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Nachhaltigkeit 2026: Herausforderungen unverändert, Unsicherheit erhöht

Ophelie Mortier © DPAM

ESG-Investi­tionen sind wichtiger denn je, aber der Gegen­wind ist ange­sichts wirt­schaftlicher und geopo­litischer Probleme spürbar. Ophelie Mortier, Chief Sustainable Investment Officer von DPAM, wagt einen vorsichtig optimistischen Ausblick auf das neue Jahr:

Regulatorische Verzögerungen und politischer Widerstand drohen ESG an den Rand zu drängen. Das Thema lässt sich aber nicht aufschieben. Die Risiken für Unternehmen, die sich aus unterbrochenen Lieferketten und strengeren Erwartungen der Investoren ergeben, bestehen fort. Für ihre Wettbewerbsfähigkeit ist ESG von zentraler Bedeutung.

Unternehmen müssen sich auf Risiken, Resilienz und Rendite konzentrieren:

•  Risiken: Klimaphänomene und Betriebsstörungen sind keine hypothetischen Bedrohungen, sondern tägliche Realität. Es ist eine Frage der Zeit, wann Risiken eintreten werden.

•  Resilienz: Die Integration von Nachhaltigkeit macht Unternehmen handlungsfähig, unabhängiger von Ressourcen, attraktiver für Mitarbeiter und besser vorbereitet auf unerwartete Schocks.

•  Rendite: Unternehmen mit soliden ESG-Referenzen sind besser darin, Kapital anzuziehen und dauerhaften Wert zu schaffen. Dabei geht es nicht um ethische, sondern um strategische geschäftliche Entscheidungen.

Die Klimakrise beschleunigt sich und die Schwachstellen in den Lieferketten bestehen fort. Die Forderung nach Transparenz, Glaubwürdigkeit und Führung im Bereich Nachhaltigkeit wird vorsichtiger geäußert, ist aber unverändert notwendig.

ESG als Chance, nicht Einschränkung

Unternehmen sollten es als Chance begreifen, weniger abhängig von externen Ressourcen zu sein, nicht als Einschränkung. Eine starke Präsenz in Europa durch erhöhte Produktionskapazitäten, robuste Forschung und Entwicklung, die Schaffung von Arbeitsplätzen, widerstandsfähige Lieferketten, Dekarbonisierungsstrategien und Innovationen im Ressourcenmanagement – das alles verbessert die Widerstandsfähigkeit gegenüber geopolitischen und klimabedingten Schocks. Im neuen Jahr wird das Entstehen eines neuen ESG-Paradigmas, das sich auf Energie, Sicherheit und Geostrategie konzentriert, die nächste Phase nachhaltiger Investitionen bestimmen.

Veränderung am Beispiel der „E“ von ESG: Energie

Energie bleibt ein Schwerpunkt für Investoren und Politik. Die Welt versucht, sich von CO2-intensiven Praktiken zu verabschieden. Investoren orientieren sich dabei zunehmend in Richtung differenzierter Instrumente, um die Glaubwürdigkeit des Übergangs, die Finanzierungsstrategie und das politische Risikomanagement zu bewerten, anstatt sich nur auf Emissions-Snapshots zu verlassen.

Verhalten der Investoren und Rolle der Regierung

Nach der Wahl von Trump in den USA sank der durchschnittliche Anteil grüner Investitionen; diese wurden als riskanter und weniger profitabel wahrgenommen. Investoren, die die Klimapolitik der Regierung ablehnen, haben dagegen ihr Engagement für grüne Investitionen gestärkt und damit ihre Bereitschaft unterstrichen, die Untätigkeit der Regierung zu kompensieren. Nichtsdestotrotz bleiben staatliche Anreize entscheidend, um den Bedarf an privaten Klimainvestitionen zu decken.

Regulatorischer Druck mit Nebenwirkungen

Vorschriften wie die SFDR und die EU-Taxonomie sollen die Energiewende durch strengere ESG-Standards beschleunigen. Die EZB hat jedoch festgestellt, dass die Anreize für Banken, sich aus Unternehmen mit schlechten ESG-Profilen zurückzuziehen, ihre Nebenwirkungen haben. So gehen beispielsweise die Beteiligungen an Unternehmen zurück, die Rohstoffe für Batterien abbauen. Deren Notwendigkeit für die Energiewende ist jedoch unbestreitbar. Treten Nicht-EU-Investoren mit schwächeren ESG-Mandaten in Erscheinung, schwächt das den Einfluss der EU auf das ESG-Verhalten von Unternehmen. Vorschriften können also unbeabsichtigt die Energiewende untergraben, indem sie den Kapitalfluss in Sektoren einschränken, die für die Dekarbonisierung entscheidend sind.

Wie wirksam ist die Taxonomie nun bei der Unterstützung der Energiewende? SFDR 2.0 könnte über Ausschlüsse für neue Projekte im Bereich fossiler Brennstoffe dazu führen, dass ganze Sektoren wie Öl und Gas aus den Strategien zur Energiewende ausgeschlossen werden, obwohl gerade diese Sektoren am dringendsten Veränderungen benötigen. Transition- oder „Übergangs”-Anlagestrategien müssen daher die herkömmlichen „Impact”- oder nachhaltigen Ansätze ergänzen. Bergbauunternehmen sollten mit ihrer Bedeutung für zukunftsorientierte Rohstoffe Teil von Transition-Fonds sein, sofern sie sich an bewährte Praktiken in den Bereichen Menschenrechte, Umweltauswirkungen und Geschäftsverhalten halten.

Nachhaltigkeit muss soziale Faktoren einbeziehen

Damit Nachhaltigkeit bei Investoren wirklich Anklang findet, müssen die Investmentmöglichkeiten überzeugen. Renditen, Wachstum und Aufwärtspotenzial sind es, die Aufmerksamkeit und Kapital anziehen. Die Verbindung von Nachhaltigkeit mit Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit der Lieferkette unterstützt sowohl Umweltziele als auch wirtschaftliche Interessen.

Soziale Faktoren (das „S“ in ESG) bieten oft keine direkten, quantifizierbaren Investmentmöglichkeiten. Sie sollten jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Soziale Maßnahmen wie Arbeitsrechtsreformen, Initiativen zur Gleichstellung der Geschlechter und Verbesserungen in der Unternehmensführung werden zunehmend mit Risikominderung in Verbindung gebracht. Unternehmen, die in Regionen mit fortschrittlichen sozialen Standards tätig sind, sind möglicherweise besser in der Lage, regulatorische, reputationsbezogene und operative Risiken zu bewältigen. Soziale Faktoren werden zu einem integralen Bestandteil der risikobereinigten Performance.

Nachhaltige Finanzierung muss ein Gleichgewicht finden zwischen den versprochenen Chancen und dem notwendigen Risikomanagement. Das „S“ bietet vielleicht nicht immer die gleichen Vorteile wie das „E“, aber es ist unerlässlich für den Aufbau widerstandsfähiger Portfolios. Stakeholder müssen erkennen, dass auch im sozialen Fortschritt – wie in ökologischen Innovationen – ein strategischer Vorteil liegt. Nur wenn beide Aspekte integriert werden, kann Nachhaltigkeit über eine moralische Verpflichtung hinausgehen und ein Geschäftsmodell sein, das Aufmerksamkeit und Handeln erfordert.

www.green-bonds.com – Die Green Bond-Plattform.


 

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