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J.P. Morgan Asset Management: 10 Thesen für 2026 - Fiskalimpulse und gelockerte Geldpolitik stützen Märkte

Tilmann Galler sieht Chancen durch Investitionsprogramme und Zinssenkungen, warnt aber vor Bewertungsrisiken und Technologie-Übertreibungen

© Pixabay

Das Jahr 2026 wird nach Ein­schätzung von Tilmann Galler, Kapital­markt­stratege bei J.P. Morgan Asset Manage­ment, von einem seltenen Gleich­lauf aus fiskal­politischer Expansion und geld­politischer Unter­stützung geprägt sein. Staaten dürften weiterhin konjunktu­relle Impulse geben, obwohl sich die Welt­wirtschaft in keiner akuten Schwäche­phase befindet. Zugleich dürfte die US-Zentral­bank die Zinsen weiter senken. „Mit Blick auf 2026 passt das Bild einer Dampflok sehr gut: Der Kessel wird jetzt noch einmal richtig aufgeheizt, sowohl von fiskalischer als auch von geldpolitischer Seite“, erklärt Tilmann Galler bei der Vorstellung seiner „10 Thesen für das Jahr 2026“. Diese Kombination stütze die Wirtschaft, habe aber potenzielle Nebenwirkungen – etwa eine Wiederkehr der Inflation oder das Bilden einer Vermögensblase. Gleichwohl rechnet Galler für 2026 weiterhin mit steigenden Unternehmensgewinnen, so dass höhere Bewertungen durchaus unterstützt seien. Es sei aber wichtig und sinnvoll, das Portfolio breiter zu diversifizieren und extreme Bewertungs- und Marktkonzentrationsrisiken zu vermeiden.

These 1: Dank Konjunkturpaketen bleibt das Rezessionsrisiko gering

In der traditionellen stabilitätsorientierten Fiskalpolitik wurden staatliche Ausgaben erhöht, um Krisen zu bekämpfen. In Boom-Phasen wurden die staatlichen Ausgaben in der Regel zurückgefahren. Tilmann Galler erinnert daran, dass US-Präsident Trump sich bereits in seiner ersten Amtszeit von der Stabilitätsorientierung verabschiedet hat: 2017 wurden trotz einer späten Konjunkturphase Steuersenkungen verabschiedet. Die expansive Fiskalpolitik wurde unter Präsident Biden fortgesetzt und scheint sich in der zweiten Amtszeit von Präsident Trump, trotz hohem Haushaltsdefizit, inzwischen fest zu etablieren. Die Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik zu einer aktiven Fiskal- und Industriepolitik hat seit der Pandemie zunehmend auch in Europa immer mehr Unterstützer gefunden. „Wir bekommen auch im nächsten Jahr ohne Anzeichen einer Rezession eine beispiellose fiskalische Expansion, flankiert von einer sehr unterstützenden Geldpolitik“, ist Tilmann Galler überzeugt.

These 2: Die Fed setzt weitere Zinssenkungen um

Trotz robustem Konsum zeigt der US-Arbeitsmarkt zunehmend Schwächen. Tilmann Galler sieht dabei Rationalisierungseffekte durch KI und Effizienzmaßnahmen im öffentlichen Sektor als Treiber. In diesem Umfeld könne die US-Notenbank die Zinsen weiter senken – bis zu einer Spanne von 3 bis 3,25 Prozent. Bemerkenswert sei, dass diese geldpolitische Unterstützung außerhalb einer Rezession erfolge. Eine Folge der günstigeren Zinsen könnte beispielsweise eine Belebung des Immobilienmarkts durch eine höhere Hypotheken-Nachfrage sein, was auch den Bausektor ankurbeln dürfte.

These 3: Technologie-Investitionsboom hält an

Tech-Investitionen werden laut Galler „immer dominierender“. Im ersten Halbjahr 2025 hätten sie ein Drittel zum US-Wirtschaftswachstum beigetragen. Da Cash-Flows und Bilanzqualität gerade bei den großen Tech-Unternehmen sehr positiv seien, ist keine Wiederholung der Dotcom-Blase zu befürchten. Risiken sieht Galler vielmehr in Rohstoffengpässen, Energieinfrastruktur und der unklaren Endnachfrage im KI-Zyklus. Es sei durchaus fraglich, ob die gewaltigen Investitionssummen für die KI-Anbieter den erhofften Ertrag auf das eingesetzte Kapital liefern werden. Ein Beispiel sei die geringe Nutzerzahl kostenpflichtiger KI-Abos im Vergleich zum Marktpotenzial. Entscheidend würden aber auch Fragen sein, welcher der Tech-Giganten die besseren Chips liefern könne.

These 4: Trügerische Ruhe an den Anleihenmärkten – Volatilität steigt

Kapitalmarktexperte Galler erwartet, dass 2026 die ruhige Marktphase bei Staatsanleihen endet. Die expansive Politik sei nicht im Interesse der Bond-Investoren, was zu „Druck am langen Ende“ führen könne. Länder wie Japan könnten bei zu expansiver Politik vom Markt diszipliniert werden – ähnlich dem „Liz-Truss-Moment“ in Großbritannien.

