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Game of Thrones, mit Öl und Chips / von Chris Iggo, Chair of the Investment Institute and CIO for AXA IM Core bei BNP Paribas Asset Management

Chris Iggo © AXA IM / BNP Paribas Asset Management

„Was war die letzte Woche doch für ein Jahr.“ So begann ein Podcast, den ich letzte Woche gehört habe. In der Tat – es ist viel passiert. Anleger machen sich weiterhin Sorgen um Welt- und Geld­politik, die Sicher­heits­archi­tektur verändert sich, die Politik ist im Fluss. Märkte reagieren darauf oft mit Volatilität, denn die unmittel­baren real­wirt­schaft­lichen Folgen sind schwer einzu­schätzen. Nach wie vor rechne ich mit Wachs­tum, mäßiger Inflation (wenn auch über manchen Notenbank­zielen) und weiteren leichten Zins­senkungen. Für Anleger ist das gut, auch wenn die Erträge wohl niedriger sein werden als letztes Jahr. Sicherheit, Autarkie und stabile Lieferketten werden wichtige Invest­ment­themen sein.

Auf die USA kommt es an: Die weltpolitischen Entwicklungen seit Jahresbeginn haben viel mit der neuen außenpolitischen Doktrin der USA zu tun, veröffentlicht letzten November im Papier zur Nationalen Sicherheitsstrategie. Der wichtigste Grundsatz ist demnach „America First“. Die Intervention in Venezuela passt zum Streben nach mehr Einfluss auf die westliche Hemisphäre, der Griff nach Grönlands Rohstoffreichtum zum Ziel der wirtschaftlichen Autarkie. Die Destabilisierung der NATO und der Austritt aus anderen internationalen Organisationen könnten als Umsetzung zweier Grundsätze interpretiert werden: „Vorrang der Nationalstaaten“ sowie „Souveränität und Respekt“. Als Anleger müssen wir wissen, dass Veränderungen des internationalen Machtgefüges Märkte, Außenhandel und Kapitalströme beeinflussen können. Auf jeden Fall hat die US-Politik kurzfristig Auswirkungen auf Anlegerstimmung und Marktvolatilität – und langfristig wohl auch auf die Fundamentaldaten.

Öl, mal wieder: Themen gibt es viele. Das amerikanische Interesse am venezolanischen Öl kann ebenso Auswirkungen auf den Rohölmarkt haben wie möglicher politischer Wandel im Iran. Beides beeinflusst das Angebot. Die Ölpreise könnten auf Dauer fallen, mit Konsequenzen für Inflation und Zinsen, Handelsbilanzen, Staatsfinanzen der Förderländer und die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien im Vergleich zu fossilen. Kurzfristig könnten die Ereignisse im Iran den Ölpreis aber kräftig steigen lassen, mit Folgen auch für andere Märkte.

Risiken für den Dollar: Interessant ist auch der Ausblick für den Dollar. Seit den frühen 1970ern hat das Petrodollar-Recycling dazu beigetragen, dass er die unbestrittene Weltreserve¬währung ist. Weil Öl (und andere Rohstoffe) in Dollar gehandelt werden, haben andere Länder hohe Einnahmen in der US-Währung. Sie kauften amerikanische Staatsanleihen und andere Wertpapiere und ermöglichten den USA damit die Finanzierung ihres hohen Leistungsbilanzdefizits – eine Folge des hohen Konsums und hoher Staatsausgaben, vor allem für Verteidigung. In seinem Buch Smart Money schreibt Brunello Rosa, dass vor allem Chinas weltweite Ambitionen die Stellung des Dollar bedrohen könnten. Durch Initiativen wie die „Neue Seidenstraße“ und die Entwicklung einer Digitalwährung (CBDC) der chinesischen Zentralbank arbeitet China darauf hin, dass langsam, aber sicher ein größerer Teil des Welthandels in Renminbi abgewickelt wird. Wer weltweit Lieferketten und Rohstoffmärkte kontrollieren will, braucht eine Hegemonialwährung.

