Die KI-fokussierte Beteiligungsholding POB AG (vormals Performance One AG) begibt eine Wandelschuldverschreibung im Volumen von bis zu 1,25 Mio. Euro. Für Aktionäre gibt es ein Bezugsangebot, das bis zum 19. Juni 2026 läuft. Zudem gibt es ein öffentliches Angebot und eine Privatplatzierung, wo gegebenenfalls nicht im Rahmen des Bezugsangebots gezeichnete Schuldverschreibungen angeboten werden. Die Wandelschuldverschreibung 2026/2031 bietet Investoren eine jährliche Verzinsung von 10,00% p.a. bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Der Wandlungspreis wurde auf 2,50 Euro je Aktie festgelegt.
Denis Lademann, Mitglied des Vorstands, und Clemens Wohlmuth, CFO, betonen, dass die Beteiligungen aus ihrer Sicht einen Wert haben, der deutlich oberhalb des aktuellen Börsenwertes der POB AG liegt. Das größte Wachstumspotenzial sieht man derzeit im Bereich E-Health.
BOND MAGAZINE: Weshalb haben Sie sich für die Emission einer Wandelanleihe entschieden?
Denis Lademann: Die Wandelanleihe verbindet aus unserer Sicht die Interessen des Unternehmens und der Investoren in der aktuellen Phase optimal. Für uns bedeutet sie die Möglichkeit, die Finanzierungsstruktur der Holding weiter zu stärken und gleichzeitig gezielt in die Weiterentwicklung unserer Beteiligungen in den Bereichen E-Health, Digital Services und KI-Anwendungen zu investieren. Für Investoren steht im ersten Schritt die attraktive laufende Verzinsung von 10,00% p.a. im Vordergrund. Hinzu kommt die Möglichkeit, über das Wandlungsrecht an einer zukünftigen Wertsteigerung der POB AG zu partizipieren. Die Mittelverwendung ist klar definiert: Rund 60% des Emissionserlöses dienen der Optimierung der Finanzierungsstruktur und der Stärkung unserer finanziellen Flexibilität. Rund 40% fließen direkt in operative Wachstumsprojekte unserer Beteiligungen. Die Wandelanleihe unterstützt den nächsten Entwicklungsschritt einer bereits neu aufgestellten Beteiligungsholding mit einer profitablen operativen Basis im Bereich Digital Services.
BOND MAGAZINE: Wie sind die Eckdaten der Anleihe?
Clemens Wohlmuth: Die Wandelanleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren und ist mit 10,00% p.a. verzinst. Die Zinsen werden halbjährlich ausgezahlt. Das Emissionsvolumen beträgt maximal 1,25 Mio. Euro. Wir haben das Volumen eng auf unseren tatsächlichen Finanzierungsbedarf abgestimmt. Es geht uns nicht darum, möglichst viel Kapital aufzunehmen, sondern die Finanzierung zielgerichtet und effizient auszurichten. Der Wandlungspreis liegt bei 2,50 Euro je Aktie und damit deutlich über dem aktuellen Börsenkurs. Investoren erhalten somit zunächst die Charakteristik eines festverzinslichen Wertpapiers und zusätzlich die Chance auf eine Beteiligung an einer möglichen Neubewertung der Gesellschaft. Wenn Investoren wollen, können sie zu definierten Wandlungsfenstern einmal im Quartal die Anleihe dann wandeln. Darüber hinaus planen wir ein Listing der Wandelanleihe im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse, um Investoren eine Handelbarkeit ihrer Anleihe zu ermöglichen. Mit einem öffentlichen Zeichnungsangebot an neue Investoren über unsere Webseite, dem Bezugsrecht für bestehende Aktionäre und der Zusammenarbeit mit BankM bei einer Privatplatzierung schaffen wir gleichzeitig eine faire und transparente Platzierungsstruktur.
Aus unserer Sicht bietet die Anleihe damit ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis: attraktive laufende Verzinsung, bedarfsgerechtes begrenztes Emissionsvolumen, dessen Zins gut aus den laufenden Cashflows bedient werden kann, klare Mittelverwendung und zusätzliche Equity-Option.
BOND MAGAZINE: In welchen Bereichen ist die POB AG tätig?
