YAML | Example "3col_advanced"
Anzeige

Anzeige
Anzeige
Anzeige

KI-Wachstumstreiber: Sieben auf einen Streich

Humberto Nardiello © DPAM

Die jüngsten KI-Fort­schritte lassen ver­muten, dass wir erst am Anfang stehen. Das end­gültige Potenzial ist offenbar noch größer als bislang ange­nommen, urteilt Humberto Nardiello, Fonds­manager bei DPAM. Er identi­fiziert sieben maßgebliche Entwicklungen:

1.  Kognitive Fähigkeiten: Werkzeuge wie Claude Code von Anthropic sind in der Lage, Software mit minimalem menschlichem Zutun zu entwickeln. Dieser Produktivitätsschub senkt Grenzkosten, erhöht den Output und steigert reale Einkommen. Die Nachfrage nach Softwareentwicklern bleibt robust, obwohl KI Tools stark an Bedeutung gewinnen. Mit der Rechenleistung existiert zudem eine natürliche wirtschaftliche Grenze der vollständigen Automatisierung, weil ihr Bedarf mit zunehmender Nutzung schneller wächst als die verfügbare Kapazität und Energie.

2.  Aufstieg der KI-Agenten: Im Gegensatz zu Chat Schnittstellen, die auf Anfrage reagieren, führen Agenten Aufgaben kontinuierlich aus. KI entwickelt sich damit vom Werkzeug zur ausführenden Instanz, die tief in wirtschaftliche Prozesse eingebettet ist. Die Nachfrage nach Rechenleistung steigt damit sprunghaft an. Sie ist nicht mehr an die Anzahl der Nutzerlizenzen gebunden, sondern an die Zahl parallel laufender Prozesse.

3.  Monetarisierung: Von Pauschalabonnements verschiebt sich das Nutzungsmodell hin zu einer nutzungsbasierten („Pay per use“)-Bepreisung. Preise können nach Nutzungsintensität, Zahlungsbereitschaft und Sensitivität gegenüber Latenzzeiten differenziert werden. Dies erweitert erstens das Umsatzpotenzial für Modellanbieter, da die Preisbildung mit dem geschaffenen Mehrwert skaliert. Zweitens adressiert sie die häufig von Skeptikern geäußerte Sorge einer „zirkulären Finanzierung“. Wenn Nutzung gemessen wird und die Nachfrage elastisch auf Produktivitätsgewinne reagiert, ist das Umsatzwachstum nicht künstlich, sondern direkt an realwirtschaftliche Wertschöpfung gekoppelt. Das Ergebnis ist ein nachhaltigerer Monetarisierungskreislauf.

4.  Wandel der Infrastruktur: Einen Prompt und seinen Kontext zu verstehen, ist rechenintensiv, während die Generierung von Tokens stark von Speicherbandbreite abhängt. Diese Trennung ermöglicht eine effizientere Verteilung von Workloads über heterogene Rechenressourcen. Ältere GPUs können für erstere Aufgaben weiterverwendet werden; neuere oder spezialisierte Systeme übernehmen zweitere. Damit verlängert sich die wirtschaftliche Nutzungsdauer von GPUs deutlich, d. h. die Abschreibungsbelastung sinkt und man braucht weniger Kapital pro Output Einheit. Für Hyperscaler bedeutet dies langfristig höhere Renditen – insbesondere, da sich die Infrastruktur zunehmend von der Trainingsphase, die keine direkten Umsätze generiert, hin zur umsatzbringenden Inferenzphase verschiebt. Effizienzgewinne erweitern das Angebot, selbst während sich die Nachfrage weiter beschleunigt.

5.  Frontier KI Modelle: Modelle wie die von Anthropic und OpenAI lassen sich erstmals sehr schnell und zugleich effizient monetarisieren: Beide Unternehmen steigern ihre Umsätze in sehr kurzer Zeit – ein Beleg dafür, dass Large Language Models im großen Maßstab wirtschaftlich tragfähig sind – insbesondere durch den Übergang zu nutzungsbasierter Bepreisung, bei der Erlöse an den tatsächlichen Einsatz gekoppelt sind. Gleichzeitig verlagert sich der Markt von der Trainings- in die Inferenzphase, in der Umsätze direkt generiert werden und mehr Auslastung für höhere Effizienz sorgt.