Aber noch sind wir nicht so weit. Noch ist die Stellung des Dollar als Weltreservewährung nicht ernsthaft gefährdet. Die zunehmende CBDC-Nutzung und die immer bipolarere Weltordnung könnten das aber ändern. Die USA können dem entgegenwirken, indem sie einen immer größeren Teil der weltweiten Ölreserven unter ihre Kontrolle bringen und ihre strategischen Beziehungen zu wichtigen Förderländern stärken, vor allem zu Saudi-Arabien. Aber das sind noch nicht alle Risiken für den Dollar. Hinzu kommen die immer schlechteren amerikanischen Staatsfinanzen, eine mögliche Politisierung der Geldpolitik und möglicherweise niedrigere Dollaranlagen internationaler Investoren als Reaktion darauf. Die steigenden Dollarpreise für Gold, Silber und Platin bilden die unsichere Weltlage und die zunehmenden wirtschaftlichen Risiken vielleicht schon ab. Das größte Risiko für die USA ist, dass ein schwindendes Vertrauen in den Dollar die Finanzierung des Doppeldefizits verteuert. Höhere US-Staatsanleihenrenditen wären nicht gut für einen Aktienmarkt, der schon jetzt sehr teuer ist.

Zugang zu KI: Der Machtkampf zwischen den USA und China zeigt sich nirgendwo deutlicher als bei Technologie. Trumps Nationale Sicherheitsstrategie betont, wie wichtig der Zugang zu strategischen Lieferketten und kritischen Rohstoffen ist. Außerdem will man den Energiemarkt beherrschen (und leugnet zugleich den Klimawandel), die Verteidigungs-industrie stärken und die amerikanische Dominanz der Finanzmärkte bewahren. Der generelle Rohstoffpreisanstieg überrascht nicht, zumal die Weltmächte unbedingt die Rohstoffmärkte kontrollieren wollen. Nicht nur Edelmetalle, sondern unter anderem auch Kupfer und Aluminium wurden letztes Jahr sehr viel teurer. Wer die Weltwirtschaft dominieren will, braucht Zugang zu Seltenen Erden und Bauteilen für die IT, vor allem Halbleiter. Deshalb ist Taiwans künftiger Status so ein wichtiges Marktthema.

Besser nicht übertreiben: All das ist faszinierend und kann enorme Folgen für die Weltwirtschaft haben. Aber auch wenn der alte Multilateralismus einer neuen multi- oder bipolaren Ordnung weicht, dürften die schlimmsten Szenarien wohl nicht eintreten – denn jeder weiß, dass es dabei nur Verlierer geben kann. Massive Verkäufe von US-Staatsanleihen oder die Annexion Taiwans durch China wären sozusagen die Atombombe. Die Konsequenz wäre weltweites wirtschaftliches Chaos, wenn nicht Schlimmeres, und zumindest kurzfristig gäbe es keine Gewinner. Solche Extremrisiken beschäftigen uns, aber wir laufen dabei Gefahr, die vielleicht weniger drastischen, aber dafür oft sehr konkreten Auswirkungen auf die Märkte zu übersehen.

Real und strategisch: In unserer Welt im Wandel spricht viel für Sachwerte und strategische Anlagen. Man sieht das gerade bei Gold und Silber. Andere Rohstoffe dürften hinzukommen, und am Ende dürften wohl auch Lebensmittelherstellung und -handel, Energie und Wasser von solchen Entwicklungen profitieren. Ein klarer Gewinner ist schon jetzt der Verteidigungssektor. Auch die Schwerpunktverlagerung vom Aufbau der KI-Infrastruktur zur Nutzung Künstlicher Intelligenz dürfte ein Thema werden. Letztlich wird es wichtiger sein, KI sinnvoll zu nutzen, als die meisten Datenzentren oder das beste große Sprachmodell zu haben. Beeinflusst wird die Entwicklung von nationalen Sicherheitsinteressen, und zwar an beiden Polen der neuen Weltordnung. (Russland ist zwar auch wichtig, hat seine Interessen aber im „No Limits“-Abkommen von 2022 mit denen Chinas abgestimmt.)

