YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Schroders Greencoat: Die Energiewende entwickelt sich weiter

Sean Maguire © Schroders Greencoat

Strom­netze stoßen unter dem schnellen Ausbau von Wind- und Solar­energie an ihre Grenzen. Gleich­zeitig rücken geo­po­litische Ereig­nisse die Energie­sicher­heit erneut in den Fokus. Investoren wenden sich daher einem breiteren Spektrum an Techno­logien zu, um die nächste entschei­dende Phase der globalen Energie­wende voran­zutreiben, wie Sean Maguire, Partner im Investment­team von Schroders Greencoat, die auf erneuerbare Energien und Energiewende-Infrastruktur spezialisierte Sparte von Schroders Capital, in folgendem Kommentar schreibt:

Betrachtet man die Entwicklung der Strommärkte über die vergangenen zwei Jahrzehnte, war der Wandel tiefgreifend. Historisch wurden Netze um Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke herum aufgebaut, die Strom verlässlich erzeugten und dem System Stabilität verliehen. Erneuerbare Energien haben diese Gleichung grundlegend verändert. Wind- und Solarerzeugung hängen von Wetterbedingungen ab. Das erzeugt eine Schwankungsbreite, für die die traditionelle Infrastruktur niemals in diesem Ausmaß ausgelegt war.

Die Erzeugung wächst schneller als die Systeme, die zu ihrer Integration benötigt werden. Wind- und Solarenergie allein sollen laut Branchenprognosen bis 2030 rund 30 Prozent der weltweiten Stromerzeugung ausmachen.

Die Branche hat gute Arbeit geleistet, Wind- und Solarenergie ins Netz zu bringen; jetzt beginnt das System zu knirschen. Die zunehmend volatilen Großhandelsstrompreise verdeutlichen diesen Druck.

Kurz gesagt: Es geht nicht darum, dass Wind- und Solarenergie weniger wichtig werden. Der weitere Ausbau traditioneller erneuerbarer Energien bleibt zentral für die Energiesysteme – und, entscheidend, für die Stärkung der heimischen Energiesicherheit in vielen Regionen. Zunehmend braucht es jedoch auch Investitionen in Schlüsseltechnologien. Hinzu kommen breitere Technologien, die dabei helfen können, jene Teile der Wirtschaft zu dekarbonisieren, die bislang von fossilen Energieträgern abhängig waren. Beide Aspekte sind entscheidend, um das Potenzial der Energiewende in die Realität umzusetzen.

Batteriespeicher als Bindeglied
Batteriespeicher haben sich zu einem der am schnellsten wachsenden Segmente der Klima-Infrastruktur entwickelt, weil sie eine der größten strukturellen Schwächen erneuerbarer Energien lösen: das Timing.

Die Solarerzeugung erreicht ihren Höhepunkt in der Mitte des Tages. Die Stromnachfrage erreicht ihren Höhepunkt häufig am Abend. Speicher überbrücken diese Lücke. Die IEA schätzt, dass 2025 weltweit 108 Gigawatt an neuer Batteriespeicherkapazität installiert wurden – ein Anstieg von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und etwa das 11-Fache des Niveaus von 2021.

In Europa beschleunigt sich der Ausbau rapide – aus gutem Grund. Das haben uns die jüngsten Stromausfälle in Spanien im vergangenen Jahr und in Texas 2021 gezeigt. Diese Ereignisse verdeutlichen auch ein umfassenderes Problem: Die Netzstabilität wird schwieriger, da die Systeme stärker auf intermittierende Erzeugung und weniger auf traditionelle Quellen der Systemunterstützung setzen. Mit dem abnehmenden Stellenwert großer Anlagen auf Basis fossiler Energieträger nimmt auch die Stabilität ab, die diese einst bereitstellten. Das erhöht den Bedarf an Technologien, die schnell auf Ungleichgewichte im System reagieren können.

Die EU-Batteriespeicherkapazität stieg 2025 um 45 Prozent auf mehr als 77 Gigawattstunden. Analysten schätzen jedoch, dass bis 2030 rund 780 Gigawattstunden benötigt werden, um die Dekarbonisierungsziele zu erreichen.

Für Investoren schaffen Batterien Wert auf zwei Arten. Erstens bieten sie Systemdienstleistungen – sie gleichen Frequenzen aus und stabilisieren Systeme in Phasen von Volatilität. Zweitens schaffen sie Arbitragemöglichkeiten, indem sie Strom speichern, wenn die Preise niedrig sind, und ihn ins Netz einspeisen, wenn die Preise steigen.

Dieser zweite Erlösstrom wird zunehmend wichtiger. In reifen Märkten wie dem Vereinigten Königreich stammten Batterieerlöse anfänglich größtenteils aus Netzausgleichsdienstleistungen. Doch mit zunehmendem Wettbewerb hat sich ein wachsender Anteil der Erlöse zur Arbitrage verschoben. Als Reaktion darauf haben sich Investoren verstärkt langfristigen Erlösvereinbarungen zugewandt, einschließlich Tolling-Verträgen und strukturierten Stromabnahmeverträgen. Diese Entwicklung macht Batteriespeicher für Investoren, die nach vorhersehbaren Cashflows suchen, zunehmend attraktiv.

Allerdings sind nicht alle Speicheranlagen gleich zu bewerten. Die Wirtschaftlichkeit der Projekte bleibt stark abhängig von Standort, Netzanschlusskosten und Marktdesign. Die attraktivsten Projekte befinden sich tendenziell in Regionen, in denen der Anteil erneuerbarer Energien schnell steigt, die Netzflexibilität jedoch begrenzt bleibt.

Erlössicherheit ist ein weiterer entscheidender Faktor. Merchant-Batterieprojekte können attraktive Renditen erzielen, doch viele Investoren und Fremdkapitalgeber bevorzugen weiterhin Anlagen mit vertraglich abgesicherten Erlösen. Mit zunehmender Marktreife werden Finanzierungsstrukturen ausgefeilter. Das reduziert die Volatilität und verbreitert die Investorenbasis.

Grüner Wasserstoff: Von der Skepsis zur Selektivität
Wenige Klimatechnologien haben einen so deutlichen Stimmungswandel erlebt wie grüner Wasserstoff. Dieser wirklich saubere Brennstoff wird mittels Elektrolyse aus Wasser unter Einsatz erneuerbarer Energie erzeugt und erzeugt keine Kohlenstoff-Nebenprodukte. Noch vor wenigen Jahren wurde er als universelle Dekarbonisierungslösung beworben.

Heute sind viele Investoren deutlich selektiver geworden – was die Investmentthese letztlich stärken könnte.

Laut der Internationalen Energieagentur und Branchenschätzungen haben weltweit mittlerweile mehr als 200 emissionsarme Wasserstoffprojekte die finale Investitionsentscheidung erhalten. Der Ausbau konzentriert sich stark auf Europa, mit zusätzlichen Clustern in den USA und Australien. Der Gesamtfortschritt verläuft jedoch aufgrund hoher Kosten und Infrastrukturbeschränkungen langsamer als ursprünglich angenommen.

Das Problem war nie grüner Wasserstoff selbst; es waren unrealistische Erwartungen. Wasserstoff ergibt im Personenverkehr oder bei der häuslichen Wärmeversorgung wirtschaftlich deutlich weniger Sinn als ursprünglich angenommen. Überzeugend bleibt er in schwer zu dekarbonisierenden Industriesektoren wie Stahl, Chemie, Düngemitteln und industrieller Wärme – Sektoren, in denen Elektrifizierung schlicht nicht alles löst.

Projekte in der Nähe industrieller Abnehmer sind besonders attraktiv, da sie kostspielige Transportinfrastruktur vermeiden. Das lenkt Investoren zunehmend zu gezielteren Opportunitäten statt zu breiten thematischen Wetten.

Auch staatliche Politik spielt hierbei eine bedeutende Rolle. Grüner Wasserstoff ähnelt heute der Offshore-Windenergie vor einem Jahrzehnt: strategisch wichtig, aber noch nicht vollständig wettbewerbsfähig in den Kosten.

Das bedeutet, dass Förderrahmen weiterhin essenziell bleiben. Das britische Geschäftsmodell für Wasserstoff bietet langfristige Unterstützungsverträge, die Investoren Erlössicherheit verschaffen. In ganz Europa verfolgen politische Entscheidungsträger ähnliche Ansätze im Rahmen breiterer industrieller Dekarbonisierungsstrategien. Die Erwartung ist, dass Skalierung die Kosten letztlich senken wird, ähnlich wie es bei der Offshore-Windenergie der Fall war.

Biomethan: Bestehende Infrastruktur als Vorteil
Biomethan wird aus Lebensmittel- und anderen organischen Abfällen erzeugt. In den USA wird es in seiner weniger aufbereiteten Form häufiger als „Renewable Natural Gas" (RNG) bezeichnet. Es hat nicht die Sichtbarkeit von Wasserstoff oder Batterien, bietet aber einen großen Vorteil: bestehende Infrastruktur.

Die meisten europäischen Länder verfügen bereits über umfangreiche Gaspipeline-Netze. Statt vollständig neue Systeme aufzubauen, kann Biomethan als Alternative zu Erdgas genutzt werden – ohne Änderungen an dieser Transportinfrastruktur. So kann saubereres Gas in bereits bestehende Infrastruktur eingespeist werden. Das ist nach Europas Energiesicherheitskrise zunehmend attraktiv geworden.

Seit 2021 hat die EU 260 Gigawatt an erneuerbarer Kapazität installiert. Der Anteil erneuerbarer Energie am europäischen Energiemix ist seit 2006 von 10 Prozent auf 25 Prozent gestiegen.

Doch bleiben Wärme, Schwerlastverkehr und industrielle Prozesse schwer zu dekarbonisieren. Biomethan bietet eine praktische Übergangslösung – und kann auch als emissionsarmer alternativer Kraftstoff im Verkehr genutzt werden. Das könnte besonders in einer Zeit wichtig sein, in der die Verringerung der Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern erneut in den Fokus rückt.

Was das für Infrastrukturinvestoren bedeutet
Die nächste Phase der Energiewende wird sich deutlich von der vorherigen unterscheiden – wenngleich mit einigen vertrauten Merkmalen und traditionellen Infrastruktureigenschaften. Sie dürfte je nach Politik, Marktdesign und Energiebedarf in unterschiedlichen Regionen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit verlaufen.

Die erste Phase bestand größtenteils im Aufbau erneuerbarer Energieerzeugung. Die zweite Phase besteht im Aufbau von Flexibilität, wobei neue Technologien vom frühen Entwicklungsrisiko zu etablierten, risikoarmen Cashflows übergehen. Jüngste geopolitische Ereignisse haben diesen Wandel – und die ihn unterstützenden politischen Notwendigkeiten – noch verstärkt.

Für Investoren erweitert dies das Chancenspektrum erheblich, hin zu Batteriespeicher, Netzmodernisierung, saubereren Kraftstoffen, dezentralen Energiesystemen und nachfrageseitiger Infrastruktur. Der Energie- und Brennstoffmix wird vielfältiger werden, während die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern abnimmt.

Die attraktivsten Opportunitäten sind möglicherweise nicht mehr die sichtbarsten. Wind- und Solarenergie bleiben essenziell, doch sie sind zunehmend nur das Fundament. Die Infrastruktur, die ihren großmaßstäblichen Einsatz ermöglicht, könnte sich im kommenden Jahrzehnt als noch wertvoller erweisen.

www.green-bonds.com – Die Green Bond-Plattform.

 

Investment

von Libby Cantrill, Head of Public Policy, PIMCO

Was passiert gerade? Die USA und Iran haben die erste Ge­sprächs­runde im Rahmen des ehrgeizigen Memo­ran­dum of Undervstanding (MOU) abge­schlossen.…
Weiterlesen
Investment
Da ESG-Themen mittler­weile fest in der Unter­nehmens­ana­lyse veran­kert sind, haben sich kontro­verse Themen zu einem wichtigen Risiko­indikator…
Weiterlesen
Investment

von Richard Clarida, Global Economic Advisor & Andrew Balls, CIO Global Fixed Income

Ein globaler Wirt­schafts­aus­blick, der von brüchi­gen Alli­anzen, fiska­lischer Belas­tung und massiven KI-Investi­tionen geprägt ist, kann ganz…
Weiterlesen
Investment
Michael Vander Elst, Head of Emer­ging Markets Fixed Income bei DPAM, sieht Latein­amerika als gut posi­tioniert für lang­fristiges Wachs­tum,…
Weiterlesen
Investment

von Arif Husain, Head of Global Fixed Income und CIO bei T. Rowe Price

Während die Unruhen im Nahen Osten und der Opti­mismus hinsicht­lich künst­licher Intelligenz die Märkte weiterhin antreiben, ist die erste…
Weiterlesen
Investment

von Leonardo Basile, Portfoliomanager bei Eurizon

Die vergan­genen drei Monate waren an den Kapital­märkten vor allem von zwei Faktoren geprägt: geo­poli­tischen Spannungen und dem starken Anstieg der…
Weiterlesen
Investment

von Jill Hirzel, Senior Investment Specialist bei Insight Investment

Die EZB hat heute in einer einstim­migen und weithin erwar­teten Entschei­dung die Zinsen ange­hoben. Die EZB hat ihre Prog­nosen revidiert, die…
Weiterlesen
Investment

von Filippo Alloatti, Head of Financials (Credit) bei Federated Hermes

Die EZB hat mit einer Zins­er­höhung um 25 Basis­punkte die Erwar­tungen bestätigt und den Haupt­refinan­zierungs­satz auf 2,25% angehoben. Die…
Weiterlesen
Investment
Sam Vereecke, CIO Fixed Income bei DPAM, beurteilt das aktuelle Markt­geschehen. Seine Kern­aussagen sind:•  US-Schuldenquote könnte binnen zehn…
Weiterlesen
Investment

von Massimo Spadotto, Head of Fixed Income bei Eurizon

Nach dem jüngsten Energie­preis­schock im Nahost-Kontext zeigte sich die Neube­wertung geo­politischer Risiken an den europä­ischen Anleihe­märkten…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!