Die EZB hat mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte die Erwartungen bestätigt und den Hauptrefinanzierungssatz auf 2,25% angehoben. Die Finanzmärkte preisen für dieses Jahr weiterhin etwas mehr als zwei zusätzliche Zinsschritte der EZB ein. Jetzt stellen sich alle die Frage, ob der nächste Zinsschritt seitens der Währungshüter bereits nach der Sommerpause erfolgen könnte. Selbst im Falle einer geopolitischen Einigung zwischen den USA und dem Iran dürfte der Inflationsdruck kaum rasch nachlassen – insbesondere, da die Öl- und Gaspreise angesichts strukturell niedriger Lagerbestände weiter nach oben tendieren könnten.
Die EZB steckt also nach wie vor in der Zwickmühle: Einerseits bedrohen hohe Energiekosten die europäische Industrie und Konsumnachfrage – wofür Deutschland und Italien besonders anfällig sind. Andererseits hängen ihr die Versäumnisse der Post-Pandemie-Ära nach, als die Zinsen zu lange zu niedrig blieben.
Letztlich ist Glaubwürdigkeit inzwischen der zentrale Faktor für den geldpolitischen Ausblick. Die Verankerung der Inflationserwartungen und die Bekräftigung des Bekenntnisses zur Preisstabilität dürften die EZB kurzfristig auf einem restriktiven Kurs halten, auch wenn sich die konjunkturellen Risiken im Euroraum weiter verschärfen.
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