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Mehr Ertrag, weniger Zinsrisiko: Der Vorteil kurzer Kreditlaufzeiten

von April LaRusse, Head of Investment Specialists, Insight Investment

www.fixed-income.org

Für Anleger, die weiter­hin einen Teil ihres Ver­mögens in liquiden Mitteln halten, bietet das aktuelle Umfeld für fest­ver­zins­liche Wert­papiere unserer Ansicht nach eine über­zeu­gende Gelegen­heit, Erträge zu steigern, ohne dabei ein erheb­liches Zins­risiko einzu­gehen. Die Leitzinsen in den Industrie­ländern befinden sich weiterhin auf einem Niveau, das wir als attraktiv erachten. Gleichzeitig tragen Bedenken hinsicht­lich der Staats­verschuldung zu einer höheren Volatilität bei Anleihen mit längeren Laufzeiten bei, was die Attraktivität von Strategien verstärkt, die Erträge generieren können, ohne auf ein Durationsrisiko angewiesen zu sein.

In den letzten Monaten haben höhere Energiepreise und Schäden an der Energieinfrastruktur im Nahen Osten die Aufwärtsrisiken für die Inflation erhöht, was dazu geführt hat, dass die Märkte die Möglichkeit weiterer geldpolitischer Straffungen in den USA, Großbritannien und im Euroraum einpreisen. Vor diesem Hintergrund könnte eine Umschichtung von Barmitteln in kurzlaufende Anleihen eine Gelegenheit bieten, attraktive Renditen zu sichern.

In diesem Umfeld können Anleger, die bereit sind, sich schrittweise entlang des Risikospektrums zu bewegen, davon profitieren, in Kreditsektoren zu investieren, die höhere Erträge als Bargeld bieten, während die Zinssensitivität relativ gering bleibt. Unserer Ansicht nach bieten kurzlaufende globale Unternehmensanleihen, variabel verzinsliche Anleihen und forderungsbesicherte Wertpapiere eine praktische Möglichkeit, die derzeit hohen Renditen zu nutzen und gleichzeitig die durationsbedingte Volatilität zu begrenzen, die oft mit breiteren Anleihenallokationen verbunden ist.

Wir sind der Ansicht, dass der Kompromiss zwischen Duration und Ertrag auf den Kreditmärkten besonders relevant ist. Der zusätzliche Ertrag, der durch eine Verlängerung der Duration erzielt werden kann, ist begrenzt, wenn man ihn gegen die größere Sensitivität längerfristiger Anlagen gegenüber Zinsänderungen abwägt. Im Gegensatz dazu reagieren Anleihen mit kürzerer Laufzeit und variablen Zinssätzen weniger empfindlich auf Schwankungen der Renditen von Staatsanleihen. Die Renditen werden direkter von den vertraglichen Erträgen bestimmt, unterstützt durch den zusätzlichen Ertrag, den Anleger für das Eingehen von Kreditrisiken erhalten.

Vier Möglichkeiten, mit begrenztem Durationsrisiko attraktive Erträge zu erzielen
1. Globale kurzlaufende Investment-Grade-Anleihen: stabile Erträge
Wir sind der Ansicht, dass globale kurzfristige Investment-Grade-Anleihen eine attraktive Quelle für hochwertige, stabile Erträge darstellen. Erstens liegen die Renditen kurzfristiger Investment-Grade-Anleihen laut ICE Bank of America bei 4,2 % bzw. 4,7 % und damit bei 90 % des Niveaus, das der breitere globale Investment-Grade-Markt bietet. Dadurch können Anleger einen Großteil der im globalen Investment-Grade-Anleihemarkt verfügbaren Erträge erzielen und gleichzeitig ein deutlich geringeres Durationsrisiko eingehen.

Zweitens ist das Volatilitätsprofil dieser Anlageklasse weniger ausgeprägt als das des breiteren globalen Investment-Grade-Anleihemarktes. Kurzfristige Investment-Grade-Anleihen wiesen in der Vergangenheit eine geringere realisierte Volatilität auf als das gesamte Laufzeitspektrum. Dies spiegelt nicht nur eine geringere Zinssensitivität wider, sondern auch ein geringeres Risiko gegenüber Schwankungen der Kreditspreads, was zu einem stabileren Renditeprofil führt. Der Unterschied im Volatilitätsniveau zeigt sich besonders deutlich in Phasen von Marktstress, in denen Engagements mit kürzerer Laufzeit tendenziell geringere Kursrückgänge verzeichneten. Dies spiegelt ihre geringere Sensitivität sowohl gegenüber der Durations- als auch der Spread-Volatilität wider sowie den natürlichen „Pull-to-Par“-Effekt, wenn Anleihen sich der Fälligkeit nähern, was dazu beiträgt, die Dauer von Verlusten zu begrenzen.

