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Rentenmärkte: Lockruf der Schwellenländer

Thorsten Fischer © Moventum AM

Die Renten­märkte treten in eine neue Phase ein: Während die US-Zins­kurve auch 2026 eine weitere Verstei­lerung erleben könnte, sollte Europa stabiler bleiben. Gleich­zeitig punkten Schwellen­länder mit hohen Real­renditen und attraktiver Zins­dynamik. „Für rendite­orientierte Anleger gibt es damit zahlreiche Möglichkeiten, ihre Portfolio­per­formance aufzupeppen“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Manage­ment bei Moventum AM.

Handelskonflikte, geopolitische Spannungen, steigende Staatsschulden, nachlassende Dynamik in den USA, schleppende Erholung in Europa – die Weltwirtschaft ist nicht arm an Herausforderungen. Ein Problem aber hat sich vorerst verabschiedet: die Inflation. Doch aufgrund des längsten Government-Shutdowns der US-Geschichte wurden die jüngsten US-Inflationsdaten mit Verzögerung veröffentlicht und sind auch inhaltlich mit Vorsicht zu interpretieren: „Teile der Datengrundlage mussten geschätzt oder konnten gar nicht erhoben werden, weshalb die Zahlen unter Ökonomen als unsicher gelten“, so Fischer. Nichtsdestotrotz ist in den USA sowohl die Gesamtinflation (2,7 Prozent) als auch die Kerninflation (2,6 Prozent) zuletzt deutlich gefallen, insbesondere die Wohnkosten drücken die Teuerungsrate. In der Eurozone herrscht Preisstabilität, die Inflationserwartungen sind gut verankert.

Getrieben durch die Schwäche am Arbeitsmarkt senkte die Federal Reserve im Dezember ihren Leitzins auf 3,50 – 3,75 Prozent und deutete eine weitere moderate Lockerung für 2026 an. Am Markt werden derzeit sogar bis zu drei Zinssenkungen erwartet. In der Eurozone hat die Zentralbank momentan keinen Handlungsbedarf, der seit 2024 bestehende Zinszyklus läuft aus.

Für festverzinsliche Wertpapiere bedeutet das: In den USA wird die Zinsstrukturkurve wohl steiler – das kurze Ende durch die Fed gen Süden, das lange Ende wegen der Skepsis rund um die Schuldensituation stabil oder gen Norden. Somit dürfte vor allem das lange Laufzeitsegment bei Staatsanleihen anfällig bleiben. Schon moderate Renditeanstiege führen dort zu überproportionalen Kursverlusten. „Attraktiv erscheinen uns Positionierungen im mittleren Bereich der Kurve (drei bis fünf Jahre) oder am kurzen Ende (ein bis drei Jahre), die von Zinssenkungen profitieren dürften und zugleich ein überschaubares Risiko aufweisen“, so Fischer.

Bei US-Hochzinspapieren haben sich die Risikoprämien inzwischen deutlich normalisiert, die Zinsaufschläge liegen mit rund 317 Basispunkten Spread nun leicht über dem Jahresbeginn. „Solide Fundamentaldaten vieler Emittenten und anhaltend hohes Investoreninteresse stützen das Segment“, erklärt Fischer. Das Renditeniveau von rund 6,5 Prozent bleibe attraktiv – insbesondere für jene Anleger, die keine Konjunkturverlangsamung erwarten.

Auch Investment-Grade-Anleihen (IG) aus den USA zeigen ein solides Bild: Zinsaufschläge um 51 Basispunkte signalisieren eine weitgehende Normalisierung, während die Renditen von rund 4,8 Prozent das Segment taktisch relevant machen. „Für renditeorientierte Anleger können IG-Unternehmensanleihen punktuell eine Alternative zu US-Staatsanleihen darstellen, ohne direkt in höhere Risikoklassen ausweichen zu müssen“, so Fischer.

Zurück nach Europa: Dort bleibt die Attraktivität deutscher Bundesanleihen aus Investorensicht begrenzt. Dem kurzen Laufzeitsegment fehlt angesichts der stabilen EZB-Geldpolitik frischer Rückenwind durch Zinssenkungen. Am langen Ende wirken strukturelle Auftriebskräfte. Ein erhöhtes Angebot aufgrund staatlicher Ausgabenprogramme trifft auf eine selektivere Nachfrage internationaler Investoren. Entsprechend bleibt die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen anfällig für weiteren leichten Aufwärtsdruck beziehungsweise eine Stabilisierung auf erhöhtem Niveau. Auch im übrigen Euroraum zeigen die Renditekurven von Staatsanleihen überwiegend ein konstant steigendes Profil mit Versteilerungstendenz. „Dies lässt insgesamt kurze bis mittlere Laufzeiten, also den ‚Bauch‘ der Zinsstrukturkurve, attraktiver erscheinen“, sagt Fischer. 

Im Euro-Unternehmensanleihemarkt zeigen sich enge Risikoprämien: Investment-Grade-Spreads liegen bei 52 Basispunkten, High Yield bei 252 Basispunkten. Das Hochzins-Segment bleibt mit Renditen um 5,5 Prozent das interessantere Anlagefeld, verlangt aber aktives Risikomanagement. IG-Anleihen fungieren dagegen zunehmend als defensiver Portfolioanker.

Echte Chancen auf Zusatzerträge bieten Papiere aus Schwellenländern. Sie profitieren derzeit von drei zentralen Faktoren: hohe Realrenditen, ein schwächerer US-Dollar und die Aussicht auf Zinssenkungen in vielen Emerging Markets. Kein Wunder, haben doch zahlreiche Zentralbanken der Schwellenländer die Inflation frühzeitig bekämpft und verfügen nun über geldpolitischen Spielraum. „Schwellenländer-Anleihen, insbesondere in Lokalwährung, bieten derzeit ein attraktives Gesamtpaket“, erklärt Fischer, „bestehend aus hohen Realrenditen, potenziellen Währungsgewinnen und einer vorteilhaften Zinsdynamik.“ Gleichzeitig aber bleibe ein sorgfältiges, länderspezifisches Risikomanagement entscheidend.

www.fixed-income.org 

 

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