Im Markt für Green, Social und Sustainability (GSS)-Anleihen war 2025 viel Bewegung und das Emissionsvolumen mal wieder fast auf Rekordniveau. Bleibt die Marschrichtung bestehen oder tritt der Markt nun in eine reifere Phase ein? Johann Plé, Senior Portfolio Manager bei BNP Paribas Asset Management, blickt analytisch auf das zurückliegende Jahr und leitet daraus fünf Trends für die weitere Entwicklung ab:
1. Der GSS-Bondmarkt bleibt „grün“…
„Es werden auch weiterhin die grünen Anleihen sein, die den größten Teil der GSS-Emissionen ausmachen und den Markt wachsen lassen“, ist Plé überzeugt, nachdem schon 2025 61 Prozent der emittierten GSS-Bonds ein grünes Label hatten. Die dahinterstehende Schubkraft verortet der Experte in anhaltend hohem Investitionsbedarf in erneuerbare Energien, Netzinfrastruktur und grüne Immobilien.
2. …aber wird erwachsen
Während der Markt bei den Emissionsvolumina in den letzten Jahren von Rekord zu Rekord geeilt ist – mit 726 Mrd. USD hatte er 2025 fast das Niveau von 2024 erreicht – attestiert Plé der künftigen Dynamik nun eine gewisse Normalisierung. Für eine Stabilisierung der Emissionen sprechen für den Experten unter anderem die ca. 170 Mrd. USD an grünen Anleihen, die in diesem Jahr ihre Fälligkeit haben: „Es gibt keine Garantie, dass diese Rückzahlungen durch neue grüne Bonds refinanziert werden.“ Ein klares Anzeichen für einen insgesamt reiferen Markt seien allerdings die 84 neuen Emittenten, die im vergangenen Jahr in den Markt eintraten.
3. Grün wird noch grüner
Für 2026 erwartet Plé, dass mehr Kapital denjenigen Emittenten zufließt, die nachweisbar geeignete Assets halten und grüne Projekte verfolgen, andere könnten den Markt verlassen. Ausschlaggebend seien unter anderem erhöhte Transparenz und Glaubwürdigkeit durch neue EU-Standards für grüne Anleihen. Außerdem verweist der Experte auf Studien, nach denen Emittenten grüner Anleihen schneller CO2-Emissionen reduzieren als andere – dies sei „ein starker Anreiz, in diese Assetklasse zu investieren.“ Hinzu komme das inzwischen verschwundene „Greenium“, also der Renditeabschlag für Green Bonds: „Während sich einige Emittenten vielleicht fragen, ob die Einhaltung von Standards ohne Entschädigung die Mühe wert ist, verabschieden sich rein opportunistische Emittenten so automatisch vom Markt.“
4. Die USA ziehen sich raus
„US-Emittenten sind fast aus dem Markt verschwunden – eine verpasste Wachstumschance“, kommentiert Plé die 2,5 Prozent, die die USA 2025 noch zu den weltweiten GSS-Emissionen beigetragen hatten. Zugpferd sei weiterhin klar Europa, insbesondere bei grünen Anleihen. Auch in der APAC-Region war 2025 ein leichter Emissionsrückgang zu verzeichnen, in Schwellenländern hingegen ein leichter Anstieg.
5. Nachhaltigkeitsbonds ziehen an, Sozialanleihen stagnieren
203 Mrd. USD an Neuemissionen – bei Nachhaltigkeitsbonds, also solchen Anleihen, die ökologische und soziale Komponenten vereinen, sieht Plé im Jahr 2025 ein solides Fundament für weiteres Wachstum. „Hier sind die Triebkräfte tatsächlich nicht-europäische Emittenten. Vor allem in der APAC-Region könnten neue Taxonomien zusätzliche Impulse setzen.“ Im Markt für rein soziale Anleihen, der ca. 20 Prozent des gesamten GSS-Markts ausmacht, bleibt die Emissionstätigkeit nach Plés Einschätzung moderat, nachdem sie schon 2025 um 20 Prozent zurückging.
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