YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Ragnarök?

von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Kai Jordan © mwb Wertpapierhandelsbank AG

(Die Ragnarök (altnordisch „Schicksal der Götter“; aus regin, gen. pl. ragna „Gott“, rök „Ursache, Sinn des Ursprungs“) ist die Sage von Geschichte und Untergang der Götter (Welt­untergang) in der Nordischen Mythologie, wie es die Völuspá prophezeit.)

Der letzte Abschnitt der Ragnarök schildert die neue Welt, die nach dem Unter-gang der alten Welt entsteht. Fälschlich übersetzt wird Ragnarök auch als Götter-dämmerung. Richard Wagner behandelt das Thema auch in der Oper Götter­dämmerung / Ring der Nibelungen. Während die ganze Welt über den Trumpschen Zollirrsinn und die Disruption der bestehenden ökonomischen und politischen Weltordnung diskutiert, ist ein wesentlicher Punkt vollkommen in den Hintergrund getreten, der aber ebenfalls ein wichtiger Einflussfaktor für die künftige Entwicklung an den Kapitalmärkten ist und den wir hier regelmäßig beschrieben haben. 

Die USA sind auf klarem Kurs für einen Zusammenbruch der Staatsfinanzen. Hierüber berichtete das „Congressional Budget-Office“ (CBO) des US-Kongress in einer erneuerten Langfristprognose, die auf die dringende Notwendigkeit einer Kursänderung hinweist. Das CBO beschreibt das das „Deficit Spending“ wie noch nie außer Kontrolle geraten ist. Die Regierung der USA gibt derzeit rund 7 Billionen Dollar aus im Jahr und verzeichnet dagegen Steuereinnahmen von lediglich 5 Billionen. Das entspricht einem Defizit in Höhe von 6% des GDP. Das CBO erwartet das sich die Schuldenaufnahme der USA auf diesem oder gar höheren Level überkommende Dekaden fortsetzt. Kommt es NICHT zu einer Rezession wird die Verschul-dung von derzeit 100% GDP auf 118% in 2035 steigen. 

Die politischen Absichten in der republikanischen Partei zielen aber keines-wegs auf Sparkurs; im Gegenteil: mit den angepeilten Maßnahmen wie Steuer-senkungen wird man noch aufs Gaspedal treten. Und die durch DOGE vorangetriebene Zerstörung des Staatsapparates bringt hier keine wesentliche Entlastung, sondern schafft eher Unfrieden und Unsicherheiten bei den Konsumenten. 

Der jüngste scharfe Anstieg der Renditen an den US-Anleihemärkten reflektiert das eindrucksvoll. Hatten wir zunächst gedacht, es sei der chinesische Bär der Batman Trump

www.mwbfairtrade.com/de/aktuelles/newsdetail-de/news/kapitalmarkt-standpunkt-von-kai-jordan-vorstand-3/;

hier einen auswischen will, indem er mal ein paar von den rund 760 Mrd. US Bonds die China als Investor hält auf die Reise nach Hause schickt, aber beim genauen Hinsehen mussten wir feststellen das der Druck wohl aus allen Ecken kommt. Es scheint, als wolle die Regierung den Dollar dramatisch abwerten, um aus der Schuldenfalle herauszukommen und nicht wettbewerbsfähige US Produkte exportfähig zu machen. Wenn das man gut geht. 

Und in diesem Szenario tritt der US-Präsident der Konjunktur und den globalen Kapitalmärkten mit dem größten Unsinn seit 100 Jahren noch mit Vollgas in den Aller-wertesten. Dazu ist aber schon reichlich kommentiert und geschrieben worden. Das er zunächst mal eine halbe Rolle rückwärts gemacht hat, ist vermutlich einem hohen innenpolitischen Druck zu verdanken. Denn der Allerwerteste schmerzt nicht nur den zahlreichen US Bürgern die ihre Altersversorgung über die Aktienmärkte aufbauen. Er schmerzt vor allem seinen „Kumpels“ aus der Finanz- und Techindustrie wie z.B. dem Milliardär und Hedge-Fund Ikone Bill Ackman, der die Wahl von Batman noch vor wenigen Monaten feierte: 

„the most pro-growth, pro-business, pro-American” administration he’d seen in his adult life.“ 

Nach den Marktturbulenzen in der vergangenen Woche konnte die Riege dann das Wasser nicht mehr halten und hier stellvertretend wieder Ackman: 

“I don’t think this was foreseeable,” the hedge-fund mogul posted on X. “I assumed economic rationality would be paramount.” und weiter das Risiko eines “self-induced, economic nuclear winter.” an die Wand malt. Uns erinnert dieses Kapitel der Freakshow eher an das bekannte Mimimimimi der Muppets Show: 

www.youtube.com/watch;

Über die massiven wirtschaftlichen Interessenkonflikte des Batman hat die FAZ schon am Donnerstag berichtet. Diese Riege plündert das Land skrupellos aus. Es stellt sich nicht mehr die Frage: Was ist wichtiger, die USA oder der Geld-beutel des Präsidenten?

