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Am Rentenmarkt dreifach gegen Inflation wappnen

André Figueira de Sousa © DPAM

Die jüngsten Ent­wick­lungen in der Welt­politik verändern die Aus­sichten an den Renten­märkten grund­legend, insbeson­dere in Europa. Was jetzt die interes­santesten Segmente sind, erläutert André Figueira de Sousa, Renten­fonds­manager von DPAM:

Wir gehen davon aus, dass die EZB in den kommenden Monaten an ihrer Politik festhalten wird, wobei eine Zins­erhöhung nicht ausge­schlossen ist. Vor dem Irankonflikt sprach die Dynamik stark für Carry- und Risikostrategien, gestützt durch eine widerstandsfähige Weltwirtschaft. Inzwischen haben wir unser Spread-Engagement deutlich reduziert und auf eine ausgewogenere Allokation umgestellt.

Die Märkte dürften weiterhin höhere Inflationserwartungen einpreisen, sollte die Straße von Hormus unpassierbar bleiben. Dies dürfte zu höheren Zinsen führen. Ein vorsichtigerer Ansatz bei der Duration ist daher angemessen, eine weitere Verkürzung denkbar. Der Ölschock und ein möglicher Nachfragerückgang könnten zwar letztendlich zu niedrigeren Zinsen führen; die Märkte aber werden das Inflationsrisiko und mögliche Zweitrundeneffekte im Auge behalten.

1. Lange Zeit hinten: Inflationsgebundene Anleihen
Inflationsgebundene Anleihen können in diesem Umfeld eine gute Rolle spielen, auch für die Diversifizierung der Asset-Allokation. Sie bieten einen sinnvollen Schutz vor Inflationsrisiken, die vom Markt oft unterschätzt werden. Vor der Corona-Pandemie blieben inflationsgebundene Anleihen oft hinter Nominalanleihen zurück.

Das Umfeld ist heute ein völlig anderes – in den vergangenen sechs Jahren gab es bereits zwei Inflationsschocks. Der jüngste Konflikt zwischen dem Iran, den USA und Israel hat zu weiterer Unsicherheit im Handel und auf dem Energiemarkt geführt. Hinzu kommen der verstärkte Protektionismus und die Zölle der US-Regierung.

Inflationsgebundene Anleihen bleiben insbesondere bei Laufzeiten von etwa 5-10 Jahren attraktiv. In diesem Bereich sind die Inflationserwartungen nicht so stark gestiegen wie am kurzen Ende. Da die Inflationsrisikoprämie in den nächsten Jahren steigen dürfte, bietet dieses Segment überzeugende Chancen für Anleger, die ein Gleichgewicht zwischen Risiko und Rendite suchen. Seit Jahresbeginn outperformen inflationsgebundene Anleihen gegenüber Nominal- und Kreditanleihen. Das unterstreicht die Bedeutung einer gezielten Auswahl im aktuellen Umfeld.

2. Steile Kurve: Staatsanleihen (7-10 Jahre)
Staatsanleihen bieten weiterhin attraktive Renditeaussichten, insbesondere angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit. Dennoch sind viele Anleger hier untergewichtet. Vor dem jüngsten Konflikt lebte die negative Korrelation zwischen Staatsanleihen und Aktien wieder auf, was ihre Rolle bei der Risikostreuung bekräftigte. Wir bevorzugen weiterhin das 7-10-Jahres-Segment, wo die Kurve steil ist und Anleger von einem günstigen Roll-Down-Effekt profitieren.

3. Ausgewählt sinnvoll: Kreditanleihen
Bei den Credits bevorzugen wir Staatsanleihen aus Kern- und Semi-Kernländern gegenüber denen aus Peripherieländern. Das spiegelt die derzeitige Risikoaversion an den Märkten wider. Wir rechnen nicht mit einer ungeordneten Ausweitung der Spreads. Dennoch sollte man diese im Auge behalten, um hinsichtlich staatlicher Unterstützungsmaßnahmen europäischer Länder, insbesondere jener mit erhöhten Schuldenquoten, wachsam zu bleiben. Eine selektive Länderallokation ist unerlässlich.

www.fixed-income.org 

 

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