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Neue Aktien- und Anleihenchancen durch unsichere Weltlage

von Chris Iggo, Chair of the Investment Institute bei BNP Paribas Asset Management

Chris Iggo © BNP Paribas Asset Management

Anfang 2026 rechneten die meisten Investoren mit einer guten Welt­kon­junktur und erwarteten aufgrund höherer KI-Investi­tionen stabiles Wachstum.  Man dachte, die Inflation würde weiter fallen, und weltweit würden die Zentral­banken ihre Leit­zinsen entweder senken oder stabil halten. Aber durch die Ereignisse im Iran haben sich diese Einschätzungen verändert. Die Aus­sichten für Wirtschaft und Märkte sind komplexer geworden.

Aktienmärkte: Vorsichtiger Optimismus

Trotz des turbulenten Starts in das Jahr 2026 bleiben die Aussichten für Aktien weitgehend gut. Nach einem schwierigen 1. Quartal, das – vor allem im Technologiesektor und zuletzt aufgrund des Irankrieges – von starken Schwankungen geprägt war, haben sich Konjunktur- und Marktlage seit Anfang Januar nicht nennenswert verändert.

Anfangs waren die Marktteilnehmer mehrheitlich optimistisch für das Weltwirtschaftswachstum, vor allem aber für die USA. Daran hat sich nichts geändert. Die aktuellen Prognosen der geschätzten Gewinne je Aktie im laufenden Jahr sind in vielen Indizes sogar höher als Anfang 2026. Diese positiven Gewinnrevisionen unterstreichen die Stabilität der Unternehmensfundamentaldaten – trotz des kaum zu prognostizierenden Umfelds.

Die Bewertungen, die in volatilen Phasen häufig fallen, sind vergleichsweise stabil geblieben. Bemerkenswerterweise liegen die Bewertungen von Technologieaktien gemessen an Kennzahlen wie dem KGV sowohl in den USA als auch in den Emerging Markets noch immer nahe ihren langfristigen Durchschnitten. Dies spricht dafür, dass diese Aktien trotz der jüngsten Turbulenzen im Vergangenheitsvergleich nicht sonderlich teuer sind. Und das bedeutet Chancen für Investoren.

Ab jetzt dürften mehrere Themen interessant werden. Die Dominanz von Technologieaktien aus den Emerging Markets sollte beispielsweise im Auge behalten werden, zumal sich der amerikanische NASDAQ Index bislang in diesem Jahr unterdurchschnittlich entwickelt hat. Dies könnte ein Zeichen für einen Wechsel an der Spitze des Technologiesektors sein.

In Europa liegt der Schwerpunkt auf den Autonomiebemühungen der Europäischen Union. Die Region will ihre Verteidigungsfähigkeit verbessern und unterstützt zugleich Sektoren wie Pharmazie und Industrie. Durch diese Initiativen dürften neue Investmentchancen am europäischen Markt entstehen – durch eine Anpassung an allgemeinere weltpolitische und industrielle Trends.

Japan bleibt attraktiv, dank anhaltender staatlicher Wachstumsprogramme zur Unterstützung der Binnennachfrage und der Unternehmensgewinne. In den USA könnten – wenn die Federal Reserve ihre Zinsen weiter senkt – Small Caps von einer expansiveren Geldpolitik profitieren.

Alles in allem gilt, dass die fundamentale Lage für Aktien in diesem Jahr trotz aller Unsicherheiten und möglicher weiterer Überraschungen günstig zu sein scheint. Investoren sollten auf Wechsel an der Spitze von Sektoren, weltpolitische Entwicklungen und die Geldpolitik achten. Diese Faktoren werden das Investmentumfeld weiter prägen.

Anleihen: Chancen mit Kurzläufern und High Yield

Die Eskalation im Nahen Osten hat die globalen Energiemärkte erheblich belastet, vor allem über höhere Öl- und Erdgaspreise. Angesichts steigender Energiekosten dürfte die Inflation in Industrieländern anziehen. Die jüngsten Daten bestätigen, dass die Teuerung in Europa im März zugelegt hat. Daraufhin haben die Marktteilnehmer ihre Zinserwartungen angepasst. Einige rechnen mit einer Erhöhung der Leitzinsen.

Dennoch spricht einiges dafür, dass wichtige Zentralbanken wie die Fed und die Bank of England ihre Zinsen in diesem Jahr stabil halten. Die Europäische Zentralbank könnte sich bei anhaltend hoher Inflation für eine leichte Anhebung entscheiden.  Diese vorsichtige Haltung spiegelt sich auch an den Märkten wider. Hier sind höhere Zinsen bereits berücksichtigt, sodass die Anleihenrenditen in allen Laufzeitbereichen gestiegen sind.

Anleiheninvestoren bieten sich im aktuellen Umfeld interessante Chancen, vor allem bei Papieren mit kurzer Restlaufzeit, deren Renditen stark angezogen haben. Stabil waren vor allem die High-Yield-Märkte. Hier werden in den USA Renditen von etwa 7% und in Europa von etwa 6% geboten.  Sie sind auf die höhere Risikoprämie zurückzuführen. Für wählerische Investoren bedeuten sie aber zugleich die Aussicht auf attraktive laufende Erträge.

Auch die Emerging Markets sind sehr interessant. Weil sich Ölexporteure und Ölimporteure sehr unterschiedlich entwickeln dürften, sind die Aussichten uneinheitlich.  Ölexportierende Länder dürften höhere Gewinne erzielen, während einige ölimportierende Länder aus Asien in Schwierigkeiten geraten könnten. Aber der allgemeine Anstieg der globalen Anleihenrenditen spricht für bessere Ertragsaussichten. Das macht Emerging-Market-Anleihen zu einer attraktiven Option, wenn man bei der Auswahl selektiv vorgeht.

Alles in allem machen weltpolitische Spannungen und Inflationsdruck das Umfeld komplexer, aber wir sind überzeugt, dass Investoren in den Bereichen Kurzläufer und High-Yield-Unternehmensanleihen sowie in einigen Emerging Markets Chancen nutzen können.  Eine sorgfältige Einzelwertauswahl und eine strategische Positionierung sind die Voraussetzungen für erfolgreiche Anlagen an den sich ständig verändernden Märkten.

www.fixed-income.org

 

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