Der aktuelle Ausverkauf von langlaufenden Anleihen hat die Argumente gestärkt, kurzlaufende Anleihen in Betracht zu ziehen, da steigende Renditen die Märkte zwingen, sich mit den Risiken einer höheren Duration bzw. längeren Zinsbindung auseinanderzusetzen, so Aberdeen Investments.
Der Ausverkauf hat die deutliche Kluft zwischen dem kurzen und dem langen Ende des Anleihenmarktes offenbart. Untersuchungen von Aberdeen zeigen, dass globale kurzlaufende Unternehmensanleihen seit Jahresbeginn eine Gesamtrendite von etwa +1,3% erzielt haben, während globale Unternehmensanleihen über aller Laufzeiten hinweg eine Rendite von rund -1,4% verzeichneten. 30-jährige britische Staatsanleihen (Gilts) sind im gleichen Zeitraum um etwa -5,5% gefallen.
Laut Aberdeen ist ein Großteil dieses Unterschieds auf die Duration zurückzuführen. Anleihen mit kürzerer Restlaufzeit reagieren weniger empfindlich auf Zinsänderungen und Renditeentwicklungen bei Staatsanleihen. Daher sind sie weniger anfällig für die Kursschwankungen, von denen länger laufende Anlagen betroffen waren.
Auch wenn höhere langfristige Renditen attraktiv erscheinen, müssen Anleger diese zusätzlichen Erträge gegen eine mögliche anhaltende Volatilität abwägen, da die Märkte auf sich ändernde Erwartungen hinsichtlich Inflation, Zinssätzen und Staatsverschuldung reagieren.
Mark Munro, Investment Director bei Aberdeen Investments und Fondsmanager des „Short Dated Enhanced Income Fund“ von Aberdeen, sagt:
„Das Marktnarrativ konzentriert sich derzeit stark auf die Risiken, die mit höheren Renditen von Staatsanleihen verbunden sind. Unserer Meinung nach sollten Anleger auch die Chancen erkennen, die sich daraus ergeben. Das heutige Renditeumfeld unterscheidet sich stark von dem, mit dem Anleger während eines Großteils des vergangenen Jahrzehnts konfrontiert waren.
„Anleger müssen nicht zwangsläufig Kapital für 20 oder 30 Jahre binden, um attraktive Erträge zu erzielen. Kurzlaufende Anleihen – sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen – ermöglichen es, von den derzeit höheren Renditen zu profitieren und gleichzeitig ihr Risiko gegenüber den Zinsschwankungen zu verringern, denen Anleihen mit längerer Laufzeit ausgesetzt sind. Da die Fundamentaldaten der Unternehmen weiterhin robust sind, halten wir dies für eine attraktive Kombination.“
Warum jetzt kurzlaufende Anleihen?
Anleger sind besorgt über die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen. Jedoch unterscheidet sich der aktuelle Zyklus deutlich von dem der Jahre 2022/23: Die Leitzinsen liegen bereits auf einem wesentlich höheren Niveau und weitere Straffungen dürften wahrscheinlich begrenzter ausfallen. Dennoch haben die Märkte höhere Zinsen bereits weitgehend eingepreist Die Terminmärkte implizieren einen US-Leitzins von fast 5% in einem Jahr.
Da die Anleihemärkte in der Regel reagieren, bevor die Zentralbanken handeln, sind Cash- bzw. Geldmarktanlagen möglicherweise nicht die richtige Lösung. Wer auf höhere Geldmarktzinsen wartet, läuft Gefahr, die Chance zu verpassen, die sich bereits heute aus den Bewertungen an den Anleihemärkten ergibt. Diese Neubewertung hat die Renditen von Anleihen mit einer Laufzeit von 1 bis 3 Jahren über 5% getrieben - ein Niveau, das in den letzten zehn Jahren nur in etwa 20% der Zeit erreicht wurde. Historisch betrachtet gingen ähnliche Ausgangsrenditen häufig mit starken Folgerenditen und einer Outperformance gegenüber Geldmarktanlagen einher, was eine vielversprechende Gelegenheit bietet, sich heute erhöhte Erträge zu sichern.
