubenhafte Zinserhöhung. Beide Optionen würden jedoch eine präzise Kommunikation erfordern, um erfolgreich zu sein. Dies wäre für einen Fed-Vorsitzenden, der sich ungern in die Karten schauen lässt, sicherlich riskant.

Insgesamt wären wir nicht überrascht, wenn die Fed bei ihrer kommenden Sitzung die Zinsen anhebt. Wir sehen jedoch auch ein Szenario, in dem sie dies nicht tut. Zugegebenermaßen ist die Messlatte dafür hoch und es würde sicherlich zu mehr Abweichlern führen als bei der Sitzung im Juli. Unabhängig davon bleibt die Frage: Wie sehen die mittelfristigen Pläne aus? Angesichts der Tatsache, dass die meisten Inflationsprobleme auf externe Schocks zurückzuführen sind, fällt es schwer, sich einen ausgeprägten Zinserhöhungszyklus vorzustellen. Dieser zielt nämlich hauptsächlich auf die Binnennachfrage ab. Ebenso ist es schwer vorstellbar, dass der Fed-Vorsitzende Warsh die Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen deutlich dämpfen wird, da dies einer „Forward Guidance“ gefährlich nahekäme.

www.fixed-income.org 


 

Investment

von François Rimeu, Chief Strategist, Crédit Mutuel Asset Management

Der Sep­tember war in der Ver­gangen­heit stets einer der schwie­rigsten Monate für die Aktien­märkte. Welche Faktoren könnten unter den derzeitigen…
Weiterlesen
Investment
Die BENO Holding möchte weiter wachsen und sieht im der­zeitigen Markt­umfeld deutliches Potenzial. Dem Unter­nehmen werden derzeit viele Objekte…
Weiterlesen
Investment

„Versteckte” Schulden verschlechtern die Kreditqualität großer Technologiekonzerne um bis zu zwei Ratingstufen

Der weltweite KI-Boom wird zu­nehmend durch Schulden und lang­fristige Ver­pflichtungen finanziert. Eine neue Studie des welt­weit führenden…
Weiterlesen
Investment
Die Europä­ische Zentral­bank setzt ihren geld­politischen Kurs fort und hebt den Leitzins heute um weitere 0,25 Prozent­punkte an. Welche Signale von…
Weiterlesen
Investment

Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie Deutschland, Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, kommentiert das Ergebnis der…

Die heutige Zins­erhöhung der EZB war nie das eigent­liche Haupt­ereignis. Die größere Frage lautet vielmehr: Wohin steuert die EZB von hier aus?Die…
Weiterlesen
Investment
Die gestie­genen Real­zinsen erschweren den USA zuneh­mend die Refinan­zierung ihrer Schulden. Jörg Held, Head of Port­folio Manage­ment bei ETHENEA…
Weiterlesen
Investment

von David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton

Wir gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen am Donners­tag um 25 Basis­punkte auf 2,50% anheben wird, doch könnte dies die letzte Zins­erhöhung in…
Weiterlesen
Investment

Ingvild Borgen, Portfoliomanagerin Global Tactical Asset Allocation-Team bei DNB AM, analysiert die Entwicklung der US-Staatsanleihenzinsen

Wir gehen davon aus, dass die Zinsen für US-Staats­anleihen mit langer Lauf­zeit in letzter Zeit aufgrund einer Kombi­nation mehrerer Faktoren…
Weiterlesen
Investment

von Jan Felix Gloeckner, Senior Investment Specialist, Insight Investment

Die EZB dürfte in dieser Woche die Zinsen anheben. Der jüngste Anstieg der Öl­preise spricht dabei zusätz­lich für eine weitere Straffung der…
Weiterlesen
Investment
Der Anstieg der Zinsen bei 30-jährigen US-Staats­anleihen zeigt nach Ein­schätzung von Kay Tönnes, Gründer von Antecedo Asset Manag­ement, dass sich…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!