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Federated Hermes: Volatilität als neue Normalität / US-Wachstum zwischen Chancen und Risiken / Emerging Markets im Umbruch

© Pixabay

Die Markt­experten des globalen Asset­managers gehen in kurzen Kommen­taren auf das aktuelle Geschehen an den wichtigsten Finanz­märkten ein. In dieser Woche diskutieren die Experten die langfristigen Folgen des Nah­ost­konflikts für Emerging Markets, ins­besondere die Neu­bewertung der Energie­sicherheit und den beschleu­nigten Ausbau alternativer Energie­quellen. Sie beleuchten zudem die anhaltend hohe Markt­volatilität, die durch makro­öko­nomische und politische Unsicher­heiten verstärkt wird, sowie die Frage, ob sich Wachstum das der US-Wirtschaft trotz geopolitischer Belastungen anhalten kann. Außerdem analysieren sie die Auswirkungen steigender Energiepreise und veränderter Zinserwartungen auf die Kapitalmärkte und die Rolle geldpolitischer Entscheidungen. Abgeschlossen wird die Analyse mit den wachsenden Stagflationsrisiken im Vereinigten Königreich, die durch schwaches Wachstum und anhaltenden Inflationsdruck geprägt sind.

Kunjal Gala, Head of Global Emerging Markets bei Federated Hermes
Emerging Markets: Langfristige Auswirkungen

Es ist davon auszugehen, dass der Konflikt viele Regierungen in Schwellenländern dazu veranlassen wird, ihre Energiesicherheit neu zu bewerten. Der Ausbau alternativer Energiequellen – wie Kernenergie und erneuerbare Energien – wird sich wahrscheinlich beschleunigen, da diese Länder versuchen, ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen im Falle zukünftiger Konflikte zu verringern.

Als Nettoexporteur sind die USA schwächer von der Krise im Nahen Osten betroffen. Viele asiatische Länder tragen hingegen die Hauptlast der Folgen, da etwa 80 % des durch die Straße von Hormus transportierten Öls und Gases nach Asien gehen. Diese Abhängigkeit zieht in zahlreichen Ländern mit begrenzten Energiereserven, insbesondere im Gassektor, erhebliche Folgen nach sich.

Unserer Ansicht nach zählen zu den wichtigsten Folgen des Konflikts eine Neuordnung des geopolitischen Gleichgewichts im Nahen Osten, Veränderungen der globalen Prioritäten im Bereich der Energiesicherheit sowie eine fortschreitende Schwächung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit in Regionen, die besonders anfällig für Energieschocks sind.

Louise Dudley, Portfolio Managerin für globale Aktien bei Federated Hermes
Märkte lernen, mit Volatilität umzugehen

Die Volatilität bleibt das dominierende Merkmal des Marktumfelds, getrieben durch makroökonomische Faktoren. Ein Jahr nach dem „Liberation Day“ wurden die Risikomodelle angepasst und der Blick in die Vergangenheit hat nun größere Übereinstimmung mit den Erwartungen für das Jahr 2026.

Am Tag des Liberation Days reagierten die Märkte schockiert und schnell. Seitdem sind Investoren vorsichtiger geworden, was die Aussicht auf eine anhaltend positive Dynamik betrifft – insbesondere aufgrund unvorhersehbarer politischer Entscheidungen. Die zahlreichen Äußerungen von Donald Trump verstärken die Unsicherheit und treiben die Risikoprämien nach oben.

Die Volatilität muss zudem im Kontext der Bewertungen gesehen werden. Die Bewertungsmultiplikatoren haben sich verengt, was Chancen für langfristig orientierte Anleger eröffnet, die Störgeräusche ausblenden können. Wachstum ist heute – im Vergleich zu vor einem Jahr – noch knapper geworden, da weniger fiskalpolitische Spielräume zur Verfügung stehen.

Damian McIntyre, Head of Multi-Asset Solutions bei Federated Hermes
Wird das US-Wachstum anhalten?

Das erste Quartal 2026 liegt nun hinter uns und es war von zahlreichen Schwankungen geprägt. Zu Jahresbeginn gab es starke Rückenwinde für Growth-Werte, insbesondere für internationale Aktien (außerhalb der USA). Bereits im Vorjahr hatten internationale Aktien – angeführt von den Emerging Markets – besser abgeschnitten als US-Titel, da das Vertrauen der Anleger in den amerikanischen Exzeptionalismus nachließ. Dieser Trend setzte sich im ersten Quartal fort, wobei der S&P 500 gegenüber internationalen Aktien sowie Schwellenländern deutlich zurückblieb. 

In letzter Zeit wurden vereinzelt Zinserhöhungen gefordert, um der Rohstoffinflation entgegenzuwirken. Dies erscheint jedoch fehlgeleitet, da diese Inflation nicht aus einer übermäßigen Nachfrage resultiert, die durch Zinserhöhungen gedämpft werden könnte. Angesichts der Lage am US-Arbeits- und Immobilienmarkt hätte die Fed ohne den Krieg möglicherweise weiterhin eine lockere Geldpolitik verfolgt. Mitte April sollen die Anhörungen zur Bestätigung von Kevin Warsh beginnen, dem von Präsident Trump nominierten neuen Vorsitzenden der Notenbank. Es bleibt abzuwarten, ob Warsh in seiner Anhörung vor dem Senat niedrigere Zinsen befürworten wird.

Sollte der Krieg in absehbarer Zeit enden, könnte sich das Wachstumsszenario in den USA fortsetzen. Die grundsätzlich robuste Verfassung der US-Wirtschaft könnte die Risikobereitschaft und den Optimismus zurück an die Märkte bringen, was Aktien Auftrieb verleihen dürfte.

Gary Skedge, Head of UK Liquidity Strategies bei Federated Hermes
Rückkehr von Stagflationsängsten im Vereinigten Königreich

Die britische Wirtschaft startete bereits schwach ins Jahr, noch bevor der Krieg im Nahen Osten einen globalen Energieschock auslöste. Die Arbeitslosenquote erreichte im letzten Quartal 2025 mit 5,2 % den höchsten Stand seit fast fünf Jahren. Allerdings begründete ein Rückgang der Inflation auf 3 % die Erwartung von zwei Zinssenkungen durch die Bank of England in diesem Jahr.

Die US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar zerstörten diese Hoffnungen jedoch vollständig.

Die BoE entschied auf ihrer März-Sitzung einstimmig, den Leitzins bei 3,75 % zu belassen. Gouverneur Andrew Bailey warnte zugleich vor steigenden Inflationsrisiken im laufenden Jahr. In einer deutlichen Kehrtwende rechnen die Märkte inzwischen mit mindestens einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte – und dies trotz der zwischen den USA und dem Iran vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe.

Die BoE wurde dafür kritisiert, zu zögerlich auf den Inflationsanstieg reagiert zu haben, der nach dem Ende der COVID-19-Pandemie einsetzte und sich infolge des Russland-Ukraine-Kriegs weiter verstärkte. Die Erwartung, dass es sich bei diesem Anstieg lediglich um ein vorübergehendes Phänomen handeln würde, erwies sich als trügerisch, als die Inflation im Vereinigten Königreich in der zweiten Jahreshälfte 2022 auf über 10 % anstieg.

Zunehmend wachsen die Sorgen, dass dem Vereinigten Königreich eine Phase der Stagflation bevorsteht, in der die hohe Inflation die BoE daran hindert, die stagnierende Wirtschaft durch Zinsensenkungen zu unterstützen.

www.fixed-income.org 

 

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