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EM-Unternehmensanleihen im Ölsektor: Wenn steigende Ölpreise Gewinner und Verlierer neu bestimmen

von Jason DeVito & Mohammed Elmi, beide Senior Portfoliomanager bei Federated Hermes

Mohammed Elmi © Federated Hermes

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hat die weltweite Ölver­sorgung erheb­lich beein­trächtigt – was sich schließlich auch in den Preisen widers­piegelt: Ein Barrel Brent stieg von rund 70 US-Dollar vor dem Konflikt auf ein kurzes 52-Wochen-Hoch von 126 US-Dollar Ende April und liegt zum aktuellen Zeit­punkt bei etwas unter 110 US-Dollar. Ange­sichts dieser Volatilität ist es kaum verwunder­lich, dass Anleger zuneh­mend verun­sichert in die Zukunft blicken. 

Entscheidend für Schwellenländer bleibt die Frage, welche Folgen der Konflikt für die operative Stärke und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen – insbesondere Ölproduzenten – hat. Um potenzielle Chancen in diesem Bereich identifizieren zu können, zählt vor allem ein scharfes Verständnis der sehr unterschiedlichen Eigenschaften der Akteure in der Ölindustrie der Schwellenländer.

Es ist sinnvoll, den Fokus gezielt auf die Brent-Spotpreise für sofortige Lieferung zu richten statt auf Terminpreise. Auch wenn sich die Preisspannen zuletzt angenähert haben, ermöglichen Spotpreise eine realistischere Einschätzung der aktuellen Belastungen an den Ölmärkten.

Der Grund dafür liegt darin, dass starke Preisschwankungen sowohl Chancen als auch Risiken für die globale Ölindustrie schaffen. Insbesondere Unternehmensanleihen aus dem Ölsektor reagieren empfindlich auf Veränderungen des Brent-Preises und unterliegen dadurch zeitweise erheblichen Volatilitäten. Gleichzeitig bewertet der Markt kleine und mittelgroße Ölproduzenten anders als große Unternehmen der Branche.

Auf die Größe kommt es an
In Zeiten hoher Ölpreise können Anleiheinvestoren bei kleinen bis mittleren Produzenten in der Regel attraktive Renditen erzielen, während diese gleichzeitig positive Realrenditen erwirtschaften. Aufgrund ihrer geringeren Größe weisen diese Ölproduzenten typischerweise niedrigere operative Gewinne pro Barrel (Netbacks) und Breakevens auf. In Zeiten niedriger Ölpreise führt dies folglich zu höheren Abwärtsrisiken.

Anleihen solcher kleineren Betreiber werden in der Regel mit einem erheblichen Abschlag gegenüber denen großer Ölkonzerne gehandelt. Wenn die Ölpreise rasant fallen, differenziert der Markt bei kleineren Emittenten oft nicht mehr angemessen und ignoriert die Unterschiede in Qualität und Bonität. Dies eröffnet attraktive Anlagemöglichkeiten, sobald sich der Ölpreis stabilisiert und die Marktverwerfungen abklingen.

Im Gegensatz dazu stehen die großen Ölproduzenten, die von ihren groß angelegten und vertikal integrierten Geschäftsmodellen profitieren. Dank ihrer höheren Produktionsvolumina, der Kostenverteilung, niedrigerer Gewinnschwellen und eines guten Zugangs zu den Kapitalmärkten verfügen diese Unternehmen in der Regel über höhere Bonitätsratings.

Anleihen dieser Emittenten werden in der Regel mit deutlich niedrigeren Renditen gehandelt und sind weit weniger anfällig für starke Stimmungsschwankungen am Markt als jene kleinerer Wettbewerber. Vor allem große Ölproduzenten sind gut positioniert, um auch Phasen schwerer wirtschaftlicher Turbulenzen zu überstehen. 

Der EMD-Markt ist breit diversifiziert und umfasst sowohl Gewinner als auch Verlierer der stark steigenden Ölpreise. Produzenten aus den Grenzregionen Subsahara-Afrikas wie Angola, Nigeria und Gabun dürften am meisten von den aktuellen Verwerfungen profitieren, da sie in ihren jeweiligen Haushalten für 2026 von einem konservativen Ölpreis von 60 US-Dollar ausgehen. In Mittel- und Südamerika hat sich Brasilien nach und nach zum dominierenden regionalen Energieproduzenten und -exporteur entwickelt. 

Unterdessen werden Ölimporteure wie die Türkei mit höheren Leistungsbilanzdefiziten und einer steigenden Inflation zu kämpfen haben, was zu einer strafferen Geldpolitik führen könnte. Wir gehen verstärkt davon aus, dass viele Schwellenländer nun die Zinsen anheben könnten, um die durch höhere Lebensmittel- und Energiepreise verursachte Inflation zu bekämpfen.

www.fixed-income.org

 

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