Für die Finanzmärkte waren die letzten Wochen turbulent. Gold und Silber bildeten da keine Ausnahme. Nach einem sehr starken Jahr 2025 erreichte der Goldpreis im Januar mit 5.405 US-Dollar pro Unze ein neues Allzeithoch. Im März brach er dann um 12% ein und verzeichnete damit die schlechteste Monatsperformance seit Juni 2013. Trotzdem lag Gold Ende März in der Betrachtung seit Jahresanfang immer noch mit 5,5% im Plus.
Der Iran-Konflikt und das komplexe geopolitische Umfeld dämpften die Markterwartungen an eine weitere Lockerung der Zinsen durch die US-Notenbank (Fed). Gleichzeitig blieben die kurzfristigen Inflationserwartungen unverändert. Die Realzinsen stiegen, was schlecht für Gold und Silber ist, und spekulative Händler verkauften ihre Bestände.
Wenn die Märkte erwarten, dass die Zentralbanken ihren Kurs ändern und die Zinsen deutlich straffen werden, ist das in der Regel negativ für Gold und Silber. Unserer Ansicht nach haben die spekulativen Händler jedoch überreagiert.
Der Ausblick bleibt positiv
Angesichts des Nahost-Konflikts haben sich viele Anleger zuletzt gescheut, größere Anpassungen an ihren Portfolios vorzunehmen. Wir sind uns der großen Unsicherheiten an den Finanzmärkten bewusst, halten aber trotzdem an unserem positiven Ausblick für Gold und Silber fest.
Hinter der jüngsten Gold- und Silberrally haben zum einen spekulative Händler und globale Hedgefonds gestanden, zum anderen Privatanleger, die in den letzten rund zwölf Monaten durch die steigenden Preise der monetären Metalle in den Markt gelockt wurden. Außerdem haben die Zentralbanken ihre Goldbestände in den letzten Jahren aufgestockt.
Keinen Anteil an den jüngsten Kurssteigerungen haben dagegen Asset-Allokatoren und Long-only-Anleger. Dazu gehören globale Investmentfonds und Pensionskassen, die unserer Ansicht nach in Gold und Silber unterinvestiert sind. Wir gehen davon aus, dass sich dies früher oder später wieder ändern wird.
„MAG 7“-Aktien und Private Markets
Long-only-Anleger waren in den letzten Jahren sehr stark auf Technologiewerte wie die MAG 7 (Microsoft, Apple, Nvidia usw.) sowie auf Private-Market-Anlagen fixiert und scheinen andere Anlageklassen dafür eher links liegen gelassen zu haben.
Aktuell stellen wir uns zwei Fragen: Was könnte für neue Impulse am Gold- und Silbermarkt sorgen? Und wie könnte das Interesse von Long-only-Anlegern wieder geweckt werden? An der fundamentalen Unterstützung für Gold und Silber hat sich unserer Ansicht nach nichts geändert.
Wir scheinen uns in der Endphase eines ausgedehnten Zyklus zu befinden, der geprägt war von der Hegemonie der USA und der Vorherrschaft von Dollar und US-Staatsanleihen als wichtigsten risikolosen Vermögenswerten im globalen Finanzsystem. Seit einiger Zeit sorgen sich die Märkte zunehmend über die Finanzlage der USA mit ihren steigenden Haushaltsdefiziten und hohen Finanzierungskosten. Dieses Problem hat nicht nur die US-Regierung; auch Frankreich, Italien, Großbritannien und Japan haben erhebliche Schulden angehäuft. Das ist ein Grund dafür, dass die großen Fiatwährungen – Dollar, Euro, Pfund und Yen – in den letzten 25 Jahren gegenüber Gold an Wert verloren haben.
Unabhängig davon, wie der Konflikt im Nahen Osten ausgeht, dürften diese längerfristigen, grundlegenden Probleme bestehen bleiben.
Zwei Szenarien
Sollte der Krieg bald enden, könnte sich am Markt erneut die Erwartung durchsetzen, dass die Fed ihren Zinssenkungszyklus wieder aufnehmen wird und die Inflation unter Kontrolle bleibt. Davon sollten monetäre Metalle profitieren.
Ein für Anleger schwierigeres Szenario wäre ein längerer Krieg, der zu Lieferkettenstörungen, anhaltend hohen Öl- und Gaspreisen und einem Stagflationsumfeld wie in den 1970er Jahren führt.
Dies wäre vermutlich negativ für Risikoanlagen und traditionelle 60/40-Portfolios (60% Aktien, 40% Anleihen) und könnte dazu führen, dass sich Long-only-Allokatoren Gold und Silber zuwenden. Ich vergleiche diese riesige Anlegergruppe gerne mit einem Flugzeugträger. Wenn dieser seinen Kurs ändert und wieder Gold und Silber ansteuert, könnte das dem Markt neuen Schwung verleihen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Ergebnisse von Anlagen in Gold und Silber sowie Gold- und Silberminenaktien erheblich von den Erwartungen abweichen können. Die Preisentwicklung hängt von der physischen Nachfrage und dem physischen Angebot sowie von den Kapitalströmen, dem Marktvertrauen und makroökonomischen Entwicklungen ab. Alle diese Faktoren können sich schnell ändern.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels scheinen sich Gold und Silber genauso wie andere Anlageklassen in einer Halteposition zu befinden, da die Anleger auf mehr Klarheit warten.
Goldverkäufe der Türkei?
In den Medien wurde zuletzt mehrfach über Goldverkäufe der türkischen Zentralbank und ihre möglichen Auswirkungen auf den Markt berichtet. Den Berichten zufolge wollten die türkischen Währungshüter damit die Lira stützen. Meiner Ansicht nach haben die Goldverkäufe jedoch eher mit der wirtschaftlichen Lage der Türkei zu tun. Außerdem werden derartige Transaktionen über die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) abgewickelt, wobei das Gold an die Zentralbank eines anderen Landes verkauft wird. Eine solche Transaktion hätte keine Auswirkungen auf die Marktpreise. Die BIZ ist eine globale Finanzinstitution, deren Eigentümer die Mitgliedszentralbanken sind.
Dieses Ereignis unterstreicht die Rolle von Gold als wichtigem Reserve-Asset für Zentralbanken, die dieses zum Schutz vor Inflation und Marktrisiken einsetzen. Nach Angaben des World Gold Council haben diese Institutionen ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren erhöht.
Dank ihrer Diversifikations- und Liquiditätsmerkmale haben sich Gold und Silber in Zeiten von Marktvolatilität, geopolitischer Instabilität und wirtschaftlicher Unsicherheit als Wertspeicher bewährt. Wir bleiben geduldig und optimistisch, da wir davon überzeugt sind, dass Gold und Silber sowie Gold- und Silberminenaktien eine wichtige Rolle in gut diversifizierten Anlageportfolios spielen.
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