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USA benötigt bis 2046 mehr als 740 Mrd. USD für Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur

von Bertrand Lecourt, Senior Fondsmanager bei J O Hambro

Bertrand Lecourt © J O Hambro

Nach Hitze und Trocken­heit wird in vielen Teilen Europas wieder über Wasser gespro­chen, eine Ressource, die lange als selbst­ver­ständ­lich galt. Dabei ist Wasser­knapp­heit längst kein Rand­phänomen mehr. Im EU-Durch­schnitt sind jedes Jahr rund 30 Prozent der Fläche und ein Drittel der Bevöl­kerung min­destens zeit­weise davon betroffen. Sinkende Fluss­pegel und Ein­schrän­kungen bei der Wasser­nutzung haben auch in diesem Sommer gezeigt, wie schnell daraus wirt­schaft­liche Folgen ent­stehen können.

Besonders sichtbar wird das in der Energieversorgung. Das ungarische Kernkraftwerk Paks musste seine Produktion zeitweise deutlich reduzieren, im rumänischen Kernkraftwerk Cernavoda kam es ebenfalls zu Einschränkungen. Wenn Wasser für die Kühlung fehlt, kann aus einem natürlichen Engpass ein wirtschaftliches Problem werden.

Die EU reagiert inzwischen auf den steigenden Druck. Ihre Wasserresilienzstrategie sieht unter anderem vor, die Wassereffizienz bis 2030 um zehn Prozent zu verbessern, Leckagen zu reduzieren und die Infrastruktur mithilfe öffentlicher und privater Investitionen zu modernisieren. Damit rückt Wasser auch aus Investorensicht stärker in den Fokus.

Voraussetzung für eine langfristige Investmentthese ist, dass Hitzewellen und Trockenperioden als strukturelle Herausforderung für Wirtschaft und Infrastruktur verstanden werden. Kraftwerke benötigen Wasser zur Kühlung, Industrieunternehmen für ihre Produktion und Halbleiterhersteller in besonders hoher Qualität. Zugleich verschärfen Bevölkerungswachstum, Landwirtschaft und Industrie den Wettbewerb um die Ressource, während Dürren und geschädigte Ökosysteme die Versorgung zusätzlich belasten.

Mehr Wert aus jedem Liter
Mit zunehmendem Wasserstress gewinnt die Frage an Bedeutung, wie effizient die vorhandenen Ressourcen genutzt werden. Versorger müssen Verluste reduzieren, Industrieunternehmen Wasser stärker im Kreislauf führen und zusätzliche Quellen erschließen. Das erhöht die Nachfrage nach Aufbereitung, Messtechnik und intelligenteren Steuerungssystemen.

Wie weit dieser Wandel gehen kann, zeigt Brasilien. Der Wasserversorger SABESP treibt ein 21 Milliarden brasilianische Real umfassendes Programm am Tietê voran. Die Abwasserbehandlung entlang des Flusses soll von rund 20 auf 99 Prozent steigen. Damit soll der Tietê perspektivisch zu einer strategischen lokalen Wasserquelle werden.

Aufbereitung und Wiederverwendung können zusätzliche Ressourcen erschließen und die Abhängigkeit von bestehenden Quellen verringern. Gleichzeitig stärkt SABESP seine Versorgungssicherheit durch die Übernahme eines Betreibers von Wasserkraft- und Hydrauliksystemen.

Milliarden fließen in die Infrastruktur
Der Investitionsbedarf in der Wasserwirtschaft ist erheblich. Allein in den USA werden in den kommenden zwei Jahrzehnten mehr als 740 Milliarden US-Dollar für Trinkwasser- und Abwasserinfrastruktur benötigt. Alternde Netze, strengere regulatorische Anforderungen und zunehmende physische Klimarisiken erhöhen den Druck auf Versorger, ihre Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen.

Auch in Großbritannien sorgen strengere Vorgaben nach Verschmutzungsereignissen und Abwassereinleitungen für zusätzliche Investitionen in Netzresilienz und Umweltstandards. Bei Severn Trent etwa hat die Berücksichtigung von Klimarisiken in der strategischen Planung zugenommen, während sich Kanalüberflutungen und durchschnittliche Abwassereinleitungen seit 2020 verschlechtert haben.

Die Anforderungen unterscheiden sich von Markt zu Markt. Während Großbritannien über einen national einheitlicheren Regulierungsrahmen verfügt, ist die Regulierung in den USA auf Ebene der Bundesstaaten organisiert. American Water Works, der größte börsennotierte Wasserversorger des Landes, bewegt sich dadurch in 14 unterschiedlichen Regulierungsregimen. Brasilien befindet sich wiederum in einem strukturellen Wandel. SABESP wurde 2024 privatisiert und soll unter anderem die Wasser- und Abwasserversorgung in bislang unterversorgten Regionen ausbauen.

Für Versorger wird immer wichtiger, ob heutige Investitionen auch unter künftigen klimatischen Bedingungen funktionieren. Dürren, Überschwemmungen und Veränderungen von Ökosystemen können die Wasserverfügbarkeit ebenso beeinflussen wie die wachsende Nachfrage. Klimarisiken werden damit zunehmend zu einer Frage langfristiger Kapitalplanung.

Technologie als zweite Säule
Das Investmentthema reicht über klassische Wasserversorger hinaus. Besonders deutlich wird das in der Halbleiterindustrie, die für ihre Produktion große Mengen hochreinen Wassers benötigt. Für die Herstellung eines einzigen Mikrochips können bis zu 30 Liter ultrareines Wasser erforderlich sein.

Davon profitieren spezialisierte Anbieter wie Kurita Water Industries und Organo, die Systeme zur Herstellung und Aufbereitung von ultrareinem Wasser anbieten. Xylem wiederum entwickelt Lösungen für Wasseraufbereitung und Wassermanagement. Damit erweitert sich das Anlageuniversum über Versorger und Infrastrukturbetreiber hinaus.

Mit steigenden Anforderungen an Wasserqualität, Effizienz und Wiederverwendung wächst die Bedeutung dieser Technologien. Gerade für Branchen mit hohen Anforderungen an die Reinheit des Wassers wird eine zuverlässige Aufbereitung zu einem wichtigen Bestandteil der Produktionsinfrastruktur.

Vom Versorgungsproblem zum Anlagethema
Wasserknappheit, alternde Infrastruktur und steigende Anforderungen an die Versorgungssicherheit erzeugen einen langfristigen Investitionsbedarf. Gefragt sind leistungsfähigere Netze, bessere Aufbereitung, mehr Wiederverwendung und Systeme, die auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zuverlässig funktionieren.

Für Anleger kommt es darauf an, welche Unternehmen diese Investitionen effizient umsetzen und über die Technologie und Marktposition verfügen, um daraus langfristiges Wachstum zu generieren. Das 21 Milliarden Real umfassende Programm von SABESP zeigt die Größenordnung möglicher Infrastrukturprojekte, während Unternehmen wie Kurita für den wachsenden Bedarf an spezialisierten Aufbereitungslösungen stehen.

Wasser könnte damit im kommenden Jahrzehnt zu einem der großen strukturellen Anlagethemen werden. Je knapper und wirtschaftlich wertvoller die Ressource wird, desto größer dürfte der Bedarf an Unternehmen sein, die ihre Verfügbarkeit sichern, ihre Qualität verbessern und eine effizientere Nutzung ermöglichen.

www.fixed-income.org 

 

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