Kurzlaufende Anleihen können sich zudem schneller anpassen, wenn die Renditen steigen, betont Aberdeen. Etwa ein Viertel des Portfolios der Short Dated Enhanced Income Strategie wird jedes Jahr fällig oder wird umgeschichtet, was regelmäßige Möglichkeiten zur Reinvestition von Kapital bietet. Infolgedessen kann sich der Vorteil einer Markt-Neubewertung schneller auf die Erträge des Portfolios auswirken als bei Strategien mit langer Laufzeit, bei denen Kapital möglicherweise in Anleihen gebunden bleibt, die viele Jahre zuvor mit niedrigeren Kupons begeben wurden.
Da die Fundamentaldaten der Unternehmen weiterhin robust sind und die Gesamtanleiherenditen auf dem höchsten Stand seit fast einem Jahrzehnt liegen, ist Aberdeen der Ansicht, dass kurzlaufende Anleihen eine attraktive Ertragsquelle darstellen können, ohne dass Anleger eine klare Position zur Entwicklung der langfristigen Zinsen einnehmen müssen.
Mark Munro fügte hinzu:
„Die Märkte reagieren nach wie vor äußerst empfindlich auf Inflationserwartungen und die Geldpolitik der Zentralbanken, doch ist ein Großteil des erwarteten Zinsanstiegs bereits in den Kursen kurzlaufender Anleihen eingepreist. Sollte die geldpolitische Straffung der Zentralbanken weitgehend so umgesetzt werden, wie es die Märkte erwarten, könnte ein Großteil der Anpassung am kurzen Ende der Kurve bereits stattgefunden haben. Eine etwaige Entspannung der geopolitischen Lage, nachlassender Inflationsdruck oder sinkende Erwartungen hinsichtlich künftiger Zinserhöhungen könnten das Umfeld für Anleihen wieder verbessern.
„Kurzlaufende Anleihen bieten uns zudem Flexibilität. Da jedes Jahr etwa ein Viertel des Portfolios ausläuft, können wir relativ schnell zu höheren Renditen reinvestieren. Für Anleger, die abwägen, ob sie ihr Kapital über mehrere Jahrzehnte binden oder es für einen deutlich kürzeren Zeitraum Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten zur Verfügung stellen sollen, bieten kurzlaufende Unternehmensanleihen unserer Ansicht nach eine attraktive Kombination aus laufenden Erträgen, geringerer Volatilität und einer niedrigeren Anfälligkeit gegenüber Schwankungen am Markt für Staatsanleihen.“
Drei Jahre Navigation durch turbulente Anleihemärkte
In diesem Umfeld feiert die „Short Dated Enhanced Income Strategy“ (SDEI) von Aberdeen Investments ihr dreijähriges Bestehen. Sie hat die Folgen des schnellsten Zinserhöhungszyklus seit Jahrzehnten bewältigt, ebenso wie die Krise am britischen Staatsanleihemarkt, Belastungen im regionalen Bankensektor, wiederkehrende Phasen hoher Volatilität bei Staatsanleihen und große geopolitische Schocks, darunter die „Liberation Day“-Zölle und den Konflikt im Nahen Osten.
In den drei Jahren seit ihrer Auflegung erzielte die Strategie eine Gesamtrendite von 6,1% pro Jahr und übertraf damit Geldmarktanlagen um etwa 1,6% pro Jahr bei einer Volatilität von lediglich 1,1%. Dabei behielt sie stets ihren Fokus bei, attraktive Erträge durch aktiv verwaltete, kurzlaufende festverzinsliche Anlagen zu erzielen.
Das Jubiläum fällt zudem in eine Phase starker Anerkennung durch unabhängige Dritte. So wurde die Strategie von Morningstar mit einem 5-Sterne-Rating ausgezeichnet. Diese Auszeichnung erfolgte in einem Marktumfeld, das von erheblicher Volatilität und sich rasch wandelnden makroökonomischen Rahmenbedingungen geprägt war.
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