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Martkommentar Vontobel: In Frankreich dürfte die Welle des Populismus verebben

von Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege

In Frankreich dürfte die durch die USA und Großbritannien gerollte Welle des Populismus verebben. Marine Le Pen, die Vorsitzende der Rechts-Außen-Partei, wird es höchst-wahrscheinlich in die Stichwahl der französischen Präsidentschaftswahlen schaffen, dort jedoch im Mai einem moderateren Kandidaten schließlich unterliegen. Dennoch: Die Präferenzen der Wähler sind nicht vorhersehbar, wie Anleger im vergangenen Jahr feststellen mussten. Diese Erkenntnis wirkt an den Finanzmärkten noch immer nach.

Die Entscheidung der britischen Wähler für ein Ausscheiden des Landes aus der Europäischen Union und die Wahl Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten waren im vergangenen Jahr zweifellos wegweisende Ereignisse. Die Überraschung war perfekt – weder Meinungsumfragen noch Experten-prognosen ließen auf die Ergebnisse schließen. Insofern ist es natürlich, dass die Medien im Allgemeinen und die Anleger im Besonderen der radikalen Politikerin Marine Le Pen in den bevorstehenden französischen Präsidentschaftswahlen ernsthafte Siegeschancen einräumen. Sie verspricht ein Referendum über den Verbleib Frankreichs in der EU und die Aufgabe des Euro. Verständlicherweise sind die Anleger angesichts der möglichen Machtübernahme des «Front National» besorgt.

Extreme Parteien profitieren von Wirtschaftsmisere
Die europäische Gegenwart scheint auf eine andere Entwicklung hinzudeuten. Das schlechte Abschneiden der «Partei für die Freiheit» in den jüngsten niederländischen Wahlen könnte signalisieren, dass der Populismus etwas an Zugkraft verloren hat. Es ist jedoch müßig, aufgrund der Ereignisse in den Niederlanden den Wahlausgang in Frankreich vorherzusagen. Einwanderungsfragen rangieren in beiden Ländern weit oben. Doch während in den Niederlanden nahezu Voll-beschäftigung herrscht, befindet sich die französische Wirtschaft mit einer endemischen zweistelligen Arbeitslosenrate in einer bedauernswerten Verfassung. Der wirtschaftliche Verfall Frankreichs bewirkt, dass die Wähler nach extrem links und rechts abwandern. Bemerkenswert ist, wie ähnlich das Wirtschaftsprogramm des Front National und der französischen Links-Außen-Parteien in Bezug auf Protektionismus und Verstaatlichungen ist.

Alles in allem: Ein Sieg von Le Pen scheint wegen des französischen Wahlsystems äußerst unwahrscheinlich zu sein. Obwohl sie den ersten Wahldurchgang am 23. April überstehen dürfte, zeichnet sich in der zweiten Runde ihre Nieder-lage entweder gegen Emmanuel Macron («En Marche!») oder François Fillon («Les Républicains») ab. Diese dürfte darüber hinaus ziemlich deutlich ausfallen. Doch selbst wenn sie Präsidentin werden sollte, stehen die Chancen für ihre Partei, bei den Parlamentswahlen eine Mehrheit zu erringen, bei nahezu null. Dass es zu einem Referendum kommen könnte, ist nur schwer vorstellbar, selbst in einem aggressiven Szenario.

Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass sich Anlagen, die von den Marktteilnehmern aus Angst vor einer weiteren politischen Überraschung gemieden wurden, erholen soll-ten. Dazu gehören vor allem auf Euro lautende Vermögens-werte, während sogenannte sichere Häfen wie deutsche Staatsanleihen oder der US-Dollar unter Verkaufsdruck kommen könnten.

Trump-Regierung scheitert mit ihren Plänen
Die Marktteilnehmer stellen die Fähigkeit der neuen US-Regierung, das Programm von Trump umzusetzen, zunehmend infrage. Nachdem der frischgewählte Präsident mit der Abschaffung des Krankenversicherungsgesetzes Affordable Care Act, auch als «Obamacare» bekannt, im US-Kongress gescheitert ist, hat seine Glaubwürdigkeit arg gelitten. Wird er mit seinen ehrgeizigen Plänen zur Steuerreform, Deregulierung und Ausbau der Infrastruktur ebenfalls scheitern? Ohne der Entwicklung vorgreifen zu wollen, können wir annehmen, dass die Anleger ihre Erwartungen diesbezüglich zurückschrauben werden. Die jüngste Richtungslosig-keit der Aktien-, Zins- und Devisenmärkte erstaunt daher nicht.

Gleichzeitig hat die US-Notenbank klar gemacht, dass sie plant, die Zinsen behutsam zu erhöhen. Sie dämpft damit die
Befürchtungen, dass der starke Arbeitsmarkt und die nahe beim Zielwert von 2 Prozent notierende Kerninflationsrate zu einer aggressiveren Geldpolitik führen könnten. Zentral ist, dass die US-Notenbank die geplanten Maßnahmen der Trump-Regierung zur Belebung der Wirtschaft vorderhand nicht berücksichtigt. Die Währungshüter werden dies erst tun, wenn diese Initiativen die bestehenden Hürden genommen haben. Dies erscheint nach dem Scheitern des Trump-Lagers bei der Krankenversicherungsreform auch sinnvoll.

Änderungen bei Aktien, Anleihen und Währungen
Wir halten generell an unserer neutralen Aktienquote fest. Die globale Wachstumsdynamik und die Gewinnrevisionen, also das Verhältnis zwischen der Anzahl von Aufwärts- und Abwärtskorrekturen der Analysten, sprechen zwar weiterhin für Aktien. Zugleich begrenzen die hohen Bewertungen und die Zweifel an der Umsetzung von Trumps Initiativen jedoch das Aufwärtspotenzial. Wir haben innerhalb der Aktienallo-kation die Eurozone auf eine «Übergewichtung» hochgestuft, weil die Anleger die Wahrscheinlichkeit eines Sieges Le Pens unseres Erachtens als zu hoch einstufen.

Solange die US-Notenbank an nur behutsamen Zinserhöhungen festhält und den freihandelsfeindlichen Äußerungen in den USA keine konkreten Taten folgen, dürfte der Dollar gegenüber dem Euro Mühe bekunden. Die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone deuten zudem auf ein kräftiges Wirtschaftswachstum in nächster Zeit hin, was den Euro stützt. Aus diesem Grund und wegen der offenbar einstweilen sehr ausgewogen Auf- und Abwärtsrisiken haben wir die verbliebene «Übergewichtung» im US-Dollar reduziert.

Neben dem Ausbau der Aktienposition in der Eurozone haben wir auch das Engagement in Lokal- und Hartwährungsanleihen aus den «Emerging Markets» aufgestockt. Deren Umlaufrenditen sind im Vergleich mit anderen festverzinslichen Anlagen attraktiv. Zudem ist das Risiko eines übermäßig starken US-Dollar oder von schädlichen Einfuhrbeschränkungen der USA (oder beidem) gesunken, was den Vermögenswerten aus den Schwellenländern insgesamt zugutekommt.

http://www.fixed-income.org/ 
 (Foto: Christophe Bernard © Vontobel)

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