Drittens wiesen kurzfristige Investment-Grade-Anleihen bei größeren Marktturbulenzen – darunter die globale Finanzkrise, der COVID-19-Schock und der inflationsbedingte Ausverkauf – durchweg geringere Kursrückgänge auf als das breitere globale Investment-Grade-Universum. Zudem werden die Renditen bei Anleihen mit kurzer Laufzeit tendenziell stärker von vertraglichen Erträgen als von Kapitalzuwächsen bestimmt, da das kürzere Laufzeitprofil die Kursempfindlichkeit gegenüber Änderungen der Zinssätze und Kreditspreads begrenzt. Infolgedessen ist diese Anlageklasse weniger von günstigen Zinsentwicklungen abhängig und bietet besser vorhersehbare Ergebnisse. Kürzere Laufzeiten ermöglichen es Anlegern zudem, Erlöse häufiger zu den aktuellen Marktrenditen zu reinvestieren, was Flexibilität bietet, während die durch eine Verlängerung der Duration erzielbare zusätzliche Rendite im Vergleich zur damit verbundenen zusätzlichen Volatilität begrenzt bleibt.

2. Globale kurzfristige Hochzinsanleihen: Fokus auf sichtbare Cashflows
Hochverzinsliche Anleihen bergen ein höheres Kreditrisiko als Investment-Grade-Anleihen, doch wir sind der Ansicht, dass ein auf Cashflows ausgerichteter Ansatz mit kurzen Laufzeiten dazu beitragen kann, dieses zusätzliche Risiko zu mindern. Die zusätzlichen Erträge, die bei globalen kurzfristigen Hochzinsanleihen erzielt werden können, dürften besonders attraktiv sein, wenn Anleger mehr Wert auf stabile Erträge legen, als auf steigende Anleihekurse zu setzen. Durch die Anlage in Anleihen, die in der Regel innerhalb der nächsten zwei Jahre fällig werden, können Anleger höhere Renditen als bei Bargeld erzielen und gleichzeitig das Risiko besser begrenzen. Der Großteil der Rendite stammt aus regelmäßigen Zinszahlungen, wodurch die Ergebnisse besser vorhersehbar und weniger von Marktbewegungen abhängig sind.

Aus kreditsicherungstechnischer Sicht bedeutet das kurze Laufzeitprofil, dass Anleger weniger Unsicherheiten hinsichtlich der längerfristigen Zukunft eines Unternehmens ausgesetzt sind und einen besseren Überblick über die Rückzahlung sowie die voraussichtlichen Anlageergebnisse haben.

Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität. Da diese Anleihen schneller fällig werden, können Anleger früher zu den aktuellen Marktzinsen reinvestieren. Dies erleichtert die Anpassung an veränderte Zinssätze oder Marktbedingungen, anstatt an längerfristige Anlagen gebunden zu sein. Erwähnenswert ist auch, dass sich die Qualität des Hochzinsmarktes in den letzten Jahren verbessert hat. Ein größerer Anteil der Anleihen stammt mittlerweile von Emittenten mit einem Rating von BB, dem stärkeren Ende des Hochzinsspektrums.

3. Variabel verzinsliche Anleihen: Erträge, die sich anpassen
Variabel verzinsliche Kredite können auch im aktuellen Umfeld eine wichtige Rolle spielen, in dem die Zinsentwicklung zwar weiterhin ungewiss ist, die Zinsen aber voraussichtlich auf einem relativ hohen Niveau bleiben werden. Diese Instrumente zahlen in der Regel Kupons, die regelmäßig entsprechend den Marktzinsen neu festgelegt werden, was bedeutet, dass sich die Erträge im Laufe der Zeit anpassen, anstatt feststehend zu bleiben. Infolgedessen weisen sie in der Regel eine sehr geringe Sensitivität gegenüber Zinsänderungen auf, was dazu beitragen kann, die Kursvolatilität im Vergleich zu herkömmlichen festverzinslichen Anleihen zu verringern.

