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Goldpreisentwicklung - wie geht es weiter?

von Charlotte Peuron, Portfolio Manager Thematic Equities, Crédit Mutuel Asset Management

© pixabay

Gold, das häufig als eine Form von „Währung“ betrachtet wird, profitierte seit der COVID-Krise erheblich von den hohen Haus­halts­defiziten in den Inddustrie­ländern. Die ausge­sprochen expansive Fiskal­politik führte zu einer deutlichen Ausweitung der Staats­ver­schuldung, schwächte die jeweiligen Emittenten­währungen und stärkte damit die relative Attraktivität von Gold gegenüber Fiat-Währungen wie USD oder EUR.

Nach mehreren Jahren stabiler Wertentwicklung befindet sich Gold seit dem Iran-Konflikt und der sogenannten „Schlacht um die Straße von Hormus“ in einer Konsolidierungsphase. Für diese Entwicklung sind mehrere Faktoren maßgeblich:

1.  Wie in vergleichbaren Krisensituationen üblich, wurde Gold zu Beginn des Konflikts zunächst in den allgemeinen Markt-„Sell-off“ einbezogen.

2.  Mehrere Zentralbanken nutzten das historisch hohe Preisniveau, um Teile ihrer Goldreserven zu veräußern und damit staatliche Ausgaben zu finanzieren; Gold behält somit weiterhin seine Funktion als strategischer Reservewert.

3.  Auch kurzfristig orientierte Investoren realisierten Gewinne, insbesondere durch Verkäufe von Gold-ETFs im März.

Derzeit wird die Goldpreisentwicklung stärker von der Dynamik realer Zinsen und geldpolitischer Erwartungen beeinflusst als von geopolitischen Risiken. Der angebotsseitige Schock am Ölmarkt sowie die potenziellen wirtschaftlichen und inflationären Folgen haben die Erwartungen an weitere Zinssenkungen durch die US-Notenbank FED weitgehend zunichtegemacht. Dies belastet die Edelmetallpreise zusätzlich. Vor dem Hintergrund des aktuellen Marktumfelds dürfte diese erhöhte Volatilität anhalten, solange die bestehenden Unsicherheiten fortbestehen.

Mittelfristig bleiben wir jedoch positiv, da die fundamentalen Rahmenbedingungen weiterhin solide erscheinen. Zentralbanken treten global betrachtet unverändert als Nettokäufer von Gold auf; allein im ersten Quartal 2026 beliefen sich die Käufe auf mehr als 244 Tonnen (Quelle: World Gold Council, Q1 2026). Gleichzeitig haben sich die Zuflüsse in Gold-ETFs im April stabilisiert und wieder erholt.

Sollte sich das Inflationsumfeld stabilisieren, dürfte Gold nach Abschluss des Zinserhöhungszyklus erneut verstärkt als Absicherungsinstrument gefragt sein. Darüber hinaus sind die fiskalpolitischen Reaktionen seit der Krise um die Straße von Hormus bislang vergleichsweise „orthodox“ geblieben, da zusätzliche Konjunkturimpulse bislang begrenzt ausfielen. Dennoch bleibt das Risiko steigender Staatsausgaben kurzfristig hoch, was die Goldpreise erneut unterstützen dürfte.

Sollte der Konflikt hingegen zeitnah beendet werden und keine zusätzliche Inflationsdynamik auslösen, dürfte die FED versuchen, die Konjunktur durch eine Wiederaufnahme ihres Zinssenkungszyklus zu stimulieren. Beide Szenarien sind grundsätzlich unterstützend für den Goldpreis.

www.fixed-inocme.org

 

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