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UBP House View Mai: Gewinne wiegen stärker als Geopolitik

Michaël Lok © UBP

Infolge des Iran­kriegs erwartete die Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) bereits im April einen Inflationsschock und weitere Zurück­haltung der Zentral­banken. „Auch wenn sich dieses Szenario nun bewahrheitet und die Aus­sichten auf eine nennens­werte geld­politische Lockerung geschmä­lert hat, sind die Aktien­märkte in den USA und den Schwellen­ländern, insbe­sondere in Taiwan und Südkorea, auf neue Allzeit­hochs gestiegen. Dieses Paradoxon verdient eine genauere Betrachtung“, schreibt Michaël Lok, Group CIO und Co-CEO Asset Manage­ment der UBP, in einem aktuellen Marktbericht.

Irankrieg und Allzeithochs – wie passt das zusammen?
Dass die Aktienmärkte trotz der Unsicherheit im Nahen Osten und eines Brent-Rohölpreises von über 100 USD/Barrel neue Höchststände erreichen, mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Die aktuelle Rallye spiegelt der UBP zufolge die Stärke des Gewinnzyklus wider, insbesondere im Technologiesektor, wo künstliche Intelligenz weiterhin für eine deutliche Beschleunigung bei Investitionen, Umsätzen und Gewinnen sorgt. Der Nahostkonflikt habe nicht nur bestehende wirtschaftliche Gleichgewichte gestört, sondern auch als Beschleuniger für zwei große transformative Kräfte gewirkt – den Wettlauf um die Vorherrschaft bei künstlicher Intelligenz (KI) und die Neuordnung der geopolitischen Landschaft.

Gewinnzyklus und Ressourcen-Nationalismus prägen den aktuellen Markt
Erstens beflügeln erhebliche Investitionen in die KI-Infrastruktur direkt den globalen Gewinnzyklus, wobei die USA und Asien im Zentrum dieser technologischen Revolution stehen. Zweitens hat der Konflikt die strukturelle Anfälligkeit der Energiemärkte offenbart und den Ressourcen-Nationalismus beschleunigt, wodurch die Energiesicherheit zu einem strukturellen Anlagethema geworden ist. „Die Märkte konzentrieren sich zunehmend auf die Beständigkeit der Gewinne, insbesondere in Sektoren, die direkt von KI und Energieinfrastruktur betroffen sind. Diese Dynamik sollte jedoch bestimmte Schwachstellen nicht verschleiern: Die erhöhte sektorale Konzentration und das Tempo der Neubewertung der Gewinne rechtfertigen beide ein aktives kurzfristiges Risikomanagement“, schreibt Lok auch im Hinblick auf die laufende Berichtssaison.

Schwellenländeranleihen locken mit attraktiven Renditen
Bei festverzinslichen Wertpapieren stützt sich das Szenario der UBP bei positiven Renditen von 5–6% im Jahr 2026 nun stärker auf Carry-Erträge. „Wir bevorzugen Schwellenländeranleihen, wo die Renditen attraktiv bleiben, sich die Ratings weiter verbessern und die Fundamentaldaten solide bleiben. Hohe Rohstoffpreise sorgen für zusätzlichen Rückenwind, stärken die Haushalts- und Außenhandelspositionen ressourcenreicher Volkswirtschaften und untermauern die fundamentalen Argumente für diese Anlageklasse“, führt Michaël Lok aus.

Aktien bleiben jedoch die Kernanlageklasse der UBP, wobei sie den US-Markt, Technologie sowie Sektoren mit Bezug zu Elektrifizierung und Energiesicherheit bevorzugt. Die UBP behält auch ihre Allokation in Gold bei, dessen langfristiger Zyklus sich verstärkt, gestützt durch die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken und die Diversifizierung der internationalen Reserven.

„In einer Welt, die einen tiefgreifenden Umbruch durchläuft, wird die Fähigkeit zum aktiven Risikomanagement der entscheidende Unterscheidungsfaktor sein“, ist der UBP-Stratege überzeugt.

www.fixed-income.org

 

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