Bleiben die Zinsen auf einem hohen Niveau oder steigen sie weiter an, passen sich die Erträge aus variabel verzinslichen Anleihen entsprechend an. Im Gegensatz dazu sichern festverzinsliche Anleihen ein festes Ertragsniveau, das bei steigenden Marktrenditen an Attraktivität verlieren kann. Variabel verzinsliche Wertpapiere können daher in Phasen steigender oder volatiler Zinsen widerstandsfähiger sein, wobei ihre Kurse im Allgemeinen stabiler sind als die von festverzinslichen Anleihen. In diesem Zusammenhang können variabel verzinsliche Unternehmensanleihen eine sinnvolle Ergänzung für Anleger darstellen, die über Bargeld hinausinvestieren möchten, da sie ein höheres Ertragspotenzial bieten und gleichzeitig ein relativ defensives Profil gegenüber Zinsänderungen aufweisen. Wie bei allen Kreditinvestitionen bleibt eine sorgfältige Wertpapierauswahl wichtig, insbesondere angesichts sich verändernder Kreditbedingungen.

4. Asset-Backed Securities: strukturierte Erträge mit variabler Verzinsung
Asset-Backed Securities (ABS) können eine weitere Möglichkeit bieten, Erträge zu erzielen und gleichzeitig eine relativ geringe Zinssensitivität beizubehalten. Viele ABS-Anlagen verfügen über variabel verzinsliche Kupons und können eine Diversifizierung weg vom traditionellen Unternehmenskreditrisiko ermöglichen. Das bedeutet, dass sich ihre Erträge an die Marktzinsen anpassen, während ihre Kurse weniger empfindlich auf Veränderungen der Renditen von Staats- oder Unternehmensanleihen reagieren. Infolgedessen weisen ABS historisch gesehen eine geringe bis moderate Korrelation mit Staatsanleihen auf, was ihre Rolle als Diversifikationsinstrument innerhalb von Anleihenallokationen untermauert.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Unternehmensanleihen sind ABS durch Pools von zugrunde liegenden Vermögenswerten wie Hypotheken, Verbraucherkredite oder Autokredite besichert. Dies schafft eine diversifizierte und granular strukturierte Quelle von Cashflows, da die Renditen von vielen einzelnen Kreditnehmern und nicht von einem einzigen Emittenten abhängen. Diese Kredite sind häufig durch die zugrunde liegenden Vermögenswerte besichert, während ABS-Strukturen zudem integrierte Schutzmechanismen enthalten, die Verluste auffangen sollen. Merkmale wie Nachrangigkeit, Exzessspanne und sequenzielle Zahlungen schaffen mehrere Schutzebenen, was bedeutet, dass die vorrangigeren Teile der Struktur besser geschützt sind, falls sich einige der zugrunde liegenden Kredite schlecht entwickeln.

Diese Eigenschaften stützen unsere Ansicht, dass ABS andere kurzfristige und variabel verzinsliche Kreditstrategien ergänzen können. Durch die Kombination aus anpassungsfähigen Erträgen, Diversifizierung und strukturellem Schutz sowie durch ein Renditeprofil, das weniger von der Duration abhängt, können ABS genutzt werden, um „Cash-plus“-Renditen anzustreben und gleichzeitig einen kontrollierten Ansatz sowohl beim Zins- als auch beim Kreditrisiko beizubehalten.

Fazit
Insgesamt sind wir der Ansicht, dass das aktuelle Umfeld weiterhin ertragsorientierte Strategien begünstigt, die weniger stark von der Duration abhängig sind. Angesichts der voraussichtlich anhaltenden politischen Unsicherheit und der nach wie vor hohen Renditen werden die Argumente für eine selektive Diversifizierung über Bargeld hinaus immer überzeugender, insbesondere wenn Anleger Kreditprämien erzielen können, ohne die Zinssensitivität wesentlich zu erhöhen.

In diesem Zusammenhang bieten kurzlaufende und variabel verzinsliche Anleihen ein differenziertes Renditeprofil, das attraktive vertragliche Erträge mit einem geringeren Risiko gegenüber Zins- und Spread-Schwankungen verbindet. Durch die Konzentration auf kürzere Laufzeiten und robuste Kreditstrukturen können Anleger stabilere, carry-getriebene Renditen erzielen und gleichzeitig die Flexibilität bewahren, bei sich ändernden Marktbedingungen zu reinvestieren.

Unserer Ansicht nach bietet dies einen effizienteren Weg zur Steigerung der Portfoliorendite und ermöglicht es Anlegern, auf kontrollierte Weise aus Bargeld auszusteigen und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit in einer Vielzahl von Zinsszenarien zu bewahren.

www.fixed-income.org


 

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