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Was der Iran-Schock für Emerging Markets verändert

von Dr. Johannes Feist, CEO von MK Global Kapital

Dr. Johannes Feist © MK Global Kapital

Die erste Wirkung des Iran-Schocks zeigt sich bei Ölpreis, Wechsel­kursen und Kapital­flüssen. Weniger beachtet wird, wie steigende Import­kosten, restriktivere Finan­zierungs­bedingungen und ein möglicher Rückgang von Rück­über­weisungen die Real­wirtschaft zeitversetzt belasten.

Die Eskalation in und um Iran hat die Rahmen­bedingungen für viele Emerging Markets binnen weniger Wochen spürbar verändert. Nach einer kurzen Beruhigung am 18. März hat sich die Lage erneut verschärft. Am Morgen des 19. März notierte Brent zuletzt bei gut 112 US-Dollar je Barrel. Zwar hat die Wiederaufnahme irakischer Exporte über Ceyhan den Markt etwas entlastet. Gleichzeitig bleibt die Lage rund um den Persischen Golf und die Straße von Hormus angespannt. Über diesen Korridor läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Handels mit Öl und Gas. Für viele Schwellenländer ist das kein abstraktes Marktgeschehen, sondern ein unmittelbarer Kosten- und Unsicherheitsf

Wie rasch sich ein Ölpreisschock auf die makroökonomische Lage auswirken kann, zeigte Anfang März auch eine von Reuters zitierte Einschätzung der niederländischen Bank ING. Demnach kann ein Anstieg des Ölpreises um 10 Prozent die Leistungsbilanz von Emerging Markets um 40 bis 60 Basispunkte verschlechtern. Zugleich schränkt der jüngste Energieschub den geldpolitischen Spielraum vieler Schwellenländer bereits spürbar ein. Reuters berichtete am 11. März, dass nur noch 6 von 15 großen Emerging-Market-Notenbanken in den kommenden Monaten auf Zinssenkungen zusteuern, nach 10 vor Beginn des Konflikts. Der Ölpreisschock wird damit nicht nur zu einem Inflationsthema, sondern zunehmend auch zu einem Problem für Finanzierung und Refinanzierung.

Wie der Schock in der Realwirtschaft ankommt
Doch der Ölpreis ist nur der sichtbarste Teil. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, kurz EBRD, beschreibt mehrere Wege, auf denen die Folgen in der Realwirtschaft ankommen. Energie und Düngemittel verteuern sich, Lieferketten geraten unter Druck, und ausbleibende Reisen belasten den Tourismus in Ländern wie Ägypten, Jordanien und der Golfregion. Zugleich könnten Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten aus den Golfstaaten zurückgehen. In manchen Ländern werden Investitionen zurückgestellt, während sich die Finanzierung von Unternehmen und Projekten verteuert.

Für kleine und mittlere Unternehmen macht sich das zuerst bei Energie, Transport und Importen bemerkbar. Wenn Schifffahrtswege unsicherer werden, steigen nicht nur die Rohstoffpreise. Auch Fracht und Versicherung verteuern sich. Reuters berichtete Anfang März, dass die Kriegsrisikoprämien in der Schiffsversicherung binnen kurzer Zeit stark gestiegen sind, in Einzelfällen von rund 0,25 auf bis zu 3 Prozent des Schiffswerts. Für einzelne Fahrten kann das Zusatzkosten in Millionenhöhe bedeuten. Hinzu kommen längere Wege, höhere Lagerkosten und ein größerer Bedarf an Vorfinanzierung. Gerade Unternehmen mit niedrigen Margen und geringen finanziellen Puffern geraten dadurch früh unter Druck.

Ein zweiter Kanal sind Rücküberweisungen aus dem Ausland. In mehreren Ländern stützen sie Konsum, Investitionen und oft auch die kurzfristige Liquidität von Familien und kleinen Betrieben. Die EBRD weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Zahlungen nachlassen könnten. Das betrifft vor allem Länder, in denen viele Arbeitsmigranten in den Golfstaaten beschäftigt sind. Die Bank nennt hier insbesondere Ägypten und Jordanien. Dort kann ein Rückgang solcher Rücküberweisungen Nachfrage und wirtschaftliche Aktivität rasch dämpfen.

