Anleihen aus dem Öl- und Gasbereich sind Profiteure aus dem Preisschock in Folge des Iran-Krieges, wie Norbert Schmidt und Gerhard Mayer, Fondsmanager des FU Fonds – Bonds Monthly Income bei Heemann Vermögensverwaltung AG, erläutern. Kurzfristig führt das operative Momentum durch die höheren Preise dazu, dass sich die Bonität deutlich verbessert. Die Fondsmanager sehen aber auch attraktive Investmentchancen im Bereich Luftfahrt und Tourismus, wie z.B. bei TUI Cruises. Mit einem Ergebnis von über 600 Mio. Euro nach Steuern im Jahr 2025 verdient dieser Unternehmensteil fast genauso viel wie der gesamte TUI-Konzern.
BOND MAGAZINE: Der Iran-Krieg überschattet die Kapitalmärkte. Die deutlich gestiegenen Öl- und Gaspreise dürften zu einem Anstieg der Inflation führen. Welche Auswirkungen hat dies auf das Zinsniveau und den Anleihenmarkt?
Mayer: Grundsätzlich ist der Reflex bei Inflationsanstiegen immer gleich – die Zinsen steigen und kurzfristig gehen die Kurse von Anleihen leicht zurück. Spannend ist die Frage, wie nachhaltig dieser Preisschock wirkt. Hier haben wir in den letzten Wochen eine auch für den Anleihemarkt hohe Volatilität gesehen. Je nach Nachrichtenlage werden fast im Wochenrhythmus Zinssenkungen ein- und wieder ausgepreist.
BOND MAGAZINE: Es gibt einige Geschäftsmodelle, die von den gestiegenen Öl- und Gaspreisen profitieren. Sind Anleihen von Öl- und Gasunternehmen attraktiv oder sind viele schon zu gut gelaufen?
Schmidt: Anleihen aus dem Öl- und Gasbereich sind die naheliegendsten Profiteure aus dem Preisschock in Folge des Iran-Krieges. Auch diese Anleihen können sich natürlich nicht dem Kursdruck durch ein steigendes Zinsniveau entziehen. Aber kurzfristig führt das operative Momentum durch die höheren Preise dazu, dass sich die Bonität deutlich verbessert. Damit sinken die Risikozuschläge deutlich und die Kursperformance ist im Vergleich zum Gesamtmarkt überdurchschnittlich.
Mayer: Interessant ist auch der Blick über den Tellerrand. Der Bereich Öl & Gas ist ja lediglich ein Teilbereich des Energiemarktes. Energie insgesamt ist ein weltweit gefragtes Gut, das neben der wachsenden und sich weiterentwickelnden Weltbevölkerung zusätzlich den Ausbau der Künstlichen Intelligenz-Infrastruktur beschleunigt. Grundsätzlich sind damit auch andere Teilsektoren innerhalb des Energiebereiches interessant. Ich denke da zum Beispiel an erneuerbare Energien, aber auch energie-intensive Bereiche wie die Düngerproduktion.
BOND MAGAZINE: Welche Anleihen aus dem Sektor sind interessant?
Schmidt: Eines unserer Top 10-Investments ist die Euro-Anleihe von Ithaca Energy, einem der größten konzernunabhängigen Öl & Gas-Förderer in der Nordsee. Mit einer Rendite von über 5%, einer sehr geringen Verschuldung von weniger als 0,5x EBITDAX (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationsaufwendungen) und einem ehemaligen S&P-Emittenten-Rating von BB-, welches im März 2026 auf Wunsch des Unternehmens zurückgegeben wurde.
BOND MAGAZINE: Unternehmen aus den Bereichen Luftfahrt und Tourismus leiden unter den hohen Öl-/Kerosinpreisen. Sehen Sie in den Branchen interessante Anleihen?
Schmidt: Auch in diesem Umfeld gibt es Gewinner in vermeintlich betroffenen Sektoren. Entscheidend ist hierbei, wie einzelne Unternehmen abgesichert sind. Diese Absicherung kann auf mehreren Ebenen stattfinden. Einerseits sind Unternehmen interessant, die einen bestehenden Track Record in der Absicherung von eventuell steigenden Rohstoffkosten haben. Andererseits sind Geschäftsmodelle interessant, die von standortspezifischen Einflüssen, aber auch hinsichtlich des Kundensegments nicht beeinträchtigt sind. Konkret leiden beispielsweise Fluglinien, die auf die Drehkreuze am Persischen Golf angewiesen sind. Auch nachgelagerte Geschäftsmodelle wie Tourismus, aber auch der Handel vor Ort sind direkt betroffen von den aktuellen weiter ungelösten Konflikten. Für uns haben wir das Unternehmen TUI Cruises als einen der Outperformer innerhalb des Tourismus-Segments identifiziert.
BOND MAGAZINE: Ist TUI Cruises interessanter als TUI?
Mayer: Absolut! TUI Cruises ist ein reines Kreuzschifffahrtsunternehmen, welches jeweils zu 50% den Joint Venture-Partnern TUI und der US-amerikanischen Royal Caribbean Group (einem der größten Kreuzfahrtunternehmen der Welt) gehört. Mit einem Ergebnis von über 600 Mio. Euro nach Steuern im Jahr 2025 verdient dieser Unternehmensteil fast genauso viel wie der gesamte TUI-Konzern. Hierbei sind die wirtschaftsstarke Kundengruppe und die hohe Planungssicherheit durch lange Vorausbuchungen noch gar nicht berücksichtigt. Daher definitiv ja: TUI Cruises ist interessanter als TUI!
BOND MAGAZINE: Die Mein Schiff 4 und 5 steckten in den Emiraten fest. Sind die Zahlen von TUI Cruises trotzdem gut?
Schmidt: Ja, die Zahlen wären trotzdem gut. Das Management hatte alle Risiken zum Schutz der Kunden, Mitarbeiter und Schiffe bestmöglich begrenzt. Die zwei betroffenen Schiffe sind lediglich ein Bruchteil der Gesamtflotte von insgesamt 13 Schiffen bestehend aus der Mein Schiff-Flotte und den Hapag-Lloyd-Kreuzfahrtschiffen. Das Management hatte die laufenden Kosten der festsitzenden Schiffe den Anleihegläubigern vertraulich offengelegt. Zwischenzeitlich ist die „Befreiung“ der Schiffe aus dem Persischen Golf ohne weitere Vorfälle geglückt. Beide Schiffe sind wieder im Einsatz. Durch diesen Erfolg bleibt der Schaden, der für das Unternehmen entstanden ist, eng begrenzt und bedeutet für das Jahresergebnis wohl nur eine kleine Delle.
Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org
„TUI Cruises ist interessanter als TUI!“, Norbert Schmidt und Gerhard Mayer, Fondsmanager des FU Fonds – Bonds Monthly Income bei Heemann Vermögensverwaltung AG
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