Wem nutzt die gesteuerte Volatilität der Märkte? Es lässt sich vermuten, wenn wir uns die erste Amtszeit des Präsidenten Trump ansehen. Aber auch Elon Musk, dessen Teslas in vielen Teilen der Welt mittlerweile von Aktivisten wie Bürgern verteufelt werden quakt ja bereits seit längerem im Mimimimi… und setzt sich nun mit Vollgas ab. So beschimpfte er den Trump Berater und „Architekten“ des Zollwahns Peter Navorro auf X: „Navarro sei »wirklich ein Idiot« und »dümmer als ein Sack Ziegel“. 

Wenn Europa irgendwann mit Digitalzöllen gegen die US-Techs zurückschlagen würde, dann werden Batman und seine ehemaligen Tech-Jünger merken, wie schnell sich Defizite abbauen. Aber andersherum. 

Nunja, wie heißt es in Deutschland: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“. Und die Aussetzung des Zollirsinns für 90 Tage lässt eben offen was nach den 3 Monaten passiert. Volle Attacke bleibt dagegen der Zollkurs gegenüber China der ja auch auf Peter Navarros Buch „Death by China“ basiert. Navarro bezieht sich hier auf einen Ökonomen „Ron Vara“ der aber rein fiktiv ist und ein Namenspiel. Auf den Autor Navarro selbst. Narzissten treiben Narzissten. 

Und das Risiko, dass diese Auseinandersetzung mit China in einem militärischen Konflikt endet, nimmt langsam zu. Glaubt Sie nicht? Zitat: 

“The United States can no longer produce enough antibiotics to treat our sick,” Trump said in the White House Rose Garden on April 2. “If anything ever happened from a war standpoint, we wouldn’t be able to do it.”

Auch die geostrategischen Analysten von Bloomberg schrieben am Wochenende:

„Trump and Xi Are Preparing for a War Nobody Wants. The US tariffs are aimed at boosting national security, but Trump is alienating allies he would need in any mili-tary conflict with China.“

Es ist zu vermuten, dass auch alle weiteren Vorhaben Bauchklatscher werden, wie alles was Batman bisher angefasst hat. Außer Riesenschäden und viel „digge Hose“ ist diese Regierung ein Totalausfall. Lassen wir Revue passieren: In Gaza wird wieder geschossen, die Deportationen der Palästinenser, um eine Riviera aus dem Gaza Streifen zu machen, der Friedensprozess zur Ukraine, Grönland, Kanada und Panama sind weiterhin souverän, Handelskrise und Finanzkrise wurden zu-nächst nur temporär abgemildert und der Golf von Mexico heißt immer noch so. 

Kommen wir auf Europa. Mancher Ökonom befürchtet, dass China die Güterströme, die es in den USA nicht mehr absetzen wird nach Europa umleitet. Das hat auch eine gewisse Logik. Nur wird der Druck der USA auf die Europäer hinsichtlich einer Sicherheitsgarantie der Nato weiter zunehmen und man wird diese Karte spielen. Es ist zu hoffen, dass auch dieses ganze Theater scheitert, aber sicher ist das nicht. 

Die ehemalige transatlantische Brücke liegt zertrümmert neben dem Wrack der Titanic. Wir hören immer mehr „Buy-Europe“ und auch Banker Amerikanischer Institute in Frankfurt berichten von Kunden, die diese Institute aufgrund ihrer Herkunft auch mal meiden. 

Apropos Deutschland. Unsere Prognosen aus dem Februar Standpunkt, den wir in der Wahlnacht schrieben wurde sind zügig eingetreten bzw. wurden bei weitem übertroffen. Gleichwohl müssen manche noch lernen was TINA heißt. „There is no Alternative“. 

Wir verstehen, dass insbesondere die wirtschaftsorientierten Teile der Unionsparteien vor (Ent)Täuschung schäumen und die Umfragen signalisieren, dass so mancher noch zur sogenannten politischen Alternative umzieht. Es liegt offensichtlich in der DNA des Konservatismus, das es manchmal etwas länger dauert sich an neue Gegebenheiten zu gewöhnen. Und trotzdem muss man die designierte Schroko (Schwarz-Rote-Koalition) loben das sie es gegen alle Widerstände hinbekommen hat auch wenn sich manche Unionschristen „über den Leisten balbiert“ fühlen. 

Es fällt uns auf, dass es immer wieder gutsituierte Herren sind die hier nach Veränderung schreien und mit Hinblick auf das Parteiprogramm der Blauen möglicher-weise einfach nur Selbstbedienung meinen. Wir haben hier bereits auf diesen sehenswerten Offenbarungseid www.ardmediathek.de/video/caren-miosga/was-fuer-ein-deutschland-wollen-sie-frau-weidel/das-ers-te/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2NhcmVuLW1pb3NnYS8yMDI1LTAyLTAyXzIxLTQ1LU1FWg hinge-wiesen. 

