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Kommentar zur Intervention der USA in Venezuela vom Franklin Templeton Institute

Stephen Dover © Franklin Templeton Institute

Die Fest­nahme des venezo­la­nischen Präsi­denten Maduro durch die USA kom­mentiert Stephen Dover, Leiter des Franklin Templ­eton Institute: Am frühen Samstag­morgen nahmen US-Streit­kräfte den venezo­lanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seine Frau fest. Laut offiziellen US-Quellen werden beide bis zum Abschluss des Gerichts­ver­fahrens in den USA in Haft bleiben.

Die Lage ist ungewiss und wird wahrscheinlich weiterhin unbeständig bleiben. Dennoch sind einige erste Auswirkungen auf die Märkte und Investoren hervorzuheben.

•  Eine Intervention der USA ist nicht beispiellos. Die USA haben eine lange Geschichte der Interventionen in der westlichen Hemisphäre. Die USA haben ihre „hegemonialen Interessen” in der Region erstmals 1823 in der Monroe-Doktrin offiziell erklärt. Es wäre daher unserer Ansicht nach falsch, die heutigen Maßnahmen als grundlegende Änderung der US-Außenpolitik zu betrachten oder anzunehmen, dass ähnliche Schritte im Nahen Osten oder anderswo in Betracht gezogen werden könnten.

•  Verteidigungsinvestitionen gewinnen an Bedeutung. Die Trump-Regierung hat den Eindruck verstärkt, dass die USA bereit sind, unilateral zu handeln und Gewalt anzuwenden. Andere Länder mit territorialen Interessen in anderen Regionen könnten durch den Einsatz von Macht seitens der USA ermutigt werden. Diese Maßnahme dürfte auch die Unsicherheit hinsichtlich der Rolle des Dollars als „sicherer Hafen” verstärken und weitere Fragen hinsichtlich der Verschlechterung der internationalen institutionellen Säulen aufwerfen. Die heutige Militäraktion der USA dürfte daher den bereits bestehenden Trend verstärken, dass verschiedene Länder weltweit mehr in ihre nationale Sicherheit investieren. Dies ist seit der russischen Invasion in der Ukraine eines unserer wichtigsten Anlagethemen.

•  Begrenzte Auswirkungen auf das kurzfristige Ölangebot. Angesichts der Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Regierungsform Venezuelas und der wechselvollen Geschichte der USA in Bezug auf „Regimewechsel“ in Ölförderländern (z. B. Irak oder Libyen) ist es unwahrscheinlich, dass die Ölmärkte mit einem raschen Anstieg des Rohölangebots aus Venezuela rechnen. Venezuela verfügt über die weltweit größten Rohölreserven (über 300 Milliarden Barrel), aber der schlechte Zustand seiner veralteten Ölförder- und Transportinfrastruktur sowie die geringe Qualität seines „schweren” Rohöls lassen vermuten, dass selbst die Rückkehr politischer Stabilität nicht zu einer raschen Steigerung der Rohölproduktion oder -exporte (derzeit rund 1 Million Barrel pro Tag oder etwa 1% der weltweiten Produktion) führen wird. Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist, dass der Großteil des venezolanischen Öls nach China exportiert wird.

•  Mögliche stärkere langfristige Auswirkungen auf den Ölmarkt: Eine längerfristige Stabilisierung in Venezuela in Verbindung mit einem möglichen Friedensabkommen in der Ukraine könnte bis zum Ende dieses Jahrzehnts mehr als 5 Millionen Barrel Öl pro Tag auf die globalen Rohölmärkte bringen. Dies würde etwa 5 % oder mehr der weltweiten Rohölproduktion ausmachen und wäre ausreichend, um die Ölpreise länger niedrig zu halten, was sich eindeutig positiv auf das globale Wachstum auswirken und die Inflation dämpfen würde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die heutige Militäraktion der USA weder beispiellos ist noch eine grundlegende Veränderung in der US-Außenpolitik widerspiegelt. Allein kann sie die riesigen Rohölreserven Venezuelas nicht erschließen. Dazu ist eine dauerhafte politische Stabilität erforderlich. Dementsprechend dürfte die erste Reaktion auf die heutige Militäraktion an den Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkten eher gering ausfallen. Der Einsatz von Gewalt wird jedoch in vielen Ländern die Ansicht bestärken, dass die Ausgaben für die nationale Sicherheit erhöht werden müssen. Letztendlich und auf längere Sicht wird ein stabileres, produktiveres und wohlhabenderes Venezuela das Potenzial haben, die Welt mit erheblichen Mengen an Öl zu versorgen. Das wäre für das globale Wachstum von Bedeutung, aber es bedarf politischer Stabilität und erheblicher Investitionen, um dieses Potenzial zu erschließen. Die korrupte venezolanische Regierung loszuwerden mag gut sein, aber wie Colin Powell einmal sagte: „Wenn man etwas kaputt macht, muss man auch dafür geradestehen.“

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