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Federated Hermes: Geldmarktfonds stabil bei hoher Nachfrage / US-Treasuries steigen im Schatten des Nahostkonflikts

R.J. Gallo © Federated Hermes

Die Markt­experten des globalen Asset­managers Federated Hermes gehen auf das aktuelle Geschehen an den wichtigsten Finanz­märkten ein. In dieser Woche disku­tieren die Experten, wie sich der seit einem Monat andauernde Iran-Konflikt auf die Renditen von US-Staats­anleihen auswirkt, welche Rolle steigende Ölpreise und die Neu­bewertung der Zentral­bank­politik dabei spielen und welche Folgen dies für Wachstums- und Inflations­sorgen der Märkte hat. Außerdem beleuchten sie die Stabilität des Vermögens in Geld­markt­fonds, das trotz geo­politischer Spannungen und saisonaler Mittel­abflüsse im ersten Quartal stabil geblieben ist, sowie die Frage, wie institu­tionelle Anleger ihr Portfolio an liquide Anlagen anpassen, während sie auf eine mögliche Stabilisierung des geopolitischen Umfelds und eine Rückkehr zu risikoreicheren Investments wie Aktien warten.

Debbie Cunningham, CIO für Global Liquidity bei Federated Hermes
Vermögen in Geldmarktfonds bleibt stabil

Im Bereich der liquiden Anlagen kommt es im ersten Quartal eines Jahres üblicherweise zu Mittelabflüssen, die vor allem auf die Auflösung der zum Jahresende vorgenommenen Bilanzkosmetik, den Fälligkeitstermin der Körperschaftsteuer am 15. März sowie die Vorbereitungen für die Steuerzahlungen von Privatpersonen im April zurückzuführen sind. In diesem Jahr zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Das verwaltete Gesamtvermögen der Geldmarktfonds der Branche blieb mit rund 7,45 Billionen US-Dollar stabil (Daten von iMoneyNet).

Worauf ist dieser Unterschied zurückzuführen? Wahrscheinlich haben geringere Steuerzahlungen im Zusammenhang mit dem „One Big Beautiful Bill“ eine Rolle gespielt. Naheliegender wäre jedoch, den Anstieg auf den Angriff der USA und Israels auf den Iran zurückzuführen. Politische Unruhen schränken die Risikobereitschaft der Anleger am stärksten ein. In solchen Situationen passen insbesondere institutionelle Anleger ihre Portfolios häufig an, indem sie den Anteil an liquiden oder wertstabilen Produkten erhöhen. Dabei handelt es sich nicht um „Hot Money“ – diese Anleger agieren eher vorsichtig und warten ab, bis sich die Lage stabilisiert, bevor sie wieder aktiv werden.

Der Iran-Konflikt machte jedoch nur etwa ein Drittel des ersten Quartals aus. Bereits im Januar und Februar flossen erhebliche Mittel in Geldmarktprodukte, sodass das verwaltete Vermögen der Branche in der Woche unmittelbar vor den Angriffen neue Höchststände erreichte. Ausschlaggebend dafür waren die attraktiven Renditen, die sich aus dem erhöhten Leitzins der Federal Reserve ergaben.

Für eine Anlageklasse, die auf Kapitalerhalt und unkomplizierte Rücknahme ausgelegt ist, bleiben Renditen eine zentrale Größe. Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins im Jahr 2022 so aggressiv angehoben, um der galoppierenden Inflation entgegenzuwirken, dass der Zielkorridor selbst zwei Jahre nach der Rückkehr zu einer expansiveren Geldpolitik weiterhin attraktiv ist. Liquidität gewinnt demnach als Anlageklasse aufgrund seiner eigenen Vorzüge an Bedeutung – und nicht etwa als Reaktion auf geopolitische Unsicherheiten oder Kursrisiken bei Aktien.

Die zentrale Frage lautet daher, was geschieht, wenn Anleger davon überzeugt sind, dass sich das geopolitische Umfeld so weit stabilisiert hat, dass ein Engagement in risikoreichere Anlagen wie den Aktienmarkt wieder sinnvoll erscheint. Die Erfahrung zeigt, dass sie genau dies tun, entweder um zu günstigen Kursen einzusteigen oder um am erwarteten Wirtschaftswachstum teilzuhaben, das viele Analysten nach Abschluss des Iran-Konflikts prognostizieren. Einige Anleger werden diesen Schritt zweifellos wagen. Wir gehen jedoch davon aus, dass ein Teil von ihnen sich weiterhin von den aktuellen attraktiven Renditen der Geldmarktfonds angezogen fühlt, in dieser Anlageklasse verbleibt und vorerst abwartend bleibt.

R.J. Gallo, Deputy CIO für Global Fixed Income bei Federated Hermes
Renditen von US-Staatsanleihen: Ursachen des Anstiegs

Die Renditen von US-Staatsanleihen sind im Zuge des mittlerweile seit einem Monat andauernden Iran-Konflikts deutlich gestiegen. Maßgeblich hierfür ist der Anstieg der Ölpreise, der weltweit zu einer spürbaren Neubewertung der Erwartungen an die künftige Zentralbankpolitik geführt hat.

Die abrupten und potenziell anhaltenden Auswirkungen auf die Inflation stehen dabei kurzfristig im Fokus der Anleger und haben Wachstumsbedenken, wie sie typischerweise mit Energieversorgungsschocks einhergehen, in den Hintergrund treten lassen. Infolgedessen wird eine Lockerung der Geldpolitik durch die Federal Reserve von den Märkten kaum noch erwartet, während zugleich bereits erste Schritte in Richtung einer restriktiveren Ausrichtung eingepreist werden.

Obwohl derzeit häufig Parallelen zur Ölknappheit der 1970er Jahre gezogen werden, sind moderne Volkswirtschaften heute deutlich effizienter und erzielen ein höheres Wachstum je Einheit eingesetzter fossiler Brennstoffe als noch vor 50 Jahren. Dies erklärt, weshalb der gewichtete Durchschnittsertrag des US-Treasury-Index im Verlauf des Konflikts um etwas mehr als 50 Basispunkte gestiegen ist. Gleichwohl erwarten wir, dass mit anhaltend hohen Ölpreisen zunehmend Wachstumsbedenken in den Vordergrund rücken und sich die Stimmung gegenüber risikobehafteten Anlagen entsprechend eintrüben dürfte.

Derzeit herrscht weiterhin erhebliche Unsicherheit, da indirekte Verhandlungen angelaufen sind, in denen die Konfliktparteien stark divergierende Positionen vertreten. Möglicherweise befinden wir uns in einer Warteschleife, während zusätzliche US-Truppen in die Region verlegt werden, um den Druck auf den Iran zu erhöhen. Ein einseitiger Rückzug seitens Präsident Trump erscheint unwahrscheinlich, solange die Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt. Obwohl der Iran nur noch in begrenztem Umfang Raketen abfeuern und die Meerenge kontrollieren kann, behält das Regime trotz der massiven militärischen Übermacht weiterhin Verhandlungsmacht. Dennoch könnten die indirekten Gespräche eine Chance bieten, dass die taktischen Erträge moderat zurückgehen. Zudem könnte eine Pattsituation während der weiteren Truppenverlegungen ebenfalls zu einem vorübergehenden Rückgang der Anleiherenditen führen.

www.fixed-income.org 

 

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