Ein dritter Kanal ist der Zugang zu Kapital. Nach Angaben des Institute of International Finance fielen die Nettozuflüsse in Emerging-Market-Portfolios im Februar auf 21,7 Milliarden US-Dollar, nach 100,5 Milliarden im Januar. Zugleich wurden in der Woche bis zum 11. März erstmals seit Anfang Januar wieder Mittel aus globalen EM-Anleihefonds abgezogen, insgesamt 1,1 Milliarden US-Dollar. Das spricht nicht für einen pauschalen Rückzug aus Emerging Markets. Es zeigt aber, dass Investoren deutlich stärker zwischen einzelnen Märkten und Risikoprofilen unterscheiden. Wo zugleich Importkosten steigen und Rücküberweisungen nachlassen könnten, verteuern sich Unternehmensfinanzierung und Kapitalzugang oft spürbar.

Wo die Belastung bereits sichtbar wird
Dass sich diese Entwicklung nicht auf einzelne Nischenmärkte beschränkt, zeigt sich auch in Asien. Reuters verwies auf die besondere Verwundbarkeit ölimportabhängiger Volkswirtschaften wie Thailand, Vietnam, Taiwan und der Philippinen. Indien ist dafür ein besonders aufschlussreiches Beispiel. Das Land importiert mehr als 80 Prozent seines Energiebedarfs. Die Rupie fiel am 18. März auf ein Rekordtief von 92,63 je US-Dollar; am Morgen des 19. März deutete der NDF-Markt bereits auf weiteren Abwertungsdruck über die Marke von 93 je US-Dollar hin. Seit Beginn des Konflikts zogen ausländische Portfolioinvestoren zudem rund 8 Milliarden US-Dollar aus indischen Aktien ab. Der Fall zeigt, wie eng Ölpreis, Wechselkurs und Kapitalflüsse in einem solchen Umfeld zusammenwirken.

Warum die Auswirkungen so unterschiedlich ausfallen
Auch Zentralasien verdient in diesem Zusammenhang einen genaueren Blick. Die EBRD rechnet für die Region 2026 trotz höherer Energiepreise, unsicherer Handelswege und teurerer Finanzierung weiter mit 5,6 Prozent Wachstum, nach geschätzten 6,9 Prozent im Jahr 2025. Das spricht nicht für eine einheitlich fragile Region, sondern für sehr unterschiedliche Ausgangslagen. In Tadschikistan bleiben Rücküberweisungen ein zentraler Faktor. Die EBRD erwartet dort für 2026 ein langsameres Wachstum dieser Zuflüsse und sieht darin einen wichtigen Belastungsfaktor. In Kasachstan liegen die Risiken stärker bei Rohstoffpreisen und bei der Abhängigkeit von zentralen Exportkorridoren für Öl. Reuters berichtete Ende Februar, dass Störungen im System des Caspian Pipeline Consortium die Ausfuhr belasten. Über diesen Korridor werden rund 80 Prozent der kasachischen Ölexporte transportiert. 

Für die Einordnung der Lage ist deshalb weniger wichtig, ob Emerging Markets insgesamt unter Druck geraten. Wichtiger ist, wo hohe Energieimportabhängigkeit, eine große Bedeutung von Rücküberweisungen für Nachfrage und Liquidität sowie restriktivere Finanzierungsbedingungen zusammenkommen. Dort kann aus einem geopolitischen Schock rasch eine spürbare Belastung für Margen, Liquidität und Investitionen werden. Wo diese Verwundbarkeiten schwächer ausgeprägt sind und Unternehmen über größeren Anpassungsspielraum verfügen, bleiben die wirtschaftlichen Folgen in der Regel beherrschbarer.

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