Konjunkturoptimismus: Die Märkte reagieren aber nicht nur auf strategische Entscheidungen und die Weltpolitik. Für die kurzfristige Performance bleibt die Konjunktur der wichtigste Faktor. Trotz der jüngsten Ereignisse hat sich hier gegenüber dem Vorjahr nicht viel verändert. Aktien sind schon in den ersten Januartagen auf neue Rekordhochs gestiegen, die Anleihenrenditen sind stabil, und die Credit Spreads bleiben eng. Allgemein wird mit einem stabilen und soliden Wachstum und einer Inflation etwas über den Notenbankzielen gerechnet. Der amerikanische Verbraucherpreisbericht für den Dezember hat das einstweilen bestätigt; die Teuerung liegt bei 2,7% z.Vj. Die Leitzinserwartungen sind stabil. Von den großen Weltwährungen wertet nur der Yen tendenziell ab. Die übrigen Wechselkurse verändern sich kaum.

Teuer und zuversichtlich: So gesehen sollte man bei Anleihen auf den Carry setzen. Da es kaum Anzeichen für strukturell schlechtere Kreditbedingungen gibt, spricht viel für High Yield. Ende 2025 meinten wir, dass die Zinsen wohl stabil bleiben; die Zinssenkungen seien im alten Jahr weitgehend beendet worden. Allerdings könnten die Zinsstrukturkurven steiler werden, da Staatsfinanzen und Teuerung bisweilen Sorgen machen. Aktien profitieren unterdessen weiterhin von der KI-Begeisterung. Die laufende Berichtssaison wird zeigen, ob die Hyperscaler auch künftig so viel investieren. Allgemein bleiben die Gewinnerwartungen aber gut, da die Wirtschaft weiter wächst. In den USA hat die Berichtssaison für das 4. Quartal gut begonnen; die großen Banken übertrafen die Erwartungen, wobei sie vor allem mit dem Aktienhandel viel verdienten. Allerdings haben Trumps Bemerkungen über eine mögliche Obergrenze für Kreditkartenzinsen ihre Kursentwicklung gebremst. Auch daran sieht man, dass politische Unsicherheit ein wichtiges Thema bleibt.

Wachstum ohne Jobs? Risiken sehen wir aber für den US-Arbeitsmarkt. Letztes Jahr wurden nur 584.000 neue Stellen geschaffen, so wenige wie seit 2009 nicht mehr (abgesehen von 2020, als die Wirtschaft wegen Corona faktisch stillstand). Nur in elf der letzten 50 Jahre war der Beschäftigungszuwachs in den USA niedriger, und stets befand sich die Wirtschaft dann in der Rezession. Noch immer herrscht gemessen an der Arbeitslosenquote zwar weitgehend Vollbeschäftigung, aber das Verbrauchervertrauen und manche Geschäftsklimaindikatoren sind schwach. Außerdem sind die Zölle noch nicht vollständig verarbeitet, und das politische Klima ist angespannt. Konsens ist, dass KI Stellen kostet. Außerdem wollen die USA keineswegs den Staatssektor ausbauen, und der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe liegt schon seit fast drei Jahren unter 50 (was eine Kontraktion anzeigt). Wo also sollten neue Stellen herkommen? Selbst wenn die Inflation näher an 3% als an 2% liegt, drängt die Politik auf niedrigere Leitzinsen. Der Weg dorthin – ob durch politischen Druck oder schwächeres Wirtschaftswachstum – wird große Auswirkungen auf die Zinsstrukturkurve und den US-Dollar haben.

Performancedaten/Quellen: LSEG Workspace Datastream, ICE Data Services, Bloomberg, BNP Paribas AM, Stand 15. Januar 2026, falls nicht anders angegeben. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf künftige Erträge.

www.fixed-income.org 

 

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