Die Everyield AG platziert eine 6-jährige Anleihe im Volumen von bis zu 30 Mio. Euro und einem Kupon von 9,00% p.a. Die Mittel aus der Anleiheemission werden zum Ankauf von Biomassekraftwerken genutzt. Anschließend wird ein erster Energy Campus errichtet.
Das Geschäftsmodell wird um die thermische Behandlung und Verwertung von Klärschlamm, die Pelletierung, die Phosphorrückgewinnung, die Produktion von Düngemitteln sowie die Vermarktung von Strom und Wärme erweitert. Die verbleibende Klärschlammasche wird als Sekundärrohstoff in der Zementindustrie genutzt.
Die Gesellschaft profitiert von europäischen Vorgaben zur Klärschlammverwertung und Phosphorrückgewinnung. Durch die Kombination von Entsorgungs-, Energie- und Rohstofferlösen entsteht ein skalierbares Geschäftsmodell mit mehreren Ertragsquellen. Mario Mildner, CEO, und Christoph Kaltenbacher, CFO, sehen daher europaweit erhebliches Marktpotenzial.
BOND MAGAZINE: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?
Mario Mildner: Im Rahmen der Wachstumsstrategie wurde die Übernahme einer bestehenden Biomasseanlage mit Standorten in Neumarkt und St. Lambrecht (Steiermark) mit Stichtag 30. September 2026 verbindlich vereinbart. Die Anlage ist seit mehr als 25 Jahren erfolgreich in Betrieb und wurde zuletzt im Jahr 2023 umfassend modernisiert und technisch erneuert.
An den Standorten werden derzeit Holzpellets produziert sowie CO₂-freier Strom durch Photovoltaik und Holzvergasung erzeugt. Die bestehende Pelletproduktion soll in den kommenden Jahren von derzeit rund 20.000 Tonnen auf bis zu 60.000 Tonnen pro Jahr ausgebaut werden. Darüber hinaus bietet das Areal mit rund 5 Hektar verfügbaren Erweiterungsflächen erhebliches Entwicklungspotenzial für die Errichtung künftiger Energy Campusse.
Ein wesentlicher Standortvorteil ist die direkte Bahnanbindung, die eine effiziente Rohstoffversorgung sowie den nachhaltigen Abtransport der Produkte ermöglicht. Die Anlage bildet damit die ideale Grundlage für den ersten Everyield Energy Campus und die Umsetzung weiterer Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Biomasseverwertung.
Mit dem Erwerb der Biomasseanlage schaffen wir die Grundlage für den Ausbau unserer Pelletproduktion und die Entwicklung innovativer Energy Campusse. Die Kombination aus bestehender Infrastruktur, modernisierter Anlagentechnik, eigener erneuerbarer Stromerzeugung und umfangreichen Erweiterungsflächen bietet außergewöhnliches Wachstumspotenzial.
BOND MAGAZINE: Was ist ein Energy Campus?
Mildner: Der Everyield Energy Campus ist ein integriertes Energie- und Rohstoffzentrum. Dort werden biogene Reststoffe und Klärschlamm thermisch verwertet, Energie erzeugt und wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Phosphorrückgewinnung aus den entstehenden Aschen. Dadurch verbinden wir Entsorgung, Energieerzeugung und Rohstoffgewinnung in einem Standortkonzept.
BOND MAGAZINE: Klärschlamm stelle ich mir feucht vor. Wie wollen Sie den verbrennen?
Mildner: Der Klärschlamm wird selbstverständlich vorbehandelt. Die Trocknung und Aufbereitung erfolgen in geschlossenen Systemen. Dadurch werden Geruchsemissionen weitgehend vermieden. Nach der Trocknung wird das Material pelletiert und anschließend thermisch verwertet. Die dabei entstehenden Aschen bilden die Grundlage für die Phosphorrückgewinnung.
BOND MAGAZINE: Die Pellets verbrennen Sie selbst?
Mildner: Ja, wir werden die Pellets zunächst überwiegend selbst verwerten. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Produkte kontinuierlich weiterzuentwickeln, um künftig zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten zu schaffen.
BOND MAGAZINE: Womit erzielen Sie Umsätze?
Mildner: Bei der thermischen Verwertung entsteht Wärme. Diese können wir am Standort selbst nutzen und damit bisher notwendige Energiezukäufe reduzieren. Zusätzlich erzeugen wir Strom und erschließen damit weitere Erlösquellen.
Christoph Kaltenbacher: Unser Geschäftsmodell basiert auf mehreren Erlösströmen. Wir erhalten Entgelte für die Annahme und Behandlung von Klärschlamm, sogenannte Gate Fees erzielen Erlöse aus der Vermarktung von Strom und Wärme sowie aus der Rückgewinnung und Vermarktung von Phosphorprodukten. Darüber hinaus können verbleibende mineralische Reststoffe industriell weiterverwertet werden.
BOND MAGAZINE: Sie kaufen also zunächst die Biomasseanlagen und errichten anschließend den Campus?
Mildner: Das ist richtig. Mit dem Erwerb der Anlagen erzielen wir unmittelbar operative Umsätze. Die Inbetriebnahme des ersten Energy Campus planen wir derzeit für Ende 2028.
BOND MAGAZINE: Haben Sie schon Verträge mit Betreibern von Kläranlagen und Kunden für Wärme und Strom?
Mildner: Wir führen bereits Gespräche mit zahlreichen Kommunen und Abwasserverbänden. Der regulatorische Handlungsdruck steigt kontinuierlich, da die Anforderungen an die Klärschlammverwertung und Phosphorrückgewinnung zunehmen. Für viele Kommunen stellt dies eine erhebliche technische und wirtschaftliche Herausforderung dar. Entsprechend hoch ist der Bedarf an leistungsfähigen Verwertungslösungen.
BOND MAGAZINE: Phosphor wird zur Herstellung von Dünger benötigt?
Mildner: Das ist richtig. Durch die Rückgewinnung entsteht Phosphorgranulat, das als Ausgangsstoff für verschiedene Anwendungen im Düngemittelbereich genutzt werden kann. Wir planen die Behandlung von rund 40.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr und die Gewinnung von mehreren hundert Tonnen Phosphorgranulat.
BOND MAGAZINE: Wie ist die Idee für Ihr Geschäftsmodell entstanden?
Mildner: Die Idee entstand aus der Verbindung mehrerer langfristiger Entwicklungen: steigende Anforderungen an die Klärschlammverwertung, die verpflichtende Phosphorrückgewinnung und der Bedarf an dezentralen Energie- und Rohstofflösungen. Unser Ziel war es, diese Wertschöpfungsstufen in einem integrierten Campus-Modell zusammenzuführen.
BOND MAGAZINE: Die regulatorischen Vorgaben betreffen viele Kommunen in Europa. Wie skalierbar ist Ihr Geschäftsmodell?
Mildner: Der europäische Markt bietet erhebliches Potenzial. Allein aufgrund der regulatorischen Anforderungen bei Klärschlammbehandlung und Phosphorrückgewinnung sehen wir langfristig Bedarf für mehrere hundert bis etwa 1.000 Anlagen vergleichbarer Größenordnung in Europa. Wir setzen dabei auf bewährte Technologiepartner und etablierte Anlagenkonzepte. Unsere Stärke liegt in der Projektentwicklung, Finanzierung und Umsetzung gemeinsam mit Kommunen und Industriepartnern.
BOND MAGAZINE: Wenn das so attraktiv ist, gibt es sicher Wettbewerb?
Kaltenbacher: Ja, selbstverständlich gibt es Wettbewerb. Gleichzeitig sehen wir eine erhebliche Infrastrukturlücke. Der Bedarf entsteht nicht durch konjunkturelle Entwicklungen, sondern durch regulatorische Vorgaben. Das schafft langfristig stabile Nachfrage und Sicherheit bei Planung und Umsetzung.
BOND MAGAZINE: Wer sind die Eigentümer?
Mildner: Die Everyield AG verfügt über einen klaren Ankeraktionär. Darüber hinaus wurde die Eigenkapitalbasis zuletzt durch Kapitalmaßnahmen des Gesellschafters gestärkt. Projektgesellschaften und operative Assets werden schrittweise in die Gruppenstruktur eingebracht und dienen zugleich als Sicherheiten für die Finanzierung.
BOND MAGAZINE: Wie sind die Eckdaten der Anleihe?
Kaltenbacher: Wir wollen die Anleihe mit einem Volumen von bis zu 30 Mio. Euro platzieren. Zusätzlich verfügt die Gesellschaft über eine gestärkte Eigenkapitalbasis, die den Aufbau der ersten Projekte unterstützt. Die Verzinsung beträgt 9,00 % p.a. bei einer Laufzeit von sechs Jahren.
BOND MAGAZINE: Die Anleihe ist besichert?
Mildner: Ja. Die Projektgesellschaften mit den jeweiligen Anlagen werden zugunsten der Anleihegläubiger verpfändet.
BOND MAGAZINE: Wie wollen Sie die Anleihe am Laufzeitende zurückzahlen?
Kaltenbacher: Wir verfügen über mehrere voneinander unabhängige Erlösströme – aus Entsorgungsentgelten, Strom- und Wärmevermarktung sowie aus der Verwertung zurückgewonnener Rohstoffe. Nach unserer Planung soll die Rückführung der Anleihe aus den laufenden operativen Cashflows erfolgen.
BOND MAGAZINE: Der Markt hat großes Potenzial und Sie wollen weiter wachsen. Dafür brauchen Sie Kapital.
Kaltenbacher: Das ist richtig. Es handelt sich um ein kapitalintensives Infrastrukturgeschäft. Gleichzeitig profitieren wir von langfristigen Markttrends und regulatorischen Rahmenbedingungen.
Mildner: Darüber hinaus bestehen attraktive Fördermöglichkeiten. In Österreich können Förderquoten von bis zu rund 65% erreicht werden. Auch in Deutschland und anderen europäischen Märkten bestehen entsprechende Programme. Gleichzeitig ist Phosphor ein strategisch wichtiger Rohstoff, dessen Verfügbarkeit für Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org
Eckdaten der EverYield-Anleihe
| Emittentin | EverYield AG, Wien |
| Format | Senior secured |
| Kupon | 9,00% p.a. |
| Zinszahlung | halbjährlich |
| Zeichnungsfrist | 01.06.-26.06.2026 (Börse Stuttgart), 01.06.2026-28.05.2027 (EverYield-Website) |
| Valuta | 01.07.2026 |
| Laufzeit | bis 30.06.2032 |
| Volumen | bis zu 30 Mio. Euro |
| ISIN / WKN | DE000A4EVPH1 / A4EVPH |
| Listing | Freiverkehr, Börse Stuttgart |
| Internet / Wertpapierprospekt | www.everyield.at |