Lademann: Die POB AG ist heute eine technologieorientierte Beteiligungsholding mit Fokus auf drei attraktive Zukunftsmärkte: E-Health, Digital Services und Künstliche Intelligenz. Unsere Beteiligungen befinden sich bewusst in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Die Performance One GmbH hat mit ihrem profitablen Digital-Services-Geschäft und einem Umsatz von rund 10 Mio. Euro ein starkes operatives Fundament. Die E-Health Evolutions GmbH befindet sich in einer spannenden Wachstumsphase mit ihrer Mental-Health-Plattform „health & harmony hub“. Die BrainNova GmbH entwickelt KI-Lösungen und KI-Co-Produkte mit langfristigem Skalierungspotenzial.
Allen Beteiligungen gemeinsam ist ein klarer Bezug zu Daten, Digitalisierung und KI. Dadurch entstehen Synergien. Gleichzeitig profitieren wir von einer breiten Diversifikation über verschiedene Märkte und Reifegrade hinweg. Besonders wichtig ist dabei: Alle drei Beteiligungen wurden aus eigener Kraft aufgebaut. Wir kennen die Geschäftsmodelle daher bis ins Detail und können ihre Entwicklung aktiv steuern. Gleichzeitig bleiben wir offen für strategische Partnerschaften oder selektive Akquisitionen.
BOND MAGAZINE: Welches Potenzial sehen Sie in den einzelnen Segmenten?
Lademann: Jedes unserer Segmente verfügt über eigene Werttreiber. Das größte Wachstumspotenzial sehen wir derzeit im Bereich E-Health. Der Markt für digitale mentale Gesundheit wächst weltweit dynamisch und wird allein in Deutschland bereits auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage von Unternehmen, Krankenkassen und Gesundheitsplattformen nach evidenzbasierten und erstattungsfähigen Lösungen. Mit unserer Plattform „health & harmony hub“ verfügen wir über eine wissenschaftlich fundierte Lösung, die bereits klare Markterfolge vorweisen kann. Besonders interessant sind die bestehenden Kooperationen mit Krankenkassen, B2B-Kunden und Gesundheitsplattformen. Hinzu kommt die ZPP-Zertifizierung, die den Zugang zum attraktiven Erstattungsmarkt eröffnet.
Im Bereich Digital Services profitieren wir von einem etablierten, profitablen Geschäft mit langjährigen Kundenbeziehungen und einem hohen Anteil wiederkehrender Umsätze. Der zusätzliche Hebel liegt hier in der zunehmenden Integration von KI-Lösungen, die sowohl die Profitabilität als auch die Skalierbarkeit weiter erhöhen können.
Im Bereich KI-Anwendungen sehen wir langfristig die größten Wertsteigerungsmöglichkeiten. BrainNova verfügt bereits über einen erfolgreichen Projekt-Track-Record und entwickelt zunehmend eigene KI-Produkte und KI-Agenten. Aus solchen Lösungen können perspektivisch eigenständige Geschäftsmodelle mit erheblichem Skalierungspotenzial entstehen.
BOND MAGAZINE: Sie kommen aus einer Restrukturierung. Welche Maßnahmen wurden ergriffen?
Lademann: Wir sprechen bewusst lieber von einer Neupositionierung als von einer Restrukturierung. Schließlich waren die Veränderungen und Maßnahmen kein Ergebnis wirtschaftlicher Schwierigkeiten, sondern eine strategische Entscheidung. Unser Ziel war es, die Unternehmensgruppe transparenter, einfacher und kapitalmarktfähiger aufzustellen. Deshalb haben wir die operative Struktur klar von den Holdingfunktionen getrennt und die einzelnen Beteiligungen eigenständig positioniert. Heute verfügt jede Beteiligung über eine klare strategische Rolle innerhalb der Gruppe und kann eigenständig bewertet, finanziert oder perspektivisch auch veräußert werden. Für Investoren erhöht sich dadurch die Transparenz erheblich. Gleichzeitig haben wir die Holding schlank aufgestellt und unsere Kapitalmarktkosten im Qualitätssegment m:access der Börse München optimiert. Dadurch können wir uns auf das konzentrieren, was für Aktionäre langfristig entscheidend ist: die Entwicklung und Wertsteigerung unserer Beteiligungen.
BOND MAGAZINE: Wie können Sie Mehrwert für die Investoren schaffen? Sind Exits möglich?
Lademann: Exits sind ein strategischer Bestandteil unseres Geschäftsmodells, allerdings betrachten wir sie nicht als Voraussetzung für den Erfolg der Wandelanleihe. Der erste Mehrwert für Investoren entsteht bereits durch die attraktive laufende Verzinsung. Hinzu kommt die Möglichkeit, an der Entwicklung einer Beteiligungsholding zu partizipieren, deren Beteiligungen aus unserer Sicht aktuell nicht vollständig im Börsenwert reflektiert werden.
Gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich daran, den Wert unserer Beteiligungen weiter zu steigern. Dazu gehören operative Verbesserungen, profitables Wachstum, mögliche Finanzierungsrunden sowie perspektivisch auch strategische Partnerschaften oder Verkäufe einzelner Beteiligungen. Besonders wichtig ist uns dabei, dass die POB AG heute deutlich transparenter und strukturierter aufgestellt ist als noch vor einem Jahr. Dadurch werden Werttreiber für den Kapitalmarkt besser sichtbar und potenzielle Transaktionen überhaupt erst ermöglicht.
BOND MAGAZINE: Wie hoch dürfte der derzeitige Marktwert der Beteiligungen sein?
Wohlmuth: Für die einzelnen Beteiligungen existieren belastbare Bewertungsindikationen aus Markttransaktionen und Finanzierungsrunden. Im Bereich Digital Services sehen wir auf Basis vergleichbarer Transaktionen Bewertungsmultiples von etwa dem Sechs- bis Achtfachen des EBITDA. Daraus ergibt sich für unsere 100%-Beteiligung eine Größenordnung von rund 4 bis 6 Mio. Euro.
Die E-Health Evolutions GmbH wurde in mehreren Finanzierungsrunden mit über 10 Mio. Euro bewertet. Zusätzlich verfügen wir neben unserem direkten Anteil von 49% im Falle eines Exits über weitere wirtschaftliche Anteile am Kaufpreis von rund 20%.
Bei BrainNova steht aktuell weniger die Bewertung als vielmehr die operative Entwicklung im Vordergrund. Das Unternehmen befindet sich noch in einer frühen Phase, verfügt aber über interessante Projekte, erste Produkte und ein vielversprechendes Netzwerk. Deshalb sehen wir hier vor allem erhebliches zukünftiges Wertsteigerungspotenzial. In Summe ergibt sich aus unserer Sicht ein Beteiligungswert, der deutlich oberhalb der aktuellen Börsenkapitalisierung der POB AG liegt.
BOND MAGAZINE: Sie haben einen Börsenwert von weniger als 3 Mio. Euro. Wie wollen Sie den Börsenwert mittelfristig auf ein sinnvolles Niveau heben?
Lademann: Es ist unser Anspruch, den Börsenwert im ersten Schritt auf die aus unserer Sicht Untergrenze der aggregierten Beteiligungswerte und zugleich den Wandlungspreis unserer Wandelschuldverschreibung zu heben. Unser Fokus liegt aber nicht auf kurzfristigen Kursbewegungen, sondern auf nachhaltiger Wertschaffung. Wir verfügen heute über eine Beteiligungsstruktur, die aus einem profitablen Digital-Services-Geschäft, einem wachstumsstarken E-Health-Unternehmen und einem vielversprechenden KI-Geschäft besteht. Gleichzeitig haben wir die Holding in den vergangenen zwölf Monaten deutlich vereinfacht und transparenter gemacht. Der Kapitalmarkt honoriert solche Veränderungen oft zeitverzögert. Deshalb konzentrieren wir uns auf operative Fortschritte, die Schaffung von Transparenz und die Weiterentwicklung unserer Beteiligungen.
Besonders wichtig ist dabei, dass wir über die Performance One GmbH bereits heute über ein etabliertes und profitables Geschäft verfügen. Dieses operative Fundament reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Zukunftsprojekten und schafft Stabilität innerhalb der Gruppe. Sobald es uns gelingt, die nächsten Meilensteine bei E- Health und KI zu erreichen und gleichzeitig die Profitabilität unserer Digital Services weiter zu steigern, sollte sich dies mittelfristig auch in einer angemesseneren Bewertung der POB AG widerspiegeln.
Das Interview führte Christian Schiffmacher.
Eckdaten der POB-Wandelanleihe
| Emittentin | POB AG |
| Kupon | 10,00% p.a. |
| Zinszahlung | halbjährlich |
| Zeichnungsfrist | 05.06.-24.06.2026 |
| Valuta | 29.06.2026 |
| Laufzeit | 29.06.2031 (5 Jahre) |
| Emissionsvolumen | bis zu 1,25 Mio. Euro |
| Nennwert | 100 Euro |
| WKN / ISIN | A46ZZB / DE000A46ZZB0 |
| Wandlungspreis | 2,50 Euro |
| Wandlungsverhältnis | 1:40, quartalsweise wandelbar |
| Listing | Börse Frankfurt, Freiverkehr |
| Internet | www.pob.ag |