Wo sind diese Populisten jetzt? Weidel die für ein Foto mit Herrn Vance posierte? Hat sie dort angerufen und Deutsche Interessen vertreten? Orban, der große Europäer? Und nun soll es ausgerechnet Frau Meloni richten, die dieser Tage ein Dinner mit Trump hat. So „unter Gleichgesinnten“ sind wir mal gespannt was dabei heraus-kommt. 

Wir wären sehr vorsichtig, in diesem Umfeld weiter den Rattenfängern mit den einfachen Rezepten hinterherzulaufen. Sonst erleidet man schnell das Schicksal der amerikanischen „Vorbilder“ wie Ackman & Co. und es heißt es irgendwann dann Mimimimi. Und das Mimimimi wäre noch nicht mal das Schlimmste. Sondern Ragnarök. 

Was heißt das nun für Investoren? Politische Börsen haben kurze Beine predigen die Gesundbeter. Aber die Ausmaße dieser tektonischen Verschiebungen sind doch „ein wenig“ fundamentaler und machen diese Beine deutlich länger. Die Anleger in den so favorisierten MSCI-World Sparplänen merken bereits seit dem Jahreswechsel was mit „Cost-Average-Effekt“ gemeint ist. Es wird sehr lange dauern bis der Globus dieses Chaos wieder aufgeräumt hat. Wenn überhaupt. Und da hilft eher aktives Portfolio-Management, um herauszufinden wer die Profiteure sind und wer auch nicht. Auch wenn es manchmal einen Taler mehr kostet als ein Index-ETF. Gute Fondsmanager sind jetzt wieder erste Wahl. 

Wir denken, dass die Minimum 900 Mrd. Euro, sinnvoll eingesetzt, einen gewaltigen Schub auslösen können – trotz Trump. Das denkt anscheinend auch die Finanzwelt, denn die Entwicklung des Euros gegenüber dem Dollar zeigt dies. Wir sind der Meinung, dass dies auch positive Auswirkungen für viele mittelständische Unternehmen zeigen wird. Wahrscheinlich sogar wieder für eine Aufhellung am Arbeitsmarkt sorgt. Gleichzeitig gehen wir von einem Kapitalbedarf für Anschub-finanzierungen aus, die über den Kapitalmarkt refinanziert werden können.

Dies und neue globale Allianzen gegen die Amerikaner werden uns hoffentlich die Götterdämmerung ersparen. Aber es bleibt sicher ruppig. 

www.fixed-income.org


 

Investment

von Amanda Stitt, Portfolio Specialist bei T. Rowe Price

Die Renditen bleiben im Vergleich zum letzten Jahr­zehnt auf einem hohen Niveau, was auf die anhal­tende Inflation, steigende Haus­halts­defizite und…
Weiterlesen
Investment
Das Jahr 2026 bietet aktuell ein konstruk­tives Makro­umfeld, beurteilt Jörg Held, Head of Portfolio Manage­ment bei ETHENEA Indepen­dent Inves­tors…
Weiterlesen
Investment

von Svein Aage Aanes, Head Fixed Income bei DNB Asset Management

Während sich die Risiko­prämien im europä­ischen und amerika­nischen High-Yield-Markt nahe histo­rischen Tief­ständen bewegen, bleibt der Norden ein…
Weiterlesen
Investment

von RJ Gallo, Deputy CIO Fixed Income bei Federated Hermes

Vor der Eska­lation im Per­sischen Golf signa­lisierten die Wirt­schafts­daten für den Beginn des Jahres 2026 eine Beschleu­nigung der US-Kon­junktur,…
Weiterlesen
Investment

von Serge Nussbaumer, Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix Securities

Der Krieg rund um den Iran sorgt an den Finanz­märkten inzwischen nicht nur für hohe Nervo­sität, sondern für einen spür­baren Preis­schock an den…
Weiterlesen
Investment

Gestiegene Risikoaversion und Volatilität nach der Offensive der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran

Die an diesem Wochen­ende von den Ver­einigten Staaten und Israel gestartete Offensive hat zu Beginn dieser Woche zu einer deutlich erhöhten…
Weiterlesen
Investment
Die Mittel­zuflüsse in aktiv ver­waltete Fonds für globale Unter­nehmens­anleihen über­treffen bei Weitem das Wachs­tum passiver Fonds. Karen Wright,…
Weiterlesen
Investment
Im Markt für Green, Social und Sustai­nability (GSS)-Anleihen war 2025 viel Bewegung und das Emissions­volumen mal wieder fast auf Rekord­niveau.…
Weiterlesen
Investment

von April LaRusse, Leiterin Investment Specialists bei Insight Investment

Viele Anleger gehen davon aus, dass aktive Manager selten ihre Bench­marks über­treffen, und übertragen diese Über­zeugung oft auf alle…
Weiterlesen
Investment

von Noah Barrett, Research Analyst, Janus Henderson Investors

Aufgrund des Beginns einer möglicher­weise anhal­tenden gemein­samen Luft­offensive der USA und Israels gegen den Iran müssen sich Inves­toren erneut…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!