6.  KI in der physischen Welt: Die Entwicklung geht über reine Softwareanwendungen hinaus. Systeme entwickeln sich etwa beim autonomen Fahren – sie erfassen komplette Szenen, antizipieren Verhalten und setzen Wahrnehmung direkt in Handlung um. Diese Fähigkeiten sind branchenübergreifend einsetzbar – von Logistik über industrielle Fertigung bis hin zu Mobilität.

7.  Steile Steigung: Unternehmen nutzen KI immer mehr. Der Markt für Unternehmens KI könnte ein Volumen von 3 bis 5 Billionen US-Dollar erreichen; derzeit dürfte die Marktdurchdringung noch unter 10 % liegen. Der Weg führt von Chat Anwendungen über direkt in Arbeitsabläufe integrierte KI Lösungen hin zu aufgabenspezifischen Tools, gefolgt von vollständig autonomen Agenten und schließlich koordinierten Agenten-Netzwerken. Gesamtwirtschaftliche Ungewissheit dürfte diesen Prozess eher beschleunigen: Ein schwächeres Umfeld verstärkt den Anreiz, Arbeitskosten zu senken, neue Technologien zu integrieren und die Produktivität zu steigern. KI wird zum deflationären Instrument.

Fazit:
KI bietet eine Kombination aus stärkerer Nachfrage, verbesserter Monetarisierung, langlebigeren Computer Assets und klaren Renditeaussichten. Gemessen an den enormen Chancen scheint KI noch wenig durchgedrungen zu sein. Es ist einer jener seltenen Momente, in denen das fundamentale Wachstum und die Investmentargumentation gleichzeitig überzeugen.

www.fixed-income.org
 

Investment
Das dritte Quartal 2026 stand im Zeichen geo­politisch getrie­bener Energie­preise und restrik­tiver Noten­banken. Die Kon­junktur blieb über­raschend…
Weiterlesen
Investment

von Richard Bernstein, Global Head of Macro and Customized Investing, Chris Benway, Director of Research, and Michael Talaga, Global Head of Credit…

Anleger neigen dazu, den Zentral­banken viel Aner­kennung für die mehr als 30 Jahre an­dauernde Des­inflation zu zollen, die vor der Pandemie…
Weiterlesen
Investment

von Ken Orchard, CIO Fixed Income, T. Rowe Price

Steigende Anleihe­renditen bedeuten nicht zwangs­läufig, dass die Zentral­banken alle Zinser­höhungen vor­nehmen werden, die die Märkte derzeit…
Weiterlesen
Investment
Europä­ische High-Yield-Anleihen bieten weiterhin attraktive laufende Erträge, während das Durationsrisiko vergleichs­weise begrenzt bleibt. Die…
Weiterlesen
Investment

von Thomas Timmermann, Fondsmanager bei DPAM

Der Markt für Schwellen­länder-Unter­nehmens­anleihen hat heute ein Volumen von 2,6 Billionen US-Dollar und über­trifft sowohl den globalen…
Weiterlesen
Investment
Strategie­wechsel bei BlackRock. Nach fast zwei Jahren der Überge­wichtung werden US-Aktien auf neutral zurück­gestuft und US-Staats­anleihen…
Weiterlesen
Investment

Renditen langlaufender Staatsanleihen sind auf ein Niveau gestiegen, das zuletzt zur Zeit der globalen Finanzkrise zu beobachten war

Der aktuelle Ausver­kauf von lang­lau­fenden Anleihen hat die Argu­mente gestärkt, kurz­laufende Anleihen in Betracht zu ziehen, da stei­gende…
Weiterlesen
Investment
Wer in Bukarest Blut spendet, bekommt als Danke­schön die Chance, Anleihen zu zeichnen. Was wie eine Kuriosität wirkt, steht für einen größeren Trend:…
Weiterlesen
Investment
Anleger richten ihren Blick derzeit zu stark auf steigende Renditen und geopo­litische Risiken und unter­schätzen dabei die verbesserten…
Weiterlesen
Investment
Viele Analysten gehen davon aus, dass die Cash­flows der Hyper­scaler in den kommenden Jahren negativ werden. Grund dafür ist der beispiellos hohe…
Weiterlesen
Anzeige

Neue Ausgabe jetzt online!