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Welche Chancen bieten Europäische Immobilienkredite in Zeiten anhaltend hoher Zinsen?

von Vincent Nobel, Head of European Real Estate Debt bei Federated Hermes

Vincent Nobel © Federated Hermes

Immobilien­kredite haben in einem Umfeld dauerhaft höherer Zinsen wieder an Attrak­tivität gewonnen. Allerdings greift die reine Betrach­tung des Zins­niveaus zu kurz: Im Immobilien­sektor ist vor allem die Richtung der Zinsent­wicklung ent­scheidend. Das liegt maß­geblich in der Illiquidität der Anlage­klasse begründet, in der Bewer­tungen nur schritt­weise erfolgen und eine Neuge­wichtung bei Verän­derungen der Markt­lage schwierig ist.

Wenn sich das Zinsumfeld verändert, federn Aktienanleger die Volatilität oft direkt ab, wobei sich Renditen erst beim Verkauf realisieren. Senior-Immobilienkredite hingegen zeichnen sich durch vertraglich vereinbarte Erträge sowie ihre vorrangige Stellung in der Kapitalstruktur aus. Anleger werden hier auch in Zeiten größter Unsicherheit ausgezahlt, anstatt auf eine Marktstabilisierung warten zu müssen. Während Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau unverzichtbar bleiben, können Anleihen dazu beitragen, Konjunktur- und Marktzyklen abzufedern. Sie liefern stabile, ertragsorientierte Renditen und ermöglichen zugleich einen gewissen Schutz vor Kursrückgängen infolge von Kapitalwertverlusten.

In Europa bieten sich im sogenannten Lower-Mid-Market besonders attraktive Chancen. Für uns umfasst dieses Segment Objekte mit einem Wert von etwa 20 bis 60 Millionen Euro sowie Finanzierungen in einer Größenordnung von rund 10 bis 50 Millionen Euro.  Auch wenn Banken in einigen Märkten weiterhin etwa 75 bis 80 Prozent des Immobilienkreditvolumens bereitstellen, bewegt sich dieses Marktsegment tendenziell außerhalb der besonders stark umkämpften und margengetriebenen Bereiche.

Hier legen Kreditnehmer oft ebenso viel Wert auf Schnelligkeit, Sicherheit und maßgeschneiderte Strukturierung wie auf den Nominalpreis. Wer als Nicht-Bank-Kreditgeber Preissetzer statt Mitläufer sein möchte, benötigt einen vermögensbasierten und äußerst selektiven Ansatz: Denn ein gutes Objekt ist nicht zwangsläufig ein attraktives Investment, wenn der Wettbewerb die Margen unter das angestrebte risikoadjustierte Niveau drückt. Der Fokus sollte auf Finanzierungssituationen liegen, in denen Kapital einen echten Mehrwert schaffen kann und entsprechend vergütet wird.

www.fixed-income.org

 

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