These 5: Südeuropa outperformt Bundesanleihen

In Europa finden aus Sicht von Tilmann Galler derzeit tektonische Verschiebungen statt, denn die Grenzen zwischen „Kern“ und „Peripherie“ verwischen zunehmend. Dabei werden Staaten, die strukturelle Reformen verschleppten, vom Markt bestraft. Frankreich ist laut des Ökonomen hierfür ein Beispiel: Spanien und Griechenland weisen niedrigere Renditen bei 10-jährigen Anleihen auf als Frankreich. Auch Deutschland könnte bei fortgesetzten Ausgaben höhere Risikoprämien zahlen. „Südeuropäische Anleihen werden auch 2026 Momentum haben“, sagt Galler. 

Dass die südeuropäischen Länder so gut dastehen, habe auch mit den überraschend hohen Wachstumswirkungen des EU-Wiederaufbaufonds zu tun. Italien erhielt 6 Prozent der Wirtschaftsleistung in Form von Zuschüssen und Sonderkrediten, perspektivisch bis zu 9 Prozent, bei Griechenland waren es bislang sogar bis zu 15 Prozent gemessen am BIP. Besonders dort, wo auch Strukturreformen konsequent umgesetzt würden, wie etwa in Spanien und Griechenland, wirkten die Mittel besonders gut. 

These 6: Unternehmensgewinne steigen 2026

Dank stabiler Konjunktur erwartet der Kapitalmarktexperte eine positive Gewinnentwicklung, was sowohl Aktienmärkte als auch Unternehmensanleihen stütze. „Solange Gewinne steigen, können Märkte mit höheren Bewertungen oder mit engeren Spreads gut leben“, ist Tilmann Galler überzeugt.

These 7: Carry dominiert Erträge bei Unternehmensanleihen

Die Spreads liegen aus Sicht von Tilmann Galler dabei bereits am unteren Rand historischer Spannen. „Der Ertrag von Unternehmensanleihen wird 2026 stärker vom Carry kommen – nicht von sich einengenden Risikoaufschlägen“, so Galler. Entscheidend bleibe aber, dass Gewinne stabil bleiben und Kupons bedient werden.

These 8: Hohe Dividenden schlagen High-Beta-Aktien

Nach der jüngsten Outperformance sehr risikoreicher Aktien erwartet der Kapitalmarktexperte für dieses Segment 2026 mehr Gegenwind. „Der so genannte High-Beta-Bereich dürfte zukünftig schwächer performen, da wir den Eindruck haben, dass aktuell in diesem Segment des Aktienmarktes zu optimistische Wachstumsaussichten eingepreist sind“, prognostiziert Galler. Im Vorteil sieht er dagegen defensivere Titel, insbesondere dividendenstarke Unternehmen, für die ein stabiles Wachstumsumfeld ausreichend sein sollte.

These 9: Europäische Wachstumswerte (Granolas) outperformen Mag 7

Europa sieht Galler weiter attraktiv. Die sogenannten Granolas – große europäische Wachstumsunternehmen aus Gesundheit, IT und Konsum – böten vergleichbares Wachstum zu günstigeren Bewertungen. „Wir trauen den Granolas sogar zu, die ‚Mag 7‘ zu schlagen. Wir sehen dort ähnliches Wachstum zu etwas günstigerem Preis“, führt Galler aus. Das Bewertungsniveau der Aktien aus Europa sei insgesamt „weit weg von Euphorie“. Bewertungssteigerungen waren in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu den USA oder Ländern wir Taiwan oder Korea geringer ausgeprägt.

These 10: Lange Duration > kurze Duration

Als Absicherung gegen Bewertungsrisiken eigne sich eine längere Duration. „Alles mit längerer Laufzeit kann im Krisenfall auch Cash outperformen“, sagt Galler. In früheren Krisen hätten langlaufende Staatsanleihen aufgrund fallender Zinsen erhebliche Kursgewinne verbucht und konnten damit die negative Entwicklung der Aktien zumindest partiell kompensieren.

Zusammenfassend geht Tilmann Galler von einem konstruktiven wirtschaftlichen Umfeld im Jahr 2026 aus. Dabei sei es wichtig, Risiken stärker zu beachten. Vor allem sei es relevant, das Portfolio stärker außerhalb des Tech-Bereichs zu diversifizieren, etwa in Europa. Zur breiteren Risikostreuung und Verbesserung des Risiko-Ertrags-Profils bieten sich laut dem Kapitalmarktstrategen auch die Private Markets an. Inflationsrisiken können durch die Hinzunahme realer Vermögenswerte reduziert werden. Besonders Infrastruktur und Transport seien dabei hervorzuheben. Bisher waren diese Investments fast ausschließlich großen institutionellen Investoren vorbehalten. Dank des neuen Vehikels der ELTIFS (European Long Term Investment Funds) werden diese alternativen Anlageklassen nun zunehmend auch für breitere Anlegerschichten verfügbar und sollten aus Sicht des Marktexperten an Momentum und Relevanz gewinnen.

www.fixed